Leerstehender Hof Brüne könnte über die Dorfentwicklung neue Nutzung erhalten

Hofgelände soll zum Neubaugebiet mitten in Rhenegge werden

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Der Hof Brüne in Rhenegge: Das leerstehende Gelände solll dauerhaft neu genutzt werden, über die Diemelseer Dorfentwicklung könnte in einem landesweit bedeutsamen Pilotprojekt ein neues Baugebiet entstehen.

Diemelsee-Rhenegge – Auf dem Gelände des leerstehenden Hofs Brüne in der Dorfmitte könnte ein Baugebiet für etwa fünf Häuser entstehen. Den Stand der Vorplanung stellten Bernd Wecker und Carolin Schneider vom Büro Bioline der Steuerungsgruppe zur Dorfentwicklung und dem Ortsbeirat vor.

Ein Scheunendach ist schon eingefallen, das einst stolze Fachwerk-Wohnhaus ist unbewohnt, Disteln sprießen entlang der Pferdeställe und Scheunen aus Backstein. Dieses triste Bild könnte sich dank der Diemelseer Dorfentwicklung ändern: wenn dort ein Baugebiet mitten in Rhenegge entsteht.

"Modellcharakter für ganz Hessen"

„Dieses Projekt könnte Modellcharakter für ganz Hessen bekommen“, betonte Wecker, „So etwas gibt es noch nicht in dieser Größenordnung.“ 

Und der Bedarf an Bauplätzen in Rhenegge sei da, erklärten die Mitglieder des Ortsbeirates – Christian Pohlmann hatte bereits eine Liste mit Bauinteressenten dabei. 

Möglich werde das Projekt durch Änderungen beim Dorfentwicklungsprogramm des Landes, berichtete Wecker. Während der Förderperiode verpflichte sich die Gemeinde, keine Neubaugebiete auszuweisen, erinnerte er. Stattdessen müsse versucht werden, Leerstände zu beseitigen oder unbebaute Flächen in Dorfkernen zu belegen, „Nachverdichtung“ genannt. 

Nur: Eine Umfrage habe ergeben, dass Eigentümer nur „minimal“ bereit seien, freie Grundstücke zur Bebauung zu verkaufen. Und in Diemelsee gebe es kaum Leerstände. „Außer dem Hof Brüne haben wir keine in Rhenegge“, erklärte Pohlmann. 

Neuerdings dürfe eine Kommune doch Neubaugebiete ausweisen, sofern die „nicht in Konkurrenz zur Innenentwicklung stehen“, sagte Wecker. 

"Rückbau" wird gefördert

Und: Ein „städtebaulich verträglicher Rückbau“ in Dorfkernen sei förderfähig. Allerdings sei dies nicht als „Abriss-Programm“ zu verstehen, es gehe auch um eine Umnutzung und um den Erhalt leerstehender Gebäude. Und die Nachnutzung müsse sichergestellt sein – bei Verstößen könne das Land später Fördergelder zurückfordern. 

Der Hof Brüne in Rhenegge steht leer – im Bild Stallungen und das Wohnhaus.

Beim Hof Brüne könne die Gemeinde eine Förderung für den Kauf des Geländes und einen Teilabriss der Gebäude erhalten. Im Gegenzug müsse sie die neuen Bauparzellen günstig abgeben. Und bauen Privatleute auf dem Gelände, erhalten sie einen Zuschuss von bis zu 45 000 Euro – dafür müssen sie sich an die Auflagen der Dorfentwicklung halten, die aber „zu bewältigen“ seien, sagte Wecker. Investoren könnten auch ein Haus mit Mietwohnungen bauen – auf dem Land gebe es zu wenige. 

Durch das Projekt könne mitten im Dorf ein kleines Baugebiet entstehen, sagte Wecker. „Das kann hessenweit Beachtung finden.“ Doch zunächst müsse ein Konzept her, mit dem Gemeinde und Bioline in die Gespräche mit dem Fachdienst Dorfentwicklung der Kreisverwaltung und der Denkmalschutz-Behörde einsteigen könnten, sagte Wecker. 

Bauinteressenten sollen sich melden

„Und wir brauchen Leute, die sagen, wir wollen bauen.“ Am besten sei, wenn sie eine offizielle Anfrage an die Gemeinde stellten. Dabei sei das Baugebiet in Rhenegge für alle Diemelseer gedacht.

Bachelor-Arbeit über Leerstände

Ihre Vorplanungen für den Hof Brüne präsentierte Carolin Schneider, die an der Leibniz-Universität in Hannover ein Master-Studium in Landschaftsarchitektur begonnen hat und als Werksstudentin im Lichtenfelser Büro Bioline arbeitet. Ihre Bachelor-Arbeit hat sie in Hannover über Leerstände auf dem Land geschrieben. 

In einem Fallbeispiel hat sie dabei beleuchtet, wie das 5000 Quadratmeter große Gelände des Hofs Brüne mit den als „Schrottimmobilie“ eingestuften Gebäuden langfristig genutzt werden könnte. Denkbar seien eine Umnutzung, ein Teilabriss oder Abriss sowie neue Wohnformen mit altersgerechten oder generationenübergreifenden Angeboten, erklärte sie. 

Verschiedene Bebauungs-Varianten

Sie stellte zwei Varianten vor, wie das abschüssige Gelände bebaut werden könnte. In beiden Fällen würde eine Erschließungsstraße zwischen dem Triftweg und der Hübbelbicke gebaut. 

Im ersten Fall können oberhalb des Weges drei Einfamilienhäuser entstehen, unterhalb zwei. 

Die zweite Variante mit einer verbreiterten Straße sieht ein größeres Mietshaus und vier Einfamilienhäuser vor.

 Es seien aber auch Varianten mit einem teilweisen Erhalt der Altbauten denkbar, betonte Schneider. 

Wichtig sei, dass neue Gebäude in der „regionalen Bauweise“ gehalten sein müssten, betonte sie. Vorteil des Gebiets im Dorfkern: Es ist schon mit Strom, Kanalisation und Wasserleitung erschlossen, das spart Kosten. 

Bebauungsplan und Gestaltungssatzung sinnvoll

Bernd Wecker riet, die Gemeinde solle einen Bebauungsplan zur Innenentwicklung und eine Gestaltungssatzung verabschieden. Auch wenn das Projekt erst am Anfang steht: Er schätzt, dass das Gelände bis Ende 2020 bebaubar sein könnte. 

Die Steuerungsgruppe und die Gemeinde hielten das Projekt für eine „sehr gute Idee mit Vorbildcharakter“, erklärt Bürgermeister Volker Becker. „Das hört sich gut an“, kommentierte auch Ortsvorsteher Günter Siebert. „Wir haben die Chance, Bauplätze zu bekommen.“ (-sg-)

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