Flurnamen erinnern noch ans einstige Dorf an der Rhene

Karl Merhof legt Studie über die Wüstung Mühlhausen bei Adorf vor

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Neue Bücher zur Geschichte Adorfs: Heimatforscher Karl Merhof hat seinem Werk über die Pfarrei einen Band über die Wüstung Mühlhausen folgen lassen.

Diemelsee-Adorf.  Mit Blick aufs Adorfer Dorfjubiläum 2020 hat der Heimatforscher Karl Merhof die Geschichte des „wüst“ gefallenen Dorfes Mühlhausen an der Rhene nachgezeichnet, das Werk ist ab sofort zu haben.

Alte Flurnamen wie „Auf dem Kirchhof“ oder „Unterm Mühlenberg“ erinnern noch heute an das Dorf, das einst an der Straße von Adorf nach Padberg unterhalb des Waterberges gestanden hat. Als „Molhusen“ taucht es 1113 in einem Besitzverzeichnis des gerade gestorbenen Grafen Erpo von Padberg auf, dem Gründer des Flechtdorfer Klosters. Doch seit knapp 400 Jahren existiert Mühlhausen nicht mehr, die Bewohner haben es aufgegeben. 

Karl Merhof  hat nach umfangreichen Recherchen in Archiven zusammengetragen, was sich in erhaltenen Protokollen über Mühlhausen und seine Bewohner finden lässt. Das Ergebnis hat er in einem Büchlein von 44 Seiten zusammengefasst, das ab sofort zu haben ist. 

Karl Merhof kam 1939 zur Welt. Nach dem Besuch des Gymnasiums absolvierte er eine Lehre im KfZ-Handwerk und stieg in den Betrieb seines Vaters ein. Der KfZ-Meister wurde Vertragshändler für Volkswagen, später kam der Wechsel zu Renault. Das Autohaus mit Standorten in Marsberg und Adorf und zwölf Mitarbeitern hat inzwischen Sohn Ralf mit dessen Frau übernommen.

Mit Ahnenforschung begonnen

„Ich bin schon immer ein Geschichtsliebhaber gewesen“, sagt Merhof, der in diesem Jahr 80 wird. Schon in seinen Berufsjahren hat sich der KfZ-Meister mit der Ahnenforschung beschäftigt. Sein Sohn Ralf schenkte ihm ein Computerprogramm für Genealogen, seitdem hat er rund 2000 Vorfahren seiner Familie zusammengetragen. 

So fand er heraus, dass sein Großvater im selben Haus in Flechtdorf geboren wurde wie der Vater des großen klassizistischen Bildhauers Christian Daniel Rauch. Die Familiengeschichte seiner Mutter führte ihn nach Gemünden und Haina. 

Auch nach den Vorfahren seiner Frau hat Merhof geforscht – die Destombes sind eine Familie französischer Protestanten, die ihre Heimat 1685 auf Anordnung des "Sonnenkönigs" Ludwig XIV. verlassen mussten und in Deutschland Aufnahme fanden. 

Merhof hat für seine Forschungen viele Archive besucht, von den Staatsarchiven in Marburg und Dresden über die Bistumsarchive in Paderborn, Köln und Münster und dem Deutschen Hugenotten-Archiv bis zum Stadtarchiv in Warburg. Auch mit anderen Ahnenforschern steht er im Ausrausch. 

Geschichte Adorfs im Blick

Nachdem er die Familiengeschichten bis an die Grenze zwischen Mittelalter und Neuzeit zurückverfolgt hatte, wandte sich Merhof der Vergangenheit seines Heimatdorfes zu. Sie wird im Adorf-Buch dargestellt, das Mike Fieseler 2015 in überarbeiteter und erweiterter Form neu herausgebracht hat. Karl Merhof bringt zahlreiche neue Erkenntnisse, er ließ in seine Studien die Erträge seiner Archivforschungen einfließen.

 2017 stellte er sein Buch über die Geschichte der Adorfer Pfarrei vom 12. bis zum 18. Jahrhundert vor. 

Dem folgt jetzt der Mühlhausen-Band mit einer Auflistung der überlieferten Einwohner und der Chronologie. Vermutlich bestand ein Ober- und ein Unterdorf, wie Namensnennungen in Urkunden nahe legen. Das Dorf hatte eine eigene Kirche.

Nach den Sommerferien will er ein 50 bis 60 Seiten starkes Buch über die Adorfer Burg herausbringen, es ist fast fertig. Es beschreibt die Entwicklung von der Wasserburg bis zum Hofgut und schildert die Genealogie der Familien, die dort als Lehensnehmer der Grafen und Fürsten von Waldeck oder als Gutsbesitzer gelebt haben. 

Bis zum Jubiläums-Kommersabend im Frühjahr 2020 will Merhof sein viertes Buch über das Lehnsgut Kahlenberg fertig haben. Auch da spielen die Familien der Inhaber die zentrale Rolle. Auch Erbstreitigkeiten sind dokumentiert. 

Und die Geschichte der Adorfer Märkte hat er bereits in Planung. 

Seniorenstudent in Kassel

Seit 2014 studiert Merhofer an der Kasseler Universität deutsche Geschichte von den Merowingern bis ins 19 Jahrhundert. Zwei Semester hat er sich zudem mit Soziologie und der Reformation beschäftigt – „eine tolle Ergänzung“, findet er: So habe er die Zeitumstände Martin Luthers besser erfasst. Und da er kirchlich engagiert ist, studierte er auch ökumenische Religionsgeschichte.

Verkauf: Das Werk über die Wüstung Mühlhausen kostet fünf Euro, die Geschichte der Pfarrei Adorf zwölf Euro. Die beiden Bücher sind im Selbstverlag erschienen und bei Foto Ostermann in der Hauptstraße zu haben. (-sg-)

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