Diemelseer Parlament stellt mehr Geld für den Neubau bereit

Heringhäuser Kläranlage wird 1,3 Millionen Euro teurer

Ortstermin in der Heringhäuser Kläranlage während der Bauarbeiten Ende 2019
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Teurer als 2018 geplant: Für die neue Heringhäuser Kläranlage muss die Gemeinde Diemelsee rund 1,3 Millionen Euro mehr aufwenden. Die Kostensteigerungen führten zu Diskussionen im Parlament. Foto: Schilling

Rund 1,27 Millionen Euro mehr als zunächst vorgesehen soll die neue Kläranlage in Heringhausen kosten. Wegen dieser Steigerungen kamen die Diemelseer Gemeindevertreter am Freitag erneut zu einer Sitzung zusammen.

Diemelsee-Adorf – „Ich bin total schockiert, sagte die SPD-Sprecherin Sonja Witsch, „ich bin sehr schockiert“, bekundete der FDP-Sprecher Christian Pohlmann. „Die CDU ist überrascht“, erklärte die Fraktionschefin Dr. Beate Schultze. „Das sollte uns eine Lehre sein“, urteilte ihr FWG-Kollege Horst Wilke. Für die Gemeindevertreter kam die Nachricht von den Kostensteigerungen überraschend.

Der Planer Günter Müller-Czygan von der Südwest Consult erläuterte, wie die Kostensteigerungen entstanden sind, und ging auf den Stand der Bauarbeiten ein – die Kläranlage läuft seit Sommer im Probebetrieb.

Erster Entwurf: 3,6 Millionen Euro Kosten

Im Mai 2018 habe er dem Parlament eine Entwurfsplanung mit einer Kostenschätzung von 3,6 Millionen Euro vorgelegt, sagte Müller-Czygan. Dem sei die etwa einjährige Genehmigungsplanung gefolgt, bei der in Abstimmung mit den Behörden Änderungen erforderlich gewesen seien. So musste die Florenbike umgelegt werden, Abbrucharbeiten kamen hinzu, die untere Wasserbehörde des Kreises hatte Auflagen für den provisorischen Betrieb. Dies habe einen ersten „Kostensprung“ auf 3,93 Millionen Euro bewirkt.

Nächster Schritt: die öffentliche Ausschreibung der Arbeiten. Die Angebotspreise seien wegen der Kostenentwicklung in der Baubranche höher gewesen als im Entwurf kalkuliert, sagte Müller-Czygan. Im Schnitt seien die Baupreise in den vorigen drei Jahren um 15 Prozent gestiegen, bei der Ausrüstungstechnik um zwölf Prozent. Allerdings würden die Preise bei den vergebenen Aufträgen „eher unterschritten“.

„Diese Kostensteigerung hätten wir darstellen müssen.“

„Diese Kostensteigerung hätten wir darstellen müssen“, räumte Müller-Czygan ein. „Wir hätten auf sie zukommen müssen.“ Er entschuldigte sich bei den Gemeindevertretern. Er sei davon ausgegangen, dass ihnen diese Zahlen bekannt gewesen seien. Deshalb habe er bei der Parlamentssitzung im August diesen Jahres berichtet, dieser Kostenrahmen werde voraussichtlich eingehalten.

Weitere Mehrkosten hätten Gemeindevorstand und Parlament im Juli 2019 genehmigt: Weil das Betriebsgebäude um 1,50 Meter näher an die Straße verlegt wurde, sei mehr Erdaushub und „Bodenaustauschmaterial“ erforderlich gewesen. Kosten: weitere 243.000 Euro.

Stand September: Kosten bei 4,6 Millionen Euro

Seit anderthalb Jahren sei die Kläranlage in Bau. Ende September sei die Halle zu 90 Prozent fertig gewesen, der zweite Bauabschnitt mit der mechanischen Vorreinigung, dem Zulaufpuffer und der Elektrotechnik zu 25 Prozent. Ein damals aufgestellter Abrechnungsplan habe ergeben, dass die Kosten bei 4,6 Millionen Euro lagen. Eine Umsatzrendite von sechs Prozent hinzugerechnet, kommen sogar 4,8 Millionen Euro zusammen.

Allerdings sind Dank zusätzlicher Investitionen von 180 000 Euro auch 350 000 Euro Zuschuss aus dem Umweltinnovationsprogramm des Bundesumweltministeriums zu erwarten.

Investitionen in „Außenbauwerke“

Die innovative Steuerungstechnik der Kläranlage soll Energie, Arbeit und Betriebskosten sparen. Dazu muss die Gemeinde in einem weiteren Bauabschnitt noch einmal rund 600 000 Euro in „Außenbauwerke“ investieren:

  • in die vier Pumpwerke im „Hexenkessel“ und am Campingplatz in Heringhausen sowie in Stormbruch und in Schweinsbühl,
  • in die Kanalstauräume in Benkhausen, Rhenegge und Sudeck,
  • in die Regenüberlaufbecken in Heringhausen, Flechtdorf und Adorf.

Überall müssten eine moderne Steuerungstechnik und eine Datenübertragung eingebaut werden, berichtete Müller-Czygan, zum Teil müssten auch Rohre erneuert werden. Zur Finanzierung will der Planer möglichst keine Gelder aus dem Umweltinnovationsprogramm verwenden, sondern Programme mit einer deutlich höheren Förderquote nutzen.

Verpflichtungsermächtigung erforderlich

Unterm Strich muss die Gemeinde Diemelsee weitere 1,23 Millionen Euro finanzieren. Das Parlament beschloss bei zwei Nein-Stimmen und drei Enthaltungen eine Verpflichtungsermächtigung einzugehen, bis das Geld im Haushalt 2021 bereitgestellt wird. (-sg-)

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