Junge Frau aus Wirmighausen ein Jahr für Freiwilligendienst in Afrika

Laura Stertenbrink arbeitet in kleiner Schneiderei in Malawi

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Unterstützt die Arbeit der Schneider: Insgesamt ein Jahr verbringt Laura Stertenbrink in Afrika.

Ein Jahr lang arbeitet die Wirmighäuserin Laura Stertenbrink in Malawi, derzeit bei Khala Design, einer kleinen Schneiderei, die faire Löhne bezahlt.

Malawi – Bei der Vorstellung von einer Produktionsstätte für Bekleidung sehe ich oft Rana Plaza vor mir. Eine Produktionsstätte in Bangladesch, die 2014 einstürzte und über 1000 Menschen in den Tod riss. Hallen voll mit Menschen, die im Akkord Nähte zusammennähen, für einen Auftraggeber, den sie nicht kennen. Jeden Morgen, wenn ich bei Khala Design in Lilongwe das Studio betrete, fühle ich den Unterschied: Ein Raum mit Fenstern und Licht, sechs Nähmaschinen, ein Zuschneidetisch und eine persönliche Begrüßung von allen Teammitgliedern.

Unterstützt die Arbeit der Schneider: Insgesamt ein Jahr verbringt Laura Stertenbrink in Afrika.

Etwas „Gutes tun“ ist in einer globalisierten Welt gar nicht so einfach, wie es zunächst den Anschein macht. Indirekte Effekte unseres Handelns sind oft nicht sofort ersichtlich und lassen sich nicht immer nachvollziehen. Umso wichtiger ist es, jeden Schritt, den wir tun, genau zu überdenken, um sicherzustellen, dass das eigene Handeln und Konsumverhalten langfristig einen Unterschied machen kann.

Senden wir von Deutschland aus eine Spende, ist oft nicht klar, wo diese im Endeffekt landet. Hinzu kommt die Frage, ob auf Spenden basierte Organisationen langfristig überleben und wirtschaften können – nachhaltig sind. So verbrachte ich den ersten Teil meines Freiwilligendienstes in Malawi bei einer auf Spenden basierenden Organisation. Das zweite Halbjahr verbringe ich nun bei einem „Social Business“ im Fair-Fashion-Bereich, welches von Spenden unabhängig ist. Der Unterschied? Vor allem der Leistungsanreiz und die Motivation der Mitarbeiter.

Anstatt den Schneidern zu suggerieren, dass sie Hilfe von außen brauchen, um sich ihren Lebensunterhalt zu sichern, werden Fähigkeiten und Arbeitsleistung fair vergütet. Das bedeutet bei Khala Design: weit über dem Mindestlohn.

Der Mindestlohn in Malawi wurde gerade von 25 000 auf 35 000 Malawi Kwacha monatlich angehoben, das entspricht derzeit etwa 43 Euro.

Einblick: Joyce Fadweck und Mphatso (vorne) gehören zum kleinen Team von Khala Design.

Zusätzliche Anreize, die eigene Produktivität zu steigern, schafft Khala durch ein Bonusprogramm. So können unsere Schneider bei guter Leistung und langfristiger Beschäftigung mehr als das vierfache des neuen Mindestlohnes verdienen. Die Finanzkraft kommt dabei durch den Export und Verkauf nach Europa.

Über Jahre haben wir Menschen in Südostafrika dazu erzogen, sich auf Spenden zu verlassen, anstatt ihnen zu suggerieren, dass ihre Arbeitskraft und das natürliche Kapital, das jeder Mensch mit auf die Welt bringt, einen echten Wert haben.

Gerettet werden müssen die Frauen und Männer nicht, jedoch können wir ihnen einen finanziell starken Markt bieten und so Löhne zahlen, die weit über dem Mindestlohn liegen, Krankenversicherung und das Einzahlen in einen Rentenfond sicherstellen und zudem Weihnachtsgeld und Urlaubstage bezahlen.

Ein Maß für die Arbeit eines Menschen

Wie ist es nun für uns in Deutschland möglich, in einer globalisierten Welt einen Unterschied zu machen – ohne einfach nur den Spendenbutton zu drücken und zu hoffen, dass das Geld schon irgendwo ankommt? Geld ist ein Tauschmittel. Das habe ich zumindest in der Uni gelernt. Es werden Güter oder Dienstleistungen gegen Geld getauscht. An der Höhe des Preises misst sich der Wert der erbrachten Arbeit zur Erstellung des Produktes.

Das empfangene Geld kann dann wiederum gegen andere Güter und Dienstleistungen getauscht werden. Easy. Damit ist Geld also auch ein Maß. Ein Maß dafür, wie viel die Arbeit eines Menschen wert ist.

Mit jedem Kauf eines Kleidungsstücks, dessen Schneider fair bezahlt wurde, können wir also ein Zeichen der Solidarität setzen und unseren Mitmenschen im globalen Süden zeigen, dass ihre Arbeit und Fähigkeiten wertvoll sind und genau so vergütet werden sollten.

VON LAURA STERTENBRINK

Laura Stertenbrink aus Diemelsee-Wirmighausen ist seit April 2019 in Südostafrika. Organisiert hat das der Freiwilligendienst „Weltwärts“, der zum Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gehört. Für die Waldeckische Landeszeitung berichtete sie bereits von ihrer Arbeit in einem Nähprojekt in Malawi.

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