Verkehrsaufkommen ist im Landesvergleich zu gering

Landesstraße zwischen Adorf und Sudeck wird vorerst nicht ausgebaut

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Trotz der Löcher, Flicken und abgefahrenen Seitenränder: Die marode Landesstraße 3082 zwischen Adorf und Sudeck wird vor 2022 nicht saniert. Das Verkehrsaufkommen ist zu gering, andere Strecken sind vorrangig.

Diemelsee-Sudeck – Die Landesstraße zwischen Adorf und Sudeck wird vor 2022 nicht ausgebaut: Das Verkehrsaufkommen ist zu gering, andere Straßen sind vordringlicher.

Schlaglöcher, abgefahrene Banketten, Asphaltflicken auf der schmalen Fahrbahn – für einen aufgebrachten Sudecker ist klar: Die Landesstraße 3082 zwischen Adorf und seinem Heimatdorf sei die „schlechteste Straße der Welt“. Seit Jahren ist der Zustand der Straße Thema im Diemelseer Parlament, immer wieder bringen Gemeindevertreter ihren Unmut zum Ausdruck, dass sich trotz erheblicher Schäden an der Fahrbahn nichts tue. 

Doch die Sudecker sind mit ihren Klagen nicht allein – mehr als ein Fünftel des 7000 Kilometer langen Landesstraßennetzes in Hessen befinde sich in einem „sehr schlechten Zustand“, stellt der Pressesprecher von Hessen-Mobil in Bad Arolsen, Horst Sinemus, fest. Die zur Verfügung stehenden Gelder würden „dorthin geleitet, wo sie am dringendsten benötigt werden“. 

Land investiert mehr in den Straßenbau

Also nach Sudeck, findet der Diemelseer CDU-Gemeindeverband. Um den Druck auf Wiesbaden zu erhöhen, lud er den Landtagsabgeordneten Armin Schwarz im März 2018 zum Ortstermin. Schwarz gab sich optimistisch: Im Doppelhaushalt habe die Landesregierung die Gelder für den Straßenbau deutlich erhöht: auf 177 Millionen Euro für 2018 und auf 188 Millionen Euro 2019. 

Die Landesregierung habe 2015 eine „Sanierungsoffensive“ für die Landesstraßen gestartet, berichtet Horst Sinemus. Von 2016 bis 2022 investiere sie mehr als 420 Millionen Euro in 581 Einzelbauvorhaben. Dabei folge sie konsequent dem Grundsatz „Sanierung vor Neubau“. 

Die „Dringlichkeitsbewertung“ 

Doch nicht alle „sehr schlechten“ Strecken könnten gleichzeitig saniert werden, erklärt Sinemus. Deshalb habe es eine „Dringlichkeitsbewertung“ nach Kriterien wie Straßenzustand, Verkehrssicherheit, Verkehrsqualität, Verkehrsbedeutung, Wirtschaftlichkeit und Umfeldsituation gegeben. Ein schlechter Straßenzustand allein führe nicht automatisch zu einer hohen Dringlichkeit, betont Sinemus. 

Die Strecke zwischen Sudeck und Adorf sei bisher als „nachrangig“ bewertet worden. „Dabei spielte die im hessenweiten Vergleich unterdurchschnittliche Verkehrsbelastung eine maßgebliche Rolle.“ Deshalb sei nicht mit einer Sanierung über die „Offensive“ zu rechnen. 

Planungen beginnen frühestens 2022

Und so musste Bürgermeister Volker Becker den Gemeindevertretern im August 2018 verkünden: Vor 2022 werde die Straße wohl kaum hergerichtet. Im Investitionsprogramm sei sie nicht berücksichtigt, erklärt Becker auch im Mai der WLZ. Für sie sei kein Geld im Haushalt vorhanden. Und das bedeute: „Vor 2022 tut sich nichts.“ 

Gegenwärtig seien noch keine Aussagen möglich, die über das Bauprogramm bis 2022 hinausgingen, sagt Sinemus. Projekte könnten erst dann konkret zeitlich eingeplant werden, wenn der Landtag sie in den Haushalt aufgenommen habe. 

Und was passiert bis dahin? „Größere Ausbesserungsarbeiten“ wie eine „flächige Fahrbahnerneuerung“ seien derzeit nicht geplant, sagt Sinemus. Den „verkehrssicheren Zustand“ der Strecke stelle Hessen-Mobil „im Rahmen des regulären Straßenbetriebsdienstes“ sicher.

Zwei Bauvarianten im Gespräch

Wenn die Landesstraße  saniert wird, sind zwei Bauvarianten denkbar: 

  • Bei der kleineren Variante würden lediglich die Fahrbahndecke saniert und die Bankette hergerichtet oder ausgebaut. 
  • Bei der zweiten Variante würde die Straße ausgebaut und auf das Standard-Maß von 6,50 Meter verbreitert, mit den Seitenrändern wären es 9,50 Meter. 

In diesem Fall seien wohl auch Grundstückskäufe erforderlich, berichtet Bürgermeister Becker. Entlang der Strecke gebe es 14 Grundstückseigentümer, hieß es beim CDU-Ortstermin mit Armin Schwarz. Mit ihnen sei eine Einigung erforderlich. 

Horst Sinemus bestätigt „Bestrebungen, die Sanierung mit einem Ausbau zu verbinden, um einem sicheren Begegnungsverkehr mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen gerecht zu werden“. „Für einen solchen Ausbau bedarf es einer umfangreichen Planung und eines entsprechenden Baurechtsverfahrens“, sagt er. „Es ist davon auszugehen, dass für einen Ausbau Grunderwerb erforderlich werden wird.“ (-sg-)

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