Bauern-Nachwuchs am Diemelsee pflegt Tradition und ist mit vielen Aktionen aktiv

Landjugend Wirmighausen hat Spaß am Dorfleben

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Immer gut drauf: Die Mitglieder der Landjugend Wirmighausen.

Jungen Menschen im ländlichen Raum Lebens- und Bleibeperspektiven geben – dieses Ziel hat auch die Landjugend Wirmighausen als Mitglied im Bund der deutschen Landjugend (BDL), der großen Jugendorganisation des Deutschen Bauernverbandes. Doch im Alltag zählt weniger Politik, eher geselliger Spaß.

Im nächsten Jahr feiert die Landjugendgruppe im Diemelseer Ortsteil ihr 70-jähriges Bestehen. „Eine gute Gelegenheit, auf unsere Ziele aufmerksam zu machen. Denn was viele nicht wissen: Wir sind nicht nur der Nachwuchs der Landwirtschaft – nur 20 Prozent unserer Mitglieder in Deutschland sind heute noch in grünen Berufen tätig. Aber: Tradition und Heimatliebe spielen bei uns eine große Rolle“, erklärt Bastian Stede, der ehemalige Erste Vorsitzende des Vereins, der sein Amt im Februar an Philipp Krummel weitergegeben hat.

Den Anstoß zur Gründung habe der damalige Lehrer Prof. Karl Engelhart bereits im Jahr 1951 gegeben. Zwei Jahre zuvor war eine Kreislandjugendgruppe ins Leben gerufen worden und gab Anlass, sich ehrenamtlich zu engagieren. Schon bei den ersten Gruppenabenden stand das Lernen von Musikinstrumenten und Volkstänzen im Vordergrund. Außerdem organisierte die Wirmighäuser Gruppe Fahrten ins In- und Ausland (Info: www.hessische-landjugend.de).

Grundsätzlich hat sich an diesem Vereinsleben wenig geändert. Noch immer trifft sich die Landjugend regelmäßig – donnerstags um 20 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus zum Gruppenabend, allerdings sind diese Treffen zurzeit wegen der Coronakrise auf Eis gelegt. Umso mehr hoffen Bastian Stede und die anderen im Verein, dass sie sich bald wieder treffen dürfen. „Es macht Spaß zu quatschen. Das gesellige Beisammensein genießen wir alle sehr“, sagt Bastian Stede. Um so engagierter sei man jedes Jahr dabei, um den Kappenball und andere Veranstaltungen wie beispielsweise die 1.-Mai-Wanderung oder das Oktoberfest zu organisieren. Außerdem wird in jedem zweiten Jahr eine Wochenendfahrt in Deutschland oder ins nahe Ausland durchgeführt. Im Sommer 2019 ging es zum Beispiel an das Ijsselmeer in den Niederlanden.

Volkstänze üben

Wenn Auftritte anstehen, üben sie Volkstänze ein. Vor großen Auftritten mit zwölf Paaren trainieren sie schon ein halbes Jahr vorher einmal in der Woche in der örtlichen Sporthalle. Vor kleineren Events mit vier bis sechs Paaren – zum Beispiel in einem Altersheim – treffen sich die Aktiven im Dorfgemeinschaftshaus.

Gute Laune bei der Traditionspflege. Die Volkstanzgruppe in ihren traditionellen Trachten vor einem Auftritt bei einer örtlichen Hochzeit.

Nächster Höhepunkt sollte eigentlich der Volkstanz-Auftritt im Januar 2021 bei der Grünen Woche in Berlin werden, doch wegen der Corona-Krise wird daraus nichts.

Ihr Können haben die Wirmighäuser im vergangenen Jahr auch beim Jubiläum des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) in Berlin gezeigt und mit ihrem Tanz beeindruckt. Regelmäßig mischt die Gruppe bei Volkstanzturnieren in der Umgebung mit – der nächste Auftritt soll im November nächsten Jahres stattfinden. Mit ihren traditionellen Kostümen und perfekt einstudierten Formationen sind sie bei Hochzeiten, Erntedankfesten und vielen weiteren Anlässen dabei.

Gemeinschaft gibt Kraft

Doch was motiviert die Mitglieder der Landjugend besonders zu ihrem ehrenamtlichen Engagement? Und was treibt sie zu dem auf Städter vielleicht altmodisch wirkenden Treiben?

„Der gute Zusammenhalt in der Gruppe. Und die Stärkung unserer Dorfgemeinschaft“, sagt Stede. Es sei einfach toll, positive Rückmeldung aus dem Dorf und der Umgebung zu bekommen, wenn wieder einmal ein Projekt, ein Auftritt oder ein Fest erfolgreich über die Bühne gegangen ist. Schon das Organisieren mache Spaß. Vor allem das Feiern von Festen und das gemeinsame Tanzen. Aber auch das bloße Beisammensein bei den wöchentlichen Gruppenabenden. Klar, dass man dabei auch stets die Nachwuchsarbeit im Blick habe und versuche, besonders die jüngeren und neuen Mitglieder für die Aktionen der Landjugend zu begeistern.

Die Landjugendgruppe macht immer wieder mit gemeinnützigen Aktionen auf sich aufmerksam. Hier reparieren die Jungs das Tretbecken am Wirmighäuser Grillplatz. 

Um Unterstützung aus dem Familienkreis brauche sich die Landjugendgruppe übrigens keine Sorgen machen. „Unsere Eltern, Großeltern und anderen Verwandten finden es gut, dass die Traditionen fortgesetzt werden. In vielen Fällen waren sie ja selbst aktive Mitglieder in der Landjugend. So stoßen wir auf sehr viel Unterstützung und Zustimmung im Dorf. Örtliche Vereine helfen uns beispielsweise regelmäßig bei der Bewirtung auf dem Kappenball und auf anderen Veranstaltungen“, betont Stede dankbar.

Die Wirmighäuser Landjugend ist tief im Dorfleben verankert. Zurzeit zählt sie 46 aktive Mitglieder im Alter zwischen 14 und 32 Jahren, von denen durchschnittlich etwa 20 bis 25 Leute zu den wöchentlichen Gruppenabenden kommen. Dabei ist der Anteil zwischen Jungen und Mädchen ziemlich ausgeglichen. „Insgesamt sind wir gut aufgestellt“, meint der Vereinsvorsitzende, der sich kaum aktiv um Mitgliedswerbung kümmern muss. Denn die interessierten Jugendlichen aus dem Dorf werden nach ihrer Konfirmation oder ab ihrem Konfirmationsalter traditionell am 1. Mai in die Landjugend aufgenommen.

„Aber wir freuen uns auch generell, wenn Personen, die nicht aus Wirmighausen kommen, Interesse an unseren Aktionen haben“, so Bastian Stede. Zu den Voraussetzungen sagt er: „Interessierte sollten offen für Neues sein, gute Laune mitbringen und gesellig sein.“

Übrigens: Generell ist das Engagement in der Landjugend kein teures Hobby. Aktive müssen lediglich alle zwei Jahre 16 Euro bezahlen, passive Mitglieder die Hälfte. Hinzu kommen lediglich Umlagen für Verpflegung oder Transport bei besonderen Aktionen. Auch der Zeitaufwand für die Landjugend hält sich in Grenzen, abgesehen von den regelmäßigen Treffen und Übungsabenden der Volkstänzer. Doch wer Spaß hat, zählt eben nicht die Stunden.  

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