Märchenhaftes im Garten: Lesung in Flechtdorf zwischen Apfelbaum, Teich und Stauden

+
Alte Märchen im lauschigen Garten: Unter anderem Henning Drescher liest im Garten von Familie Walter.

Kulturelle Veranstaltungen sind derzeit Mangelware: zu viele Vorgaben, vor allem in geschlossenen Räumen. In der freien Natur geht da schon mehr. Annegret und Helmut Walter haben in Flechtdorf einen Märchennachmittag in ihrem Garten veranstaltet.

Pflanzentauschtag und auch Tag der offenen Gärten mussten in diesem Jahr abgesagt werden. Bei beidem waren die Walters gerne und häufig dabei. Mit einer Märchenstunde im Garten wollten sie für etwas „Abwechslung und Unterhaltung sorgen“. Gäste mussten sich vorher anmelden, da es nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen gab. Das hat gut geklappt, jeder hat sich in eine Liste eingetragen und mit gutem Abstand voneinander Platz genommen. Zwischen Staudengarten, Teich und Obstbäumen war genug Platz, und mit gut 30 Besucherinnen und Besuchern, Gitarrentönen und Literaturbeiträgen kam jede Menge Leben in den Garten.

Zunächst gab der Künstler Henning Drescher einen Einblick in die Geschichte der Märchen, die bereits frühgeschichtliche Wurzeln haben. Bekannt sind die Sagen des Altertums, die aber alle konkrete geografische und historische Bezüge haben, das gibt es bei Märchen meist nicht. Am bekanntesten sind die Märchen der Brüder Grimm, gerade in Nordhessen aus dem Themenschatz nicht wegzudenken.

Drescher betonte, dass die Grimms die Märchen nur gesammelt und aufgeschrieben hätten, aber nicht verfasst. Immerhin sind durch ihre Arbeit über 200 Haus- und Kindermärchen überliefert und erhalten worden. Er selbst las das kurze Märchen „Wie Kinder Schlachtens miteinander gespielt haben“ vor, nichts für sensible Gemüter, blutrünstig und etwas schrill. Eher eins der unbekannteren Werke der Grimmschen Sammlungen.

Von Inge Frese kam dann ein „Wohlfühlmärchen“. „Schneeweißchen und Rosenrot“ ist ein typisches Märchen, in dem Gut gegen Böse unterwegs ist, das volle Programm der Märchenwelt: heile Kindheit, guter Bär, böse Zwerge und Prinzenhochzeit am Schluss. Annegret Walter gab dann das portugiesische Märchen „Die verzauberte Blumenbraut“ zum Besten. Ein Märchen, in dem es um Klugheit und Dummheit geht und, was beides im Leben mit und aus den Menschen machen kann.

Susanne Zimmerer, Leiterin der Korbacher Stadtbücherei, las aus dem Buch von Meike Winnemuth „Bin im Garten: Ein Jahr wachsen und wachsen lassen“. Das Gartentagebuch enthält viele Geschichten aus dem Leben der Autorin mit und im Garten: Träume und Planungen, graben, säen, pflanzen, ernten. Witzig und spannend geschrieben und auf dem neuesten Stand mit Internet und aktuellen Netzwerken. „Gärten und Vorgärten sind ein Psychogramm der Eigentümer“.

Helmut Walter beendete den bunten Reigen der Lesungen mit der Geschichte „Das Traumfresserchen“ von Michael Ende. Für die musikalischen Zwischentöne in der Märchenstunde im lauschigen Garten sorgte Christoph Winzer mit virtuosen Gitarrenstücken. Meist gecoverte Songs aus der Pop- und Rockgeschichte, im eigenen Stil interpretiert. (os)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare