Kritik an Auflagen durch neue Düngeverordnung

Bauern haben Existenzangst und suchen Unterstützung bei der Politik

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Landwirte aus Marsberg und Diemelsee mit dem SPD-Politiker Dirk Wiese im Kuhstall von Hartmut Schröder . Foto: Dülme

Landwirte aus Marsberg und Diemelsee fühlen sich von den neuen Auflagen der Agrarpolitik besonders betroffen.

Ihre Weide- und Ackerflächen liegen im sogenannten roten Grundwasserkörper. Dort sollen die Nitratwerte im Grundwasser durch verschärfte Maßnahmen gedrosselt werden. Der rote Grundwasserkörper umfasst Flächen aus dem Wasserschutzgebiet Marsberg-Vasbeck.

„Wir arbeiten schon seit 20 Jahren mit großem Erfolg an der Verbesserung der Wasserqualität in länderübergreifender Wasserschutzgebietskooperation“, betonen die betroffenen Landwirte. Sie haben kein Verständnis für die Einstufung als roten Grundwasserkörper und die neue Düngeverordnung, die unter anderem nur noch ein einmaliges Ausbringen der Gülle im Jahr vorsieht und zwar im Frühjahr.

Bauern misstrauen den Messstellen

Die Marsberger Bauern misstrauen den Messstellen, die die Daten zu den Nitratbelastungen liefern. Hilfe suchen sie bei der Politik und finden Gehör beim SPD-Bundestagsabgeordneten Dirk Wiese. Der ist stellvertretender agrarpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion. Zehn Landwirte aus Marsberg und Diemelsee, eine Tierärztin und ein Futtermittelverkäufer trafen sich mit ihm auf dem Hof von Milchviehhalter Hartmut Schröder in Erlinghausen.

Nach einem Hofrundgang übergaben die Landwirte dem SPD-Politiker in einer Diskussionsrunde ein Grundlagenpapier, in dem sie ihre Situation, Ängste und Forderungen beschreiben.

Familienbetriebe in Gefahr

Sie kritisieren darin unter anderem ungerechtfertigte Schuldzuweisungen, zum Beispiel beim Insektensterben, die zunehmende „sinnfreie Dokumentation“ sowie das Acker- und Grünlanderhaltungsgebot, das ihrer Meinung nach nicht zu Ende gedacht sei. Die bodennahe Gülleausbringung auf Grünland ab 2025 sei für sie der „letzte Todesstoß für die kleinen Familienbetriebe.“

Aufgrund der EU-Richtlinie sei an der neuen Düngeverordnung nicht zu rütteln, machte Dirk Wiese klar. Aber er verwies auf die Möglichkeit der Binnendifferenzierung. Danach sei in Niedersachsen der Anteil der roten Grundwasserkörper von 60 Prozent auf 39 Prozent abgesunken. Das solle auch in Nordrhein-Westfalen eingeführt werden.

Fehlerhafte Daten übermittelt

Josef Dreps, Schweinebauer aus Meerhof, kritisierte, dass Messstellen falsche Daten liefern würden, etwa die in Marsberg am Bilstein. „Deren Werte sind total überhöht. Die anderen Messstellen im Stadtgebiet liefern gute Werte“, sagte er. Es könne doch nicht sein, dass wegen des einen schlechten Wertes, das ganze Gebiet rot eingestuft werde. „Zumal die Messstelle seit zehn Jahren kein Wasser mehr führt“, wirft ein anderer Landwirt ein.

Dirk Wiese will sich darum kümmern, dass die eine Messstelle am Bilstein überprüft werden soll. Wie er sagte, hatte NRW-Umweltministerin Heinen-Esser im Oktober zugegeben, dass in dem Bundesland rund zehn Prozent der Messstellen fehlerhafte Daten überliefert hätten. Aber das ändere nichts an der Grundproblematik.

Ausnahmegenehmigungen prüfen

Hubertus Bohle, Milchbauer aus Heddinghausen, ist mit seinem Traktor zu den Demos in Bonn und Berlin gefahren. Er und die anderen Bauern zweifeln dran, dass sie neue Düngeverordnung die Nitratwerte überhaupt verbessern würde. Sie fragen sich bei der Fülle von Auflagen und den damit verbundenen Kosten: „Wo stehen wir in fünf Jahren? Gibt es uns dann überhaupt noch?“

Josef Dreps betonte: „Wenn die Messstellen überprüft werden, die nicht korrekt sind, wäre uns schon sehr geholfen.“ Dirk Wiese will sich informieren, ob es Ausnahmegenehmigungen für die bodennahe Gülleausbringung in Hanglagen gibt. Ein weiteres Treffen ist ausgemacht.

Von Annette Dülme,WP

Auflagen mit Kosten verbunden

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