Vorbestellungen sind ab sofort möglich

Mike Fieseler hat das Adorfer Ortssippenbuch überarbeitet

Das Mammutwerk ist vollendet: Mike Fieseler hat das Adorfer Ortssippenbuch überarbeitet und erweitert. Ab sofort können Interessenten ihre Exemplare vorbestellen. Hier Fieseler vor dem WLZ-Verlagshaus in Korbach.
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Das Mammutwerk ist vollendet: Mike Fieseler hat das Adorfer Ortssippenbuch überarbeitet und erweitert. Ab sofort können Interessenten ihre Exemplare vorbestellen.

Mike Fieseler hat das Adorfer Ortssippenbuch überarbeitet, ergänzt und auf einen aktuellen Stand gebracht. Das Nachschlagewerk steht vor der Drucklegung, deshalb nimmt er ab sofort Vorbestellungen entgegen.

Diemelsee-Adorf – Ortsvorsteher Bernd Becker muss sich umgewöhnen – seine „Graue Bibel“ erhält ein neues Aussehen und wird gewissermaßen zur „Weißen Bibel“: Tanja Fieseler hat fürs überarbeitete Nachschlagewerk einen neuen Titel gestaltet. Er zeigt auf weißem Grund die Johanniskirche mit dem alten Adorfer Bürgermeisteramt und der heutigen Verwaltung der Gemeinde Diemelsee.

Neuauflage ist 608 Seiten dick

Insgesamt 608 Seiten umfasst das neue Werk, gut 100 Seiten mehr als die Erstauflage, die der Heimatforscher Alfred Emde mit dem Ehepaar Karl und Hildegard Weltecke 1997 herausgebracht hat. Das liegt zum einen daran, dass Fieseler ein neues und übersichtlicheres Layout gewählt hat. Vor allem finden sich aber zahlreiche neue Namen.

Respekt vor Autoren der ersten Ausgabe

Von dem Mammutwerk sei er damals fasziniert gewesen, berichtet Fieseler. Er begann Nachforschungen über seine Familie. Doch dabei stellte er „Schwächen“ fest: Familien wie die Bigges fehlten, mache Angaben waren fehlerhaft.

Trotzdem zollt Fieseler den Autoren der Erstauflage den „größten Respekt“: Allein das von ihnen aus Kirchenbüchern und aus anderen Archiven zusammengetragene Datenvolumen sei immens – „das ist Wahnsinn“. Er habe das nicht leisten können. Und dann hätten die Drei trotz ihres hohen Alters noch alles am Computer erfasst.

Fehlerfrei zu arbeiten sei dabei fast nicht möglich. Denn auch die ausgewerteten Daten aus Kirchenbüchern oder Unterlagen des Standesamtes seien nicht fehlerfrei. Und dann gebe es noch die Unstimmigkeiten wegen der vielen Namensgleichheiten bei Vor- und Nachnamen.

Seit 2017 an der Arbeit

Fieseler begann 2017, das Werk zu überarbeiten. Hildegard Weltecke stellte ihm zwölf Disketten zur Verfügung – doch die konnte er nicht auslesen. Wie gut, dass sein Vater Rudolf IT-Fachmann ist, er machte die meisten Daten wieder lesbar und hob so einen Datenschatz, auf den sich aufbauen ließ.

Unterstützung von Erwin Brüne

Fieseler konnte zudem auf die in Jahrzehnten entstandenen Forschungen des gebürtigen Adorfers Erwin Brüne zurückgreifen, der derzeit an einem Häuserarchiv seines Heimatdorfes arbeitet. Auch er hat die Kirchenbücher ausgewertet und kennt viele Familien. So hatte er schon zum alten Ortssippenbuch zahlreiche Anmerkungen festgehalten, die er Fieseler bereit stellte. Im Gegenzug bekam Brüne Daten über Hausbewohner. „Wir haben uns gegenseitig befruchtet.“

WLZ-Aufruf zeigt Wirkung

Viel Resonanz bekam Fieseler zudem auf einen WLZ-Aufruf 2019: Familien meldeten ihm Korrekturen oder übergaben ihm Neumeldungen. Außerdem griff Fieseler auf die Standard-Programme der Ahnenforscher im Internet wie Ancestry und Archon sowie auf die Online-Bestände des Landesgeschichtlichen Informationssystems für Hessen und des Vereins für Computergenealogie zurück, um Daten abzugleichen.

Jüdische Familien eingegliedert

Konsequent hat Fieseler die bislang separat aufgeführten jüdischen Familien eingegliedert. Neben dem neuen Layout vergab Fieseler den Familien neue Nummern – die alten sind aber mit angegeben. Vervollständigt hat er zudem Listen der Adorfer Bürgermeister, Pfarrer, Lehrer, Richter und Ärzte. Verzichtet hat er auf den in der Erstauflage erschienenen Teil zur Dorfgeschichte – die ist in der von ihm 2015 überarbeiteten Dorfchronik nachzulesen.

Opfer der Kriege erfasst

Eine „Herzensangelegenheit“ sei es ihm gewesen, die Opfer der Kriege der Vergessenheit zu entreißen, erklärt Fieseler. So finden sich im neuen Ortssippenbuch Seiten mit den Namen aller Gefallenen, Vermissten und nach dem Krieg Gestorbenen, die sich noch ermitteln ließen.

Der dafür erforderliche Aufwandt war groß: Fieseler studierte die Namen am Ehrenmal vor der Kirche, wertete im Gemeindearchiv das „Gedenkbuch“ für die Teilnehmer am Ersten Weltkrieg aus und er zog Literatur heran. Außerdem nahm er die jüdischen Soldaten aus Adorf wieder mit auf. Die Daten glich er mit seinen Beständen fürs Ortssippenbuch ab.

Seine Excel-Tabelle wuchs so immer weiter an. 102 Namen werden am Volkstrauertag verlesen – er ist inzwischen bei knapp 200 Opfern angelangt. Fieseler hat sogar die Adorfer Gefallenen des Krieges 1870/71 gegen die Franzosen und des Waldecker Kontingents im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg nach 1776 erfasst. So habe er die vermutlich erste komplette Liste der Adorfer Kriegsopfer zusammengestellt, berichtet er.

Register eingefügt

Neu ist auch ein 52 Seiten dickes Register, über das sich Familien und Orte leicht finden lassen. Herausgegeben wird der Band vom Waldeckische Geschichtsverein und dem Verein „Adorf 1120“. Die Nummer der Erstauflage bleibt erhalten, die 57.

Für Bernd Becker steht schon fest: Auch die Neuauflage des Ortssippenbuches werde „das mit am meisten benutzte Buch“ in Adorf werden. Für ihn ist es ein „fast unerschöpfliches Nachschlagewerk familiären und verwandtschaftlichen Wissens“.

Das neue Ortssippenbuch soll mit dem Waldeckische Geschichtsverein im Winter offiziell übergeben werden – wegen der Corona-Beschränkungen sei dies nur im kleinen Rahmen möglich, berichtet Fieseler.

Vorbestellung mit Überweisung erforderlich

Zunächst sind aber die Interessenten gefragt, die ihre Exemplare wegen der Finanzierung vorbestellen müssen. Dann legt die Adorfer Druckerei SBS los. Wann genau ausgeliefert wird, ist noch offen. „Mein Wunsch wäre noch vor Weihnachten“, sagt Fieseler.

Wer ein Exemplar des Adorfer Ortssippenbuches haben will, überweist bis zum 10. November 25 Euro auf ein Sonderkonto des Vereins „Adorf 1120“ bei der Waldecker Bank,

IBAN: DE 85 5236 0059 0103 9481 29.

Als Verwendungszweck bitte den Namen und Vornamen des Abholers eintragen. Sammelbestellungen etwa von Familien sind erwünscht.

Mail-Kontakt: diemelsee-adorf@gmx.de.

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