Ingenieur Müller-Czygan erläutert Pläne

Im April soll der Bau der neuen Heringhäuser Kläranlage beginnen

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Ausgedient: die alte Kläranlage in Heringhausen. Die neue wird dieses Jahr nur einige Meter weiter gebaut. Kosten: rund drei Millionen Euro.

Diemelsee – Möglichst noch in diesem Jahr soll die neue Kläranlage in Heringhausen in Betrieb gehen. Das kündigte der Diplom-Ingenieur Günter Müller-Czygan von der Gesellschaft Südwest-Consult in Meschede am Freitag im Parlament an. Er gab einen Sachstandsbericht zum Neubau und zur Technik.

Die bisherige Kläranlage aus dem Jahr 1971 war 1986 erweitert worden, sie sei inzwischen zu klein und stoße an die Grenze ihrer Reinigungsleistung, sagte Müller-Czygan. Und Heringhausen wächst weiter: im Osten um Göbels Chaletpark, im Westen um das Feriendorf. 

Weiteres Problem: die stark schwankenden Abwassermengen – im Sommer falle wegen der vielen Feriengäste deutlich mehr an, im Winter entsprechend weniger. 

Durch den Neubau solle die Reinigungsleistung verbessert und langfristig zuverlässig sichergestellt werden, sagte der Ingenieur. Außerdem würden „Anschlusskapazitäten“ für die Zukunft berücksichtigt. Auch die großen Schwankungen der Abwassermengen sollten besser steuerbar sein. Die neue Technik solle wirtschaftlich, energiesparend und wartungsarm sein. Und schließlich solle der Neubau „rechtssicher“ sein. 

Die neue Anlage werde rechnerisch auf 1980 Einwohner ausgelegt, könne aber dank der Technik auch das Abwasser von rund 3000 Einwohnern reinigen, sie verfüge über eine Reserve. Phosphor und Stickstoff herauszufiltern, sei kein Problem. 

Das biologische Becken der alten Kläranlage am Haselnussweg soll als Sammelschacht weiter genutzt werden. Dort werden per Rechnen mechanisch „Grobstoffe“ wie Sand aus dem Abwasser geholt. Das wird dann in den Neubau jenseits der Landesstraße gepumpt, der von einem scheunenähnlichen Gebäude umschlossen wird. 

SBR-Technik eingesetzt

Herzstück des Neubaus sind zwei „Sequenzing-Batch-Reaktoren“, kurz SBR. Sie vereinen die biologische Reinigungsstufe mit Sauerstoff und Bakterien und das Absetzen der Schwebstoffe im Wasser. Die Steuerung ermögliche die optimale zeitliche Abstimmung der beiden Phasen in nur einem Becken – auch die Stadt Gemünden setzt auf dieses energiesparende und flexible Verfahren. Eine der beiden „Straßen“ kann im Winter abgeschaltet werden. 

Das gereinigte Wasser wird durch eine Anlage mit ultravioletten Strahlen geleitet, die Bakterien abtötet. Dann fließt es in den Diemelsee. Im Gebäude werden die Reaktoren samt Technik und ein Sozialraum untergebracht. 

Ausschreibung läuft

Derzeit laufe die Ausschreibung der Bauarbeiten, Submission sei am 18. Februar, berichtete Müller-Czygan. Die Ausschreibung der Technik solle etwa vier Monate später folgen. Im April sollten die Bauarbeiten beginnen. 

Erst wenn der Neubau steht, wird die alte Anlage umgerüstet, ein Provisorium zur Reinigung der Abwasser sei nicht erforderlich. 

Wenn das Wetter mitspiele, sei ein erster Funktionstest noch dieses Jahr möglich, sagte Müller-Czygan. Im ersten Quartal 2020 solle der Regelbetrieb beginnen. 

Planung und Bau übernimmt die Gesellschaft Energie Waldeck-Frankenberg im Auftrag der Gemeinde. Gesamte Baukosten: rund drei Millionen Euro. (-sg-)

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