Baudetails der Basilika beschrieben

Karl Merhof legt Buch über die Adorfer Johannis-Kirche vor

Der Adorfer Buchautor Karl Merhof steht vor der Johannes-Kirche. Vor dem Adorfer Wahrzeichen: Karl Merhof geht in seinem fünften Buch auf die romanische Johannes-Kirche ein.
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Vor dem Adorfer Wahrzeichen: Karl Merhof geht in seinem fünften Buch auf die romanische Johannis-Kirche ein.

Mit der romanischen Johannis-Kirche in Adorf beschäftigt sich Karl Merhof in seinem fünften Buch, das soeben erschienen ist.

Diemelsee-Adorf – Der massive Turm mit seinen Rundbogenfenstern nach Norden und Süden, das große Mittelschiff mit seinen Pfeilern und den charakteristischen Rundbögen – die Johannis-Kirche ist nicht nur ein Wahrzeichen des mindestens 900 Jahre alten Dorfes Adorf, sie ist auch eine der bekanntesten und größten romanischen Kirchen Waldecks.

Baugeschichte des Gotteshauses aufgearbeitet

Der Adorfer Karl Merhof hat auf 86 Seiten die Baugeschichte des Gotteshauses aufgearbeitet. Er widmet sich zunächst der Christianisierung der Sachsen und den „Legenden“ über die Ursprünge der Gemeinde – sie liegen im Dunkeln. Gesichert ist: Im 12. Jahrhundert wurde die heutige Kirche im Stil einer romanische Basilika erbaut. Sie verfügt über ein Hauptschiff und zwei niedrigere Seitenschiffe sowie den Chor mit einer halbrunden Apsis.

2016 stießen Handwerker beim Einbau der neuen Heizung auf ältere Fundamente aus Stein – sie deuten auf mindestens einen Vorgängerbau hin. Auch im Mauerwerk etwa der Apsis macht Merhof behauene Steine aus, die von einer Vorgängerkirche stammen könnten und wohl wiederverwendet wurden.

Herausragende Stellung der Kirche

Schon die Größe der Kirche belegt ihre herausragende Stellung. Im Diakonat Paderborn gab es das Archidiakonat Horhusen – das heutige Nieder-Marsberg. Es hatte ab 1231 zwei Vizearchidiakonate: Adorf und Korbach. Später gehörten die umliegenden Dörfer zum Adorfer Kirchspiel.

Suche nach den Ursprüngen

Bereits für sein erstes Buch über die Adorfer Pfarrei hatte Karl Merhof auch Material über die Kirche gesammelt. Nachdem er sein Buch über die Burg fertig hatte, begann er vor etwa einem Jahr mit der gezielten Suche nach historischen Dokumenten über das markante Gotteshaus.

So wertete er die Adorf-Sammlung des Pfarrers und bedeutenden waldeckischen Geschichtsschreibers Johann Adolph Theodor Ludwig Varnhagen aus. Wieder besuchte er zahlreiche Archive. Dort sei ihm trotz der Corona-Beschränkungen bereitwillig geholfen worden, betont Merhof. Er bedauert jedoch, dass er keinen Zugang zu den Adorfer Kirchenbüchern erhalten habe.

Recherchen enden in Sackgassen

Für die Frühzeit der Kirche führten auch Mehrhofs Recherchen in Sackgassen. Die Kirche war Johannes dem Täufer geweiht. Dies deutet auf eine Verbindung zum mächtigen Benediktiner-Kloster Corvey an der Weser hin, das im frühen Mittelalter auch reichen Besitz im heutigen Waldeck hatte. Möglicherweise hatten die Mönche mit der Adorfer Kirchengründung zu tun, die ins neunte Jahrhundert fallen könnte.

Merhof hat auf Karten des Klosters Adorf mit den Jahreszahlen 844 und 944 entdeckt, aber sichere Belege für ein Gründungsjahr der Kirche fanden sich bislang nicht.

Das liegt auch daran, dass Corveyer Bestände größtenteils verbrannt sind, Überreste liegen verstreut in verschiedenen Archiven von Münster bis Berlin. In Berlin seien Unterlagen aus Corvey seit der Gründung der Freien Universität 1948 verschwunden, berichtet Merhof.

Baudetails beschrieben

Ausführlich widmet sich Merhof der Ausstattung und den vielen Baudetails. Selbst Kenner der Kirche dürften noch Neues erfahren.

Bekannt sind zum Beispiel die beiden Fische auf einer „Kämpferplatte“ des nördlichen Seitenschiffes. An der Außenwand des Schiffes entdeckte Merhof ein weiteres Relief mit einem Fisch. Das Symbol wurde in einen Sandstein im Mauerwerk geschlagen – er sticht hervor, denn sonst haben die Handwerker den typischen Adorfer Muschelkalkstein verwendet.

An der Kanzel aus dem Jahr 1610 mit dem Waldecker Stern und kunstvollen Intarsien-Arbeiten nahm Merhof auch die lateinischen Bibel-Verse auf – darunter die Mahnung des Spruchbandes, das sich entlang der fünf Tafeln zieht: „Wer predigt, spreche dies als Verwalter der Worte Gottes.“ Die Kanzel habe sich einst an der Stelle befunden, an der heute die von Ernst Paul geschaffenen Luther-Statue stehe, berichtet Merhof.

Motive auf den Emporen beschrieben

Er beschreibt auch die biblischen Motive der Tafeln an den einst drei hölzernen Emporen, die zwischen 1613 und 1717 eingebaut wurden – in Adorf auch „Burlaiben“ genannt. Die im Norden und Süden wurden bei der umfassenden Sanierung 1964 wieder entfernt und im Chor aufgestellt. Damals verschwand auch die prächtige Ausmalung aus der Kaiserzeit, die auf alten Bildern noch zu sehen ist.

Merhof geht auch auf die Bedeutung des Radleuchters mit seinen zwölf Lampen ein oder auf ältere Wandmalereien, die bei der Sanierung im Chor vorsichtig freigelegt wurden. Zahlreiche Bilder dokumentieren die Befunde des Autors.

Bei Foto Ostermann zu haben

Karl Merhofs neues Buch „Dokumentation der Sankt-Johannes-Kirche zu Adorf“ erscheint im Selbstverlag und ist für 12 Euro bei Foto Ostermann in Adorf zu bekommen. Dort sind auch seine anderen Bücher über die Adorfer Pfarrei, die Wüstung Mühlhausen, das Lehensgut Kahlenberg und die Burg zu Adorf zu erhalten.

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