Geschäftsführer Dieter Pollack legt Jahresbericht vor

Jugendzeltplatz des Naturparks Diemelsee weist Rekord-Übernachtungen auf

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Das Vorzeigevorhaben des Naturparks Diemelsee ist das Bergheiden-Projekt. Die Heide soll sich wieder ausbreiten so wie hier am freigeschnittenen Eideler Berg.

Das bundesweit beachtete Bergheiden-Projekt, Rekord-Übernachtungen beim Jugendzeltplatz, Investitionen: Geschäftsführer Dieter Pollack legte einen positiven Jahresbericht für den Naturpark Diemelsee vor.

Der Jugendzeltplatz des Naturparks Diemelsee erfreut sich wachsender Beleibtheit: In diesem Jahr gab es 6656 Übernachtungen – das seien so viele wie seit 25 Jahren nicht mehr, erklärte Die Investitionen der vergangenen Jahre hätten sich gelohnt, sagte Pollack, „wir schreiben mehr als eine Schwarze Null.“ 

Rekordübernachtungen: Der Jugendzeltplatz am Diemelsee erzielte 2019 das beste Ergebnis seit 25 Jahren.

An langen Wochenenden und in den Sommerferien werde der Zeltplatz direkt am Diemelsee sehr gut gebucht. „Was fehlt, sind Übernachtungen außerhalb der Ferienzeiten und der Wocheneden.“ Deshalb bemühe sich die Geschäftsführung weiter, Schulen zu gewinnen. „Wir hoffen, dass sich das Angebot weiter herumspricht.“ 

Die neue biologische Kleinkläranlage laufe einwandfrei und weise gute Reinigungswerte auf, sagte Pollack. 2014 wurde der Bau beschlossen, abzüglich des Kreiszuschusses investierte der Naturpark rund 23 000 Euro. Die Anlage habe sich bereits Mitte 2017 bezahlt gemacht und spare dem Naturpark in jeder Saison bis zu 8000 Euro an Abwasser-Beseitigungskosten.

 Zur Umweltbildung brachte der Naturpark 2019 wieder eine Broschüre heraus, sie listet 113 Termine auf, verweist auf die Angebote des Projekts „Landschnuppern“ und beinhaltet 31 „Steckbriefe“ der Naturparkführer und ihrer Angebote für Gruppen. Die drei Naturpark-Schulen in Adorf, Giershagen und Usseln unternahmen geführte Exkursionen und organisierten Umwelterlebnistage. 

Bergheiden-Projekt viel beachtet

Beim Natur- und Landschaftsschutz steht das Bergheiden-Projekt weiter im Blickpunkt. Inzwischen seien mit Schwerpunkt in Hessen Vorhaben im Wert von rund 477 000 Euro umgesetzt, sagte Pollack. Das seien weit mehr als die vom Land verlangten 100 000 Euro bis Jahresende. Die Projektfortführung sei damit gesichert. 

Mit Abstand das größte Vorhaben sei die Freistellung einer etwa drei Hektar großen Fläche auf dem Kahlen Pöhl bei Usseln, Projektträger ist die Gemeinde Willingen. Außerdem wurden Wanderschäfereibetriebe weiter ausgestattet – ihre Herden halten die Heide frei. Auch größere Naturparke schauten neidisch auf das Projekt.

Neues Strandbad bei Helmighausen

Größter Posten bei den Investitionen ist im nächsten Jahr der 366 000 Euro teure Neubau des Strandbades bei Helmighausen. Er wird über die Haushalte 2019 und 2020 finanziert. Einstimmig verabschiedete die Versammlung des Zweckverbandes den Haushalt fürs nächste Jahr. Er weist bei einem Volumen von 432 000 Euro ein leichtes Defizit von 5690 Euro auf.

Bionik-Lehrpfad wird nachgebessert

Tricks der Natur kennenlernen: Bei Giershagen eröffnete der Naturpark einen Bionik-Lehrpad.

Am 30. April wurde der Bionik-Lehrpfad bei Giershagen eröffnet. Studenten und wissenschaftliche Mitarbeiter der Fachhochschule Südwestfalen hatten die Stationen für den 4,8 Kilometer langen Rundweg unter der Leitung von Prof. Mark Schülke entwickelt. In der Bionik werden Prinzipien aus der Natur auf die Technik übertragen. Doch leider laufe das Projekt noch nicht zufriedenstellend, berichtete Dieter Pollack: Manche Versuche liefen im Freien anders ab als im Labor, deshalb hätten Besucher kritisch reagiert. 

Konsequenz: Eine studentische Mitarbeiterin der Soester Fachhochschule muss im November und Dezember nacharbeiten. „Wir hoffen, dass dann alles tipptopp läuft.“ Mehrkosten: rund 1900 Euro, das gesamte Projekt ist mit 121 000 Euro veranschlagt. Der Naturpark trägt 30 Prozent der Kosten.

Plan für den Naturpark aufstellen

Die Aufstellung eines Naturpark-Planes beginnt 2020. Darin soll nach einer umfassenden Bestandsaufnahme und nach Rücksprache mit allen Beteiligten der Kurs für die Zukunft abgesteckt werden, auch künftige Vorhaben werden festgeschrieben. 

Schon in diesem Jahr sollten die Arbeiten beginnen. Doch „die hessische Seite hat sich mit der Förderung schwer getan“, berichtete Dieter Pollack. Inzwischen liege der Bewilligungsbescheid vor. 

Derzeit werde ein Büro gesucht. Über die besten drei Angebote entscheide eine Jury am 28. Januar 2020. Das ausgewählte Büro habe 15 bis 18 Monate Zeit, „wir wollen den Plan bis Ende 2021 stehen haben.“ In den zehn Jahren danach sollten die Vorhaben finanziert und umgesetzt werden.

Vorerst kein weiteres Freiwilliges ökologisches Jahr

Mit 24 000 Euro Zuschuss des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums wurden in Marsberg und Brilon Wanderwege markiert, eine neue Schutzhütte gebaut und Sitzgelegenheiten aufgestellt.

 Im September waren hessische Abgeordnete zum parlamentarischen Abend auf den Hof Faß in Welleringhausen eingeladen, Es sei ums „Lobby machen für die Naturparke“ gegangen, sagte Pollack. 

Seit dem 1. September absolviert Nicholas Lohmann sein Freiwilliges ökologisches Jahr beim Naturpark Diemelsee. ist der vorerst letzte „FÖJler“: Aus Kostengründen will der Naturpark die Stelle ab Oktober 2020 zunächst nicht wieder besetzten.

Ausblick auf das nächste Jahr: Mit einem Stand bei der 900-Jahr-Feier im Sommer in Adorf und beim Heringhäuser Regionalmarkt will der Naturpark seine Arbeit und das Bergheiden-Projekt vorstellen. Hubert Torwirth regte an, auch beim deutschen Wandertag in Bad Wildungen Präsenz zu zeigen.

Projekt „Landschnuppern“ beleben

Sorge bereitet dem Verbandsvorsteher und Willinger Bürgermeister Thomas Trachte die Entwicklung des jungen Projekts „Landschnuppern“: Seit diesem Jahr können touristische Anbieter ihre Feriengäste zu Partner-Bauernhöfen schicken, die ihren Besuchern Landleben präsentieren und ihnen etwas besonders anbieten.

 Erfahrungen engagierter Betriebe etwa der Familie Faß in Welleringhausen seien positiv, betonte Trachte, „Nachfrage ist da, damit ist Geld zu verdienen.“ 

Vermarktung über die Tourismus-Information verbessern

Für die digitale Vermarktung über die Grimmheimat Nordhessen gab es einen Zuschuss von 50 000 Euro. Und dennoch tut sich für Trachte zu wenig: „Wir müssen das Projekt ins Leben kriegen.“ Er werde seine Bürgermeister-Kollegen ansprechen, um es über die Tourismus-Information in den fünf Naturpark-Kommunen besser zu vermarkten. 

„Ich glaube an das Projekt“, versicherte Trachte. Aber es gelte mit den Touristikern zu überprüfen, ob das Konzept nicht stimme oder ob es nur schlecht vermarktet werde. „Das müssen wir verschärft beobachten.“ Klar sei aber: „Betriebe, die damit arbeiten, haben Erfolg.“ (-sg-)

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