Heimatforscher erinnert an einen in Vergessenheit geratenen Hof

Karl Merhof legt neues Buch über das Adorfer Lehensgut Calenberg vor

Rechtzeitig vor dem Start ins Adorfer Dorfjubiläum 2020 hat der Heimatforscher Karl Merhof sein drittes Buch vorgelegt. Es beschreibt das in Vergessenheit geratene „Lehensgut Calenberg“.

Diemelsee-Adorf - 1611 taucht das Gut erstmals auf einer Urkunde auf, Merhof beschreibt die Geschichte des Hofes bis zum Ende des Lehenswesens in Waldeck um 1850. Auf das Thema kam der 80-Jährige durch Zufall. Der aus Adorf stammende Heimatforscher Erwin Brüne bat ihn um die Übersetzung eines lateinischen Textes. Dabei stieß er auf das alte Lehensgut, von dem in Adorf heute nur eine Flurbezeichnung übrig geblieben ist: Calenberg oder Neudeutsch Kahlenberg.

 Das Gut muss nach den Forschungen Merhofs an der Hauptstraße unterhalb des oberen Tores in Richtung Wirmighausen gelegen haben. Es gehörte laut Urkunde 1611 der Familie Calenberg. 

Archive durchforstet

Nach diesem Anfangsfund durchforstete Merhof erfolgreich noch nicht sortierte Protokolle im Marburger Staatsarchiv. Und er erschloss sich eine zweite Quelle: das Stadtarchiv in Warburg, in dem viel über die Calenberger zu finden ist. 

Im Süden der westfälischen Stadt liegt das Dorf Calenberg, oberhalb steht eine Höhenburg der Adelsfamilie. Eine zweite Linie saß in Westheim, sie starb im 19. Jahrhundert aus. Sie war mit dem Haus Padberg verwandt – und einem Ableger dieser Familie, den Edelherren von Adorf, gehörte die Adorfer Burg: Sie waren Vasallen der Waldecker Grafen. 

Die „Warburger Tafeln“ im Archiv beschreiben die Adelsgeschlechter im frühmittelalterlichen Ittergau. „Da konnte ich recht gut recherchieren“, beschreibt Merhof. „Der Bezug nach Adorf war herstellbar.“ In seinem Buch stellt Merhof 80 Dokumente chronologisch vor. 

Im Besitz der Grafen und Fürsten von Waldeck

Inhaber des Adorfer Gutes waren die Grafen von Waldeck, die es zunächst der Familie von Wolmeringhausen zu Lehen gaben. Nach deren Aussterben übertrugen sie es dem Nonnen-Kloster Schaaken, das nach der Reformation in ein Frauenstift umgewandelt wurde. Der Vorsteher gab es wiederum den Calenbergern zu Lehen. 

Zeitgenössischen Dokumenten zu Folge gab es schon um 1490 einen steuerpflichtigen Heinrich Calenberg in Adorf, 1514 war er Küster. Der letzte Spross der Familie auf dem Lehnsgut war wohl der 1618 geborene Conrad Calberg, der Pfarrer wurde und mit seiner Familie wegzog. 

Merhof stieß auch auf einen 30 Jahre währenden Erbstreit zwischen zwei Linien der Familie. Dabei stritten zwei Männer mit Namen Johann Calenberg um das Gut, was bei Neubelehnungen zu Schwierigkeiten führte. Auf die Auseinandersetzung war er bereits bei seinen Recherchen über die Wüstung Mühlhausen gestoßen.

Mitte des 19. Jahrhunderts endete auch in Waldeck das Lehenswesen. 1852 kündigte Fürst Georg Victor die Lehensverträge, das Gut wurde „allodisiert“ – also privatisiert. 

Die Familie Waldschmidt übernahm es, die schon im 18. Jahrhundert zeitweise Lehensnehmer gewesen war. Schon kurz darauf zerfiel das Gut - offenbar wegen neuer Erbstreitigkeiten. Es geriet in Vergessenheit, nur der Flurname erhielt sich.

Seniorenstudent in Kassel

Karl Merhof hat sich schon in seinen Berufsjahren als Kfz-Meister und Inhaber eines Autohauses mit der Ahnenforschung beschäftigt. Im Ruhestand nahm er 2014 an der Kasseler Universität ein Studium der deutschen Geschichte von den Merowingern bis ins 19. Jahrhundert auf. Zwei Semester hat er sich mit Soziologie und der Reformation beschäftigt, außerdem studierte er ökumenische Religionsgeschichte. 

Nachdem er seine Familiengeschichte und die seiner Frau erforscht hatte, wandte sich Merhof der Vergangenheit Adorfs zu: 2017 stellte er sein Buch über die Geschichte der Adorfer Pfarrei vom 12. bis zum 18. Jahrhundert vor. Im Februar 2019 folgte der schmalere Band über die Wüstung Mühlhausen im Norden Adorfs. 

Das nächste, deutlich umfangreichere Werk hat Karl Merhof schon in Arbeit: Er widmet sich der geschichtsträchtigen Burg in der Dorfmitte. Es beschreibt die Entwicklung von der Wasserburg bis zum Hofgut und schildert die Genealogie der Familien, die dort als Lehensnehmer der Grafen und Fürsten von Waldeck oder als Gutsbesitzer gelebt haben.

Drei Bücher im Verkauf

Das neue 218 Seiten starke Buch über „das Lehensgut Calenberg von 1611 bis 1850“ kostet 15 Euro und ist bei Foto Ostermann in der Hauptstraße zu haben. Dort sind auch die beiden ersten Bände erhältlich – das Buch über über die Wüstung Mühlhausen kostet fünf Euro und die Geschichte der Adorfer Pfarrei zwölf Euro. (-sg-)

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