Als Adelsfamilien in Adorf amtieren:

Karl Merhof befasst sich in seinem vierten Buch mit der Geschichte der Adorfer Burg

An historischer Stätte: Autor Karl Merhof vor der Adorfer Burg. Hinter der Toreinfahrt steht das markante Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert.  In seinem vierten Buch befasst sich Karl Merhof mit der Geschichte der Burg und deren adeligen Besitzern
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An historischer Stätte: Mit der Adorfer Burg und deren adeligen Besitzern befasst sich Karl Merhof in seinem neuen Buch.

„Die Burg zu Adorf mit dem Burggut und seinen adeligen Besitzern“ - so heißt das neue Buch des Adorfers Karl Merhof. Den Schwerpunkt legt er auf die Familien, die in der Burg von 1228 bis 1913 als Vasallen, Pächter oder Gutsherren gelebt haben. 

Diemelsee-Adorf - Die Burg mit ihrem markanten Tor und dem Herrenhaus gilt als eines der Wahrzeichen des mindestens 900 Jahre alten Jubiläumsdorfes Adorf. Mit ihr beschäftigt sich Karl Merhof in seinem vierten Buch, das soeben erschienen ist.

Die Anfänge der Adorfer Burg liegen im Dunkeln. Karl Merhof vermutet, dass schon vor dem 13. Jahrhundert an der Wirme eine befestigte Kemenate stand, um das Dorf in einem umstrittenen Grenzland zu sichern. Später ist von einer Wasserburg die Rede.

Mitte des 18. Jahrhunderts sei sie abgebrannt und neu errichtet worden, berichtet Merhof. 1840 sei sie erneuert niedergebrannt. Das danach errichtete Herrenhaus des Gutshofes steht auf zwei Kellerbauwerken: Ein Raum mit Tonengewölbe stammt wohl noch von der Wasserburg, der Raum mit Kreuzgewölbe von der zweiten Burg.

Familien aus dem Dienstadel

Die Bewohner der Burg waren lange Zeit Familien aus dem Dienstadel. Sie waren Lehensnehmer mächtiger Herren wie den Grafen von Waldeck und zum Teil ihre Amtsleute, kauften sich aber auch eigenen Grund und Boden in Adorf und Umgebung.

Bereits 1228 wird mit „Brunonis militis de Athorpe“ erstmals ein Adeliger erwähnt, der sich nach dem Dorf nennt. Der Ritter war Lehnsmann der Arnsberger Grafen. Der letzte Spross der Arnsberger verkaufte den gesamten Familienbesitz dem Kölner Erzbischof. Auch ein Zweig der Padberger residierte in Adorf und nannte sich nach dem Dorf.

Burg geht an die Grafen von Waldeck

Es dauert bis 1335, bis die Adorfer Burg erstmals direkt erwähnt wird: Johannes von Dalwigk verkaufte sie dem Waldecker Grafen und erhielt sie als Lehen zurück. 1468 übernahm der waldeckische Adelige Johannes Huck oder Hugk die Burg samt Vorwerk und Gütern von den Dalwigks. Schon 1473 wurde Albrecht von Kuhmann neuer Lehensnehmer – seine Familie stammt aus Paderborn. Im 17. Jahrhundert ging die Burg samt Gut an die Meisenbergs, 1708 übernahm Hermann von Vultée den Besitz – er ist der Spross einer Adelsfamilie aus Wetter, die sich in vier Linien aufspaltete.

Erbstreit der Vultées

Der Tot von Friedrich Hermann von Vultée sorgte 1790 für einen handfesten Erbstreit. Per Testament vermachte er seinen Adorfer Besitz seiner Frau Henriette von Vultée, die ihn verpachtete. Dagegen lief die Verwandtschaft Sturm, denn das Testament widersprach einem Familienvertrag. Doch dann auch noch starb der vom Vertrag vorgesehene Erbe. Merhof dokumentiert den jahrelangen ausufernden Rechtsstreit, der sogar in Magdeburg verhandelt wurde. 1815 endete die Zeit der Vultées, Pächter Henrich Christian Graupner kaufte das Anwesen.

Zwei Jahre recherchiert

Gut zwei Jahre hat Merhof für die Recherchen benötigt. „Die Quellenlage ist nicht schlecht“, sagt er. „Wenn man sucht, findet man.“ Viele Dokumente entdeckte er im Marburger Staatsarchiv, aber er forschte auch in anderen Archiven und zog Nachschlagewerke heran.

Dennoch sei die Recherche nicht einfach gewesen. Gerade in mittelalterlichen Unterlagen tauchen vielfach nur einzelne Daten auf, Lebensdaten der Handelnden fehlen in der Regel. Teilweise habe er schätzen müssen. Zu Gute kam ihm, dass er sich schon seit fast 15 Jahren mit der Genealogie beschäftigt und gut vernetzt ist. „Die Genealogie der Burg hat noch keiner hinbekommen“, erklärt Merhof.

Aber auch Geschichten über die Familien erzählt der KfZ-Meister, der in Kassel ein Seniorenstudium in Geschichte absolviert hat.

Fürs nächste Buchprojekt sammelt Merhof bereits Material: Er will die Baugeschichte der romanischen Johannis-Kirche nachzeichnen. Freigelegte Fundamente deuten auf mindestens einen Vorgängerbau hin.

Verkauf ist angelaufen

Karl Merhofs neues Buch „Die Burg zu Adorf mit dem Burggut und seinen adeligen Besitzern“ ist für 16 Euro bei Foto Ostermann in Adorf zu bekommen. Dort sind auch seine anderen Bücher über die Adorfer Pfarrei, die Wüstung Mühlhausen und das Lehensgut Kahlenberg zu erhalten – ebenso wie die „Adorfer Jugenderinnerungen“ Albert Schluckebiers. (-sg-)

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