Appartements, Hotel und Nahversorger in Heringhausen geplant

Drei Projekte: Investoren wollen weitere 26 Millionen Euro am Diemelsee verbauen

Architektenzeichnung: die Appartementhäuser und das Zentralgebäude in Heringhausen am Hang. Links der Kirchturm, rechts die Baustelle des Feriendorfes, unten das Strandbad, das abgerissen werden soll.
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Langgestreckt und von viel Grün umgeben: So sollen die Appartementhäuser und das Zentralgebäude in Heringhausen aussehen. Links der Kirchturm, rechts die Baustelle des Feriendorfes, unten das Strandbad.

Noch ist das Feriendorf mit 71 Häusern nicht fertiggestellt, da stehen in Heringhausen schon die nächsten Großinvestitionen an: Investoren planen den Bau von Appartementhäusern, eines Hotels und Restaurants sowie eines Nahversorgers. Investitionsvolumen: 26 Millionen Euro.

  • Investoren planen 65 Appartements mit drei-Sterne-Ausstattung, ein Hotel mit Restaurant und einen Nahversorger in Heringhausen.
  • Die drei Bauprojekte mit einem Investitionsvolumen von 26 Millionen Euro ziehen neue Gäste an den Diemelsee und schließen Lücken im Bedarf.
  • Viele Heringhäuser sind wegen der neuerlichen Investitionen skeptisch bis ablehnend, der Ortsbeirat schlägt vor, mit dem Bau drei, vier Jahre zu warten. Auch im Parlament gab es Gegenstimmen.

Diemelsee – Das Architekturbüro Peter Weber aus Erftstadt bei Köln plant für rund 18 Millionen Euro oberhalb des ehemaligen Sägewerks Pack und neben dem neuen Feriendorf fünf Appartementhäuser und ein Gebäude mit einer Gastronomie. Außerdem plant das Büro Weber an der Stelle des Strandbad-Imbisses für rund sechs Millionen Euro ein Hotel mit einem „hochwertigen“ Restaurant.

Und schließlich will der Unternehmer Martin Stich aus Büren auf dem Pack-Gelände für etwa zwei Millionen Euro einen Nahversorgungsmarkt bauen, den sich die Heringhäuser, Feriengäste und Touristiker schon seit Jahren wünschen..

Die Gemeindevertreter stimmten den Projekten bei ihrer Sitzung am Freitag mehrheitlich zu und brachten die Bauleitplanung auf den Weg. Großen Wert legen sie dabei auf die Beteiligung der Bevölkerung und des Ortsbeirats an den Planungen – denn die Appartementhäuser sind im Dorf umstritten.

Das Projekt Appartementhäuser

In den fünf Appartementhäusern sollen 65 Wohnungen mit drei-Sterne-Ausstattung entstehen – jedes Haus hat 13 mit rund 40 Betten:

  • Im Unter- und Obergeschosse sind jeweils fünf Wohnungen vorgesehen, je zwei sind 80 Quadratmeter groß, drei 50 Quadratmeter.
  • Hinzu kommt ein „Staffelgeschoss“ unter dem Flachdach mit zwei Wohnungen zu 83 Quadratmetern und einer Wohnung zu 73 Quadratmetern.
  • Im Untergeschoss sollen eine Tiefgarage und die Technikräume untergebracht werden, es soll von außen nicht sichtbar sein.
Mit Blick auf den See: Der Entwurf eines Appartementhauses für Heringhausen.

Balkone und Terrassen sind zur Seeseite ausgerichtet – die Firsthöhe soll der der Robeo-Häuser entsprechen. Die Dächer der Häuser sollen begrünt werden. Bedarf für Wohnungen mit drei-Sterne-Ausstattung ist aus Sicht der Touristiker vorhanden.

Im Zentralgebäude an der Straße „Am Rasenberg“ werden die Rezeption, die Verwaltung, Sanitäreinrichtungen, eine Küche und ein Café und Restaurant für rund 120 Gäste mit Terrasse untergebracht. Die Gastronomie soll allen Gästen offen stehen. Vor dem Haus ist ein größerer Kinderspielplatz geplant.

Die Zufahrt ist von der Kirchstraße aus vorgesehen. Nur auf rund 23 Prozent der Fläche sollen die Häuser stehen, es bleibt Platz für viel Grün, Straßen und Fußwege.

Das Projekt „Clubhaus“ mit Hotel und Restaurant

Das Büro Weber plant an der Stelle des nicht mehr zeitgemäßen Strandbades am Seeufer ein vierstöckiges „Clubhaus“ mit einem Hotel und einem Restaurant mit „hochwertiger Gastronomie“ – der Bedarf ist vorhanden, die derzeitigen Anbieter sind überlastet.

Auf einer Terrasse direkt am Seeufer sollen rund 180 Gäste Platz finden, im Haus mit Kaminzimmer, Bar und Restaurant etwa 150 Gäste. Das Restaurant soll zum Thema „Diemelsee“ eingerichtet werden, zum Beispiel mit Wassersportgeräten oder Booten. Ein Raum mit 50 Plätzen stünde für Privatfeiern von Hochzeiten bis Geburtstagen oder für Versammlungen zur Verfügung. Auch Reisegruppen könnten einkehren. Die neugestaltete Uferpromenade soll auf einem massiven Holzsteg an der Terrasse entlang geführt werden, Gäste hätten einen direkten Zugang.

Außerdem soll zwischen „Clubhaus“ und Spielplatz ein separates Gebäude mit einem Kiosk entstehen, an dem Getränke, Würstchen und Fritten, Süßigkeiten Postkarten oder Zeitschriften verkauft werden. Behindertengerechte Toiletten und Duschen werden im Kellergeschoss eingerichtet, auch die Besucher des Strandbades sollen sie benutzen.

Das Hotel soll 23 Doppelzimmer mit 46 Betten erhalten, hinzu kommen sieben „Maisonettenzimmer“ mit 28 Betten im Dachgeschoss. 60 Prozent der Zimmer sollen Seeblick haben.

Schlemmen und Schlafen am Ufer des Diemelsees: So soll das „Clubhaus“ mit Hotel und Restaurant in Heringhausen aussehen.

Drittes „Standbein“ solle eine Spielothek mit 178 Quadratmetern werden – da eine hochwertige Gastronomie sehr teuer sei, bedürfe es zur Finanzierung zusätzlicher Einnahmequellen, erklärt Weber, dazu gehöre neben dem Hotel eben die „kleine Spielstation“. Der Heringhäuser Ortsbeirat lehnt sie ab. Die Gemeindevertreter stimmten dem Bauprojekt am Freitag mehrheitlich zu – schlossen aber einen „Glücksspielbetrieb“ ausdrücklich aus. Die Bauzeit soll anderthalb Jahre betragen.

Das Architekturbüro plant und baut nach eigenen Angaben seit 1980 Hotels, Gastronomie- Firness- und Wellness-Gebäude, Einkaufszentren und Fachmärkte. Laut Referenzliste stehen Projekte von Sylt bis Kitzbühel.  

Das Projekt Nahversorgungsmarkt

Der Unternehmer Martin Stich aus Büren will auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerks Pack einen Nahversorgungsmarkt bauen. Die Gemeinde hat das Gelände gekauft und würde es bereitstellen, die Betriebsgebäude werden derzeit abgerissen.

Haken am Projekt: Der Markt rechne sich erst, wenn genügend Kaufkraft vorhanden sei, dazu sei ein Einzugsgebiet von 3000 potentiellen Kunden erforderlich, erklärt Stich – was der Ortsbeirat bezweifelt. Ohne diese Mindestgröße finde sich kein Anbieter, der den Markt betreibe, sagt Stich. Derzeit komme er auf 2700 Einwohner. Um die 3000 zu erreichen, müßten das Hotel und die Appartementhäuser gebaut werden. Dann könne auch der Markt kurzfristig entstehen.

Das Gebäude mit fast 1300 Quadratmetern Größe soll Platz für die Post und eine Bäckerei- und Metzgerei-Filiale bieten. Draußen sind 70 Parkplätze geplant. Die Zufahrt soll über einen neuen Erschließungsweg führen, der auch für die Appartementhäuser genutzt würde.

Stellplätze für Wohnmobile

Was am Diemelsee noch fehlt, sind Stellplätze für Wohnmobile. Sie entstehen voraussichtlich auf der Stormbrucher Seite des Sees. Auf Wunsch der Gemeinde hatte das Büro Weber zunächst Stellflächen für 35 bis 40 Wohnmobile neben den Appartementhäusern geplant – was beim Ortsbeirat wegen des Landschaftsbildes auf wenig Gegenliebe stößt. Diese Planungen seien wieder vom Tisch, berichtete Bürgermeister Volker Becker am Freitag. Alternativ liefen Gespräche mit einem möglichen Investor, der auf der Stormbrucher Seeseite bauen wollte.

Bedenken in Heringhausen

Der Heringhäuser Ortsbeirat spricht sich für das Restaurant und Hotel am Ufer aus, die Appartementhäuser würden im Dorf jedoch „überwiegend abgelehnt“. So gibt es Befürchtungen wegen steigender Besucherströme, andere sehen das hohe Tempo der beträchtlichen Investitionen mit Skepsis. Da er nicht grundsätzlich gegen das Projekt sei, schlage der Ortsbeirat vor, mit dem Bau drei, vier Jahre zu warten, um Erfahrungen mit dem Feriendorf zu sammeln.

Die Investoren hätten klar gemacht, dass die Appartementhäuser Voraussetzung für den Bau des Hotels und des Nahversorgers seien, berichtet Bürgermeister Becker. Sie würden nur gebaut, wenn auch die Appartementhäuser entstehen. Der Gemeindevorstand begrüße die Investitionen sehr. Sie führten zu mehr Gästen und mehr Kaufkraft. Aber sie seien „nicht von heute auf morgen umsetzbar“: Schon wegen der Dauer der Bauleitplanung gebe es eine Verzögerung, bemerkte er: Erfahrungsgemäß dauert so ein Verfahren anderthalb Jahre.

Planung mit Bürgerbeteiligung

Die Bürger würden beteiligt, versicherte er. Sie können während der Bauleitplanungen Anregungen oder Bedenken vorbringen, es es könne auch eine Bürgerversammlung geben, bei der diskutiert werden kann.

Die Beschlüsse der Gemeindevertreter

Die Diemelseer Gemeindevertreter fällten am Freitag mehrere Beschlüsse:

  • Mit 15 Ja- und sieben Nein-Stimmen „begrüßten“ die Gemeindevertreter den Bau der Appartementhäuser. Gemeindeverwaltung, Ortsbeirat und Bauausschuss sollen aber in die Planung einbezogen werden. Hotel und Nahversorger hätten zudem Vorrang vor den Appartements.
  • Fürs Restaurant und Hotel stimmten 19 Gemeindevertreter, dagegen zwei, einer enthielt sich.
  • Für den Nahversorger stimmten 21 Abgeordnete und einer mit Nein.
  • Die Bauleitplanung für die drei Projekte beginnt: Der Flächennutzungsplan fürs Gebiet „Hinter der Kirche“ wird geändert und ein neuer Bebauungsplan aufgestellt, auch da gab es Mehrheitsentscheidungen. (Dr. Karl Schillling)

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