Lisa Kamm aus Wirmighausen fordert mehr Engagement der Politik für junge Menschen

Vorsitzende der Landjugend: „Weil wir die Zukunft sind“

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Fest verwurzelt in Wirmighausen: Lisa Kamm ist die neue Vorsitzende der Landjugend in Hessen. „Sehr am Herzen liegt mir, mehr Nachwuchs zu gewinnen“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. 

Wirmighausen – Die Hessische Landjugend setzt sich für junge Menschen in den ländlichen Gebieten ein. Lisa Kamm aus Wirmighausen ist die neue Landesvorsitzende. 

Im Interview sprachen wir mit ihr über die Aufgaben der Landespolitik, ihre Ziele als Vorsitzende und Stärken und Schwächen des ländlichen Raums.

Wie lässt sich das Leben für junge Menschen im ländlichen Raum attraktiver gestalten? Was fehlt Jugendlichen und jungen Erwachsenen?

Der ländliche Raum stirbt langsam aus. Viele gehen für Ausbildung und Studium weiter weg, weil sie hier keine Chancen sehen. Wer bleibt oder zurückkommt, ist tatsächlich mit dem Herzen hier. Und das braucht es. Aber natürlich auch Arbeitsplätze und die nötige Infrastruktur. Man braucht Internet und Auto.

Ist es eine Aufgabe der Landespolitik, die ländlichen Regionen zu stärken?

Auf alle Fälle. Wir als Verband setzen uns auch dafür ein, gehen in den Landtag und sprechen Themen wie die Infrastruktur an. Wir fordern, dass etwas für junge Menschen gemacht wird. Auch wir sind wichtig, weil wir die Zukunft sind. Das fängt aber schon im Kreis an.

Können wir, die hier leben, auch dazu beitragen, dass das Leben für junge Menschen attraktiver wird?

Ja, Vereine aufrecht erhalten zum Beispiel. Man hört oft, dass viele kein Interesse mehr haben, ein Ehrenamt zu übernehmen. Das liegt auch an der Bürokratie, das sehen wir in unseren Ortsgruppen, beispielsweise an der Datenschutzgrundverordnung. Vor einigen Jahren war es das Bundeskinderschutzgesetz. Die Hürden und der Aufwand sind sehr hoch, selbst in kleinen Ortsgruppen. Es wäre schön, wenn man das vereinfachen würde. Das Ehrenamt soll Spaß machen und motivierend sein und nicht ein Vollzeitjob mit mehr Schreibkram als Aktivität. Vereine sind ein wichtiger Punkt im ländlichen Raum.

Wie entwickelt sich die hessische Landjugend? Wie viele Mitglieder habt ihr?

Zur Zeit haben wir rund 2500 Mitglieder in 43 Ortsgruppen. Leider lösen sich immer mal wieder Gruppen auf, andere schlafen ein. In den vergangenen Jahren hatten wir aber auch Erfolge, neue Gruppen haben sich gegründet. Der stärkste Landkreis ist Waldeck-Frankenberg, hier gibt es zehn Ortsgruppen von 43. Im Süden ist es etwas weniger, insgesamt aber ausgeglichen in Hessen.

Landwirtschaft ist eines der wichtigsten Themen der Landjugend. Haben junge Menschen überhaupt noch Interesse, den Beruf des Landwirts zu erlernen?

Ich denke schon. Vor allem für Menschen, die im ländlichen Raum oder auf einem Hof groß geworden sind. Aber es ist eben ein Knochenjob, ich muss 24 Stunden an sieben Tagen die Woche für den Betrieb da sein. Und Landwirte werden oft an den Pranger gestellt.  Ich sehe eine Zukunft, dafür wird viel gemacht, auch von uns vom Verband. Viele machen sich für Landwirtschaft und die Junglandwirte stark.

Ihr stärkt das Leben im ländlichen Raum auch durch Projekte wie „Landjugend is(s)t regional und nah“.

Genau, wir als Landesverband haben uns einen Verhaltenskodex auferlegt. Wir kaufen Produkte aus der Region für unsere Veranstaltungen, wir gehen in Dorfläden oder zum Metzger im Nachbarort. Dabei haben wir auch festgestellt, dass es gar nicht viel teurer ist und wir wissen, wir machen etwas Gutes.

In der jüngeren Vergangenheit ist immer mehr Biodiversität in den Fokus gerückt, das Insektensterben wird häufig thematisiert. Wie geht ihr diese Themen an?

Wir haben vor etwa anderthalb Jahren ein Projekt auf die Beine gestellt: „Wir lassen’s fliegen“. In diesem Zuge haben wir Saattütchen verteilt und Bauanleitungen für Insektenhotels. Und in diesem Jahr haben wir das Großprojekt „Landgemacht“ des Bundesverbands, der 70 Jahre alt wird. Wir im Landesverband machen daraus eine 48-Stunden-Aktion im Mai. Einige Ortsgruppen hatten bereits die Idee, in dieser Zeit Insektenhotels zu bauen.  Andere setzen Aufgaben um, die wir vorher mit den Ortsbeiräten abstimmen. Damit soll etwas für den Ort, die Menschen, die Region gemacht werden.

Was haben Sie sich vorgenommen für Ihre Amtszeit als Landesvorsitzende?

Zum einen die Projektarbeit. Neben der 48-Stunden-Aktion bereiten wir das 70-jährige Jubiläum des Landesverbands im nächsten Jahr vor. Zum anderen natürlich die Arbeit mit den Mitgliedern. Mein Ziel ist es, die Gruppen zu stärken und zu motivieren. Vielleicht auch neue Gruppen zu aktivieren. Sehr am Herzen liegt mir, mehr Nachwuchs zu gewinnen. Auch jugendpolitisch wollen wir neu aktiv werden und uns stärker im Landtag Gehör verschaffen und auf uns aufmerksam machen. Landjugend ist eine bunte Vielfalt aus dem ländlichen Raum. Beispielsweise der Volkstanz, der oft belächelt wird. Obwohl Tradition, Tracht und Brauchtum dahinter stehen. Das sollte mehr gefördert werden.

Mehr Infos zur Landjugend Hessen gibt es hier.

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