Mitarbeiter erledigen viele Arbeiten in Eigenleistung

Der komplette Bauhof der Gemeinde Diemelsee zieht um

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Der komplette Bauhof der Gemeinde Diemelsee zieht derzeit um: Hier Thomas Thiele in der Fahrzeughalle beim Werkzeuge sortieren.

Der komplette Bauhof der Gemeinde Diemelsee zieht derzeit um. Das gesamte Material muss in der Flechtdorfer Straße Adorfs ausgeräumt, abtransportiert und am neuen Standort bei Klöser an der Bredelarer Straße wieder eingeräumt werden.

Bis Februar wollen die Mitarbeiter die Arbeiten abgeschlossen haben. Sie freuen sich über deutlich mehr Platz. Und ihr neues Quartier hat einen Vorzug: Im ehemaligen Bauunternehmen Klöser ist vieles schon vorbereitet. Allerdings muss auch eines auf die Bedürfnisse des Bauhofes zugeschnitten werden. Dazu gehört, die neuen Räume erst einmal herzurichten. Es gibt es zwei große Hallen, eine muss erst ausgebaut werden.

Mitarbeiter von Anfang an beteiligt

„Wir haben die Mitarbeiter von Anfang an beteiligt“, sagt Bürgermeister Volker Becker. Das Team habe sich viele Gedanken gemacht, wie es sich einrichte. „Was wir an Erfahrungen hatten, haben wir versucht einzubringen“, beschreibt Thomas Thiele. 

Am alten Standort passten nur Garagen und Soziallräume ins Gebäude. Es gab kaum Platz für Regale. Am neuen sei das Arbeiten einfacher, erklärt Thiele. Fast alles Material lasse sich über Maschinen aus den Schwerlastregalen holen und rangieren. 

Auch samstags und nach Feierabend im Einsatz

Viele Umbauarbeiten erledigen die erfahrenen Fachleute in Eigenleistung. Die Mitarbeiter kämen regelmäßig freitags nach Feierabend und an Samstagen zusammen, betont Becker. „Draußen muss der normale Betrieb ja weiter laufen“, sagt Hans Burkhart – gerade der Winterdienst. 

Im Dezember haben sich die Mitarbeiter aber mehr Zeit genommen für den Umzug. Schließlich muss Tonnenweise Material quer durchs Dorf gefahren und bei Klösers neu eingeordnet werden: Steine, Sand oder Kies Stromkästen, Schilder, Absperrungen, Leuchtpfosten, Rohre, Bänke, Baumaschinen, Elektrogeräte oder Werkzeuge – und dann die vielen Kleinteile von Steckdosen bis hin zu Schrauben. Die Dekoration für den Ostermarkt lagert ebenso im Bauhof wie die Weihnachtsbeleuchtung. 

Die schweren Baufahrzeuge sind schnell in die Fahrzeughalle umgesetzt. Die Kleinteile machen viel Arbeit. Auch die von den Briloner Stadtwerken betreute Fernüberwachung der Wasserversorgung zieht mit um. In der Fahrzeughalle hat der Mitarbeiter zudem ein Lager für Ersatzteile eingerichtet. „Blaues Eck“ haben die Bauhof-Mitarbeiter den Raum getauft. 

Halle ausgebaut

Blick in die neue Halle des Diemelseer Bauhofes. Die Mitarbeiter erledigen den Um- und Ausbau weitgehend in Eigenleistung.

Und dann ist noch die etwa 300 Quadratmeter große Halle Halle auszubauen. Dort hat das inzwischen siebenköpfige Team zunächst neue Räume abgemauert. In denen sollen Geräte lagern, in einem ist die Technik für die Gasheizung untergebracht, hinzu kommt ein Umkleideraum mit Spinden. 

Neu gebaut werden mussten zudem die Sozialräume. Entstehen sollen ein Aufenthaltsraum mit Küche sowie Toiletten mit einer Dusche und Platz für Waschmaschine und Trockner. „Wir waschen unsere Sachen selbst“, erläutert Thomas Thiele. Die Mitarbeiter hätten schon die Wände gemauert, die Decken gedämmt und die Bodenheizung verlegt, berichtet Hans Burkhart. Auch die Elektroinstallationen seien erledigt und die Sanitäranschlüsse vorbereitet. Danach mussten sie darauf warten, dass die Estrich- und Putzarbeiten ausgeführt wurden. 

Warten auf Handwerker

„Es war ein Problem, Handwerker zu kriegen“, sagt Rainer Fischer von der Gemeindeverwaltung. Dadurch verzögere sich der Innenausbau. „Wir hängen etwa fünf Wochen nach“, schätzt Thiele. Das Fliesen und das Verlegen des Bodenbelages laufen wieder in Eigenleistung. 

Stromversorgung für die neue Bauhof-Halle: Marcel Braun hat schon so manchen Meter Kabel verlegt.

Auf der zweite Ebene über dem Sozialtrakt und den neuen Räumen sind schon Regale aufgebaut, auch das Schilderregal steht schon. Im Kellergeschoss ist weiterer Platz für ein Lager. 

Insgesamt haben die Männer 1,2 Kilometer neue Stromleitungen verlegt. „Wir haben die Steckdosen da, wo wir sie brauchen“, erklärt Thiele. „Das ist eine feine Sache.“ Unter der Decke hängen energiesparende LED-Lampen. Ein besser isoliertes Tor werde noch eingebaut, sagt Burkhart. 

Gemeinde investiert in Umbau

Für den Umbau der Halle seien rund 110 000 Euro veranschlagt, berichtet Fischer. Davon 30 000 Euro fürs neue Dach und weitere 30 000 Euro für den Einbau einer Heizung. Alte Glasbausteine wurden durch Fenster ersetzt, die Sozialräume bekamen eine Außentür, sagt Thiele. 

Draußen haben die Mitarbeiter die Zufahrt gepflastert und den Platz mit Schotter eingeebnet. „Jeder hat mitgeholfen“, bilanziert Bürgermeister Becker. „Man muss den Hut davor ziehen, was die Mitarbeiter neben ihrer Arbeit alles selber gemacht haben.“

Planungen seit Ende 2018

Bereits Ende 2018 begannen die Überlegungen für den Umzug des Bauhofes. Auslöser: Das Waldecksche Diakonissenhaus Sophienheim in Bad Arolsen musste sich einen neuen Standort für sein Seniorenheim in Adorf suchen – der geplante Bau ließ sich in der Gartenstraße nicht umsetzen. Da wurde bekannt, dass das alteingesessene Bauunternehmen Klöser zum Jahreswechsel schließen würde. 

Und so kam die Idee auf: Der Bauhof zieht von seinem nur etwa 5000 Quadratmeter großen Gelände an der Flechtdorfer Straße zu Klöser um und hat deutlich mehr Platz, und das frei werdende Gelände und ein Nachbargrundstück gehen an die Diakonie. 

Der alte Bauhof an der Flechtdorfer Straße wird aufgegeben, auf dem Gelände entsteht das Adorfer Seniorenheim.

Vertreter der Gemeinde und Bauhof-Mitarbeiter schauten sich das Gelände und die Räume bei Klöser an und befanden sie als geeignet. Bürgermeister Volker Becker trat in die Verhandlungen mit dem Eigentümer ein, die Gemeindevertreter stimmten dem Kaufvertrag zu. Die Gemeinde hat auch Gerät und Baumaterial von Klöser übernommen. 

Für den Bauhof sollte am alten Standort eine neue Halle gebaut werden – die ist nun nicht mehr erforderlich. (-sg-)

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