Kreis investiert 50 000 Euro in die Verkehrssicherung auf der Kreisstraße 71

Kletterer sichern Felshang am Diemelsee mit Drahtnetzen ab

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Arbeit in etwa 15 Metern Höhe: Fachleute befestigen ein Schutznetz am Felshang nahe der Strombrucher Brücke.

Diemelsee – Hessen Mobil lässt derzeit einen Felshang an der Kreisstraße 71 entlang des Diemelsees auf einer Länge von 39 Metern umfangreich sichern. Am Donnerstag hat eine Spezialfirma mit einem Hubsteiger ein Sicherungsnetz befestigt.

Bei ihren Kontrollfahrten hatten die Straßenwärter festgestellt, dass sich auf der Strecke vom Abzweig der Stormbrucher Brücke in Richtung Jugendzeltplatz Steine aus dem Fels gelöst hatten.

Gutachten von Geologen

Daraufhin hatten sich Geologen aus dem Kompetenz-Center „Geotechnik“ von Hessen Mobil den Hang genauer angesehen. In ihrem Gutachten vom 5. März stellen sie an dem Gestein aus „Tonschiefer-Grauwacke-Wechselfolge“ eine „fortschreitende Erosion“ fest. 

Deshalb seien zum Schutz der Verkehrsteilnehmer vor Steinschlag zusätzliche Schutzvorkehrungen erforderlich, erläutert der Pressesprecher von Hessen Mobil in Bad Arolsen, Marco Lingemann. Die Gutachter empfahlen, das bestehende, 50 Quadratmeter große Schutznetz am Hang um 350 Quadratmeter zu erweitern. 

Sicherheitsnetz erforderlich

Und so bekam Lingemanns Kollege Fritz Kümmel von der Bauüberwachung das Gutachten auf seinen Schreibtisch. Der Projektverantwortliche hat jahrelange Erfahrung mit Felsabsicherungen, er hat die Leitung der Arbeiten inne. 

„Der Naturschutz hätte lieber einen Zaun als ein Netz“, sagt er. „Aber das geht nicht immer.“ An der Stormbrucher Brücke ragt der Fels zu stark zur Straße – die Gefahr bestünde, dass Steine über einen Zaun auf die Fahrbahn stürzen. Deshalb blieb nur eins: das bis zu 17 Meter hohe Schutznetz. 

Kümmel schrieb die Arbeiten bundesweit aus, den Zuschlag bekam die Würzburger Firma Königl, die sich auf die Felssicherung und Zaunarbeiten spezialisiert hat. 

Seit dem 11. November ist die Straße voll gesperrt. Ein Subunternehmer aus Arnsberg hat zunächst Sträucher am Felsen zurückgeschnitten. 

Kletterer im Felsen

Abgesichert: Ein Kletterer befestigt das Netz.

Danach stiegen Fachleute der Würzburger Firma in den Felsen und spannten die ein Drahtgeflecht auf. Sie sind während ihrer Arbeiten mit einer Kletterausrüstung gesichert – jeder von ihnen muss einen Kletterschein besitzen, der regelmäßig aktualisiert werden muss.

 Das Drahtgeflecht befestigten sie an rund 50 Stellen im Hang. Dazu setzten sie im Abstand von 2,7 Metern Bohrlöcher, in dem sie ein bis zwei Meter langer Anker aus Stahl einbetonierten. Außerdem schraubten sie sie an markanten Verbindungsstellen „Seilbrücken“ an, die für Sicherheit sorgen sollen, wenn ein Draht mal reißt. 

Drei Meter breite Drahtnetze abgerollt

Arbeit in 15 Metern Höhe: Fachleute befestigen ein Schutznetz am Felshang nahe der Strombrucher Brücke.

Am Donnerstag folgte dann die spektakulärste Aktion: Mit der Hilfe eines Hubsteigers spannten die Männer das Schutznetz in mehreren Bahnen auf und brachten es am Drahtgeflecht an. Der Hubsteiger transportierte die 25 Meter lange und drei Meter breite Drahtnetzrolle an einer selbstgebauten Traverse nach oben, Kletterer fixierten das Netz, dann rollte es der Hubsteiger nach unten ab. Polier Martin Hofmann gab vom Boden aus die Kommandos – er bringt 34 Jahre Berufserfahrung mit.

 „Das Schutznetz sieht aus wie ein überdimensionaler Maschendrahtzaun“, erklärt Lingemann. „Es ist jedoch deutlich stärker als die übliche Gartenabgrenzung.“ Der verzinkte Draht habe einen Durchmesser von 3,4 Millimetern. Alle 30 Zentimeter wird das Netz am Drahtgeflecht befestigt. Unten wird es nach innen eingeschlagen und ebenfalls fixiert. Am Nachmittag hatten es die Männer geschafft. 

Insgesamt deckt das Netz nunmehr eine Fläche von rund 400 Quadratmeter ab.

Neuer Schutzzaun

Ein Arbeiter der Firma Königl mit einem massiven Metalpfosten des neuen Schutzzaunes.

Gleich neben dem gerade abgesicherten Felsenabschnitt wird als nächstes ein 42 Meter langer Steinschlag-Schutzzaun entlang der Kreisstraße errichtet. In den vergangenen Tagen hat die Firma Königl die Fundamente für sechs 1,50 Meter hohe Stahlpfosten vorbereitet. Jeder wird auf einem Betonsockel befestigt, der mit zwei einen Meter langen „Mikropfosten“ im Felsen verankert wird. Die Pfosten werden mit Stahlseilen untereinander verbunden und zusätzlich mit Stahlseilen V-förmig im Felsen verankert. Auch an den Rändern wird der Zaun mit Stahlseilen im Felsen befestigt. Dann wird der netzartige Zaun aufgespannt.

„Dieser Zaun ist schon gut dimensioniert, der hält schon was aus“, sagt Fritz Kümmel. Er solle auch größere Felsplatten aufhalten. 

Mit Netz und neuem Zaun investiert der Kreis insgesamt rund 50 000 Euro in die Sicherung des Hanges.

Radweg wird saniert

Arbeiten am Radweg: Die Gemeinde lässt die auf rund 130 Metern abgesackte Strecke herrichten.

Die Gemeinde Diemelsee lässt parallel zu dem Hangarbeiten den Weg an der Uferseite herrichten. Er ist auf einer Länge von rund 130 Metern in Richtung See abgerutscht und muss neu befestigt werden. In diesem Zuge wird auch das alte marode Holzgeländer durch ein Geländer aus Metall ersetzt. Es solle eine Höhe von 1,30 Meter erhalten, „damit auch die Vorschriften für den Radfahrverkehr eingehalten werden“, erläutert Anke Linnekugel vom Bauamt der Gemeinde – die Strecke ist Teil des Diemelseer Radwegenetzes. 

Die Wege- und Geländerarbeiten seien Teil des großen Bauprojekts am Ufer des Diemelsees, erklärt Linnekugel, „die Kosten sind in dem Gesamtpaket enthalten.“ Rund vier Millionen Euro investiert die Gemeinde wie berichtet.

Weil die Baufirma noch Zeit benötigt, bleibt die Straße nach Giebringhausen bis voraussichtlich zum 20. Dezember gesperrt. (-sg-)

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