Seit Weihnachten sprudelt es

Mit dem Breitband kam das Wasser: Benkhäuserin pumpt knapp fünf Millionen Liter ab

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Eine Pumpe läuft dort Tag und Nacht und verhindert Schlimmeres: Christina Heine aus Benkhausen zeigt auf den vollgelaufenen Schacht auf ihrem Grundstück.

Diemelsee-Benkhausen – Nach dem schnellen Internet kam das Wasser: Rund fünf Millionen Liter hat Christina Heine seit Ende Dezember aus dem Hausanschlussschacht auf ihrem Grundstück in Benkhausen abgepumpt. 

Den Baulärm hatte sie erwartet, aber kein Wasser im Keller: Kurz nachdem eine Firma Leerrohre für den Breitbandausbau vor ihrem Haus verlegt hatte, drang bei Christina Heine aus Benkhausen Wasser durch die Außenwände in das Untergeschoss. So heftig, dass sie es seitdem durch einen Wartungsschacht auf dem Hof abpumpen muss, um nicht komplett vollzulaufen. Vom zweiten Weihnachtsfeiertag bis heute sind so rund fünf Millionen Liter zusammengekommen – das reicht, um zwei olympiataugliche Schwimmbecken damit zu füllen.

Täglich protokolliert Christina Heine den Wasserstand: Am 26. Dezember lief der Schacht zum ersten Mal voll. Das Wasser drückte sich von dort in den Keller des Wohnhauses, die Feuerwehr musste anrücken. „Diese Weihnachten gehen als ‘Gummistiefel-Weihnachten’ in die Annalen ein“, scherzt Heine mit Galgenhumor.

Nach dem Breitband-Ausbau in Diemelsee begann es zu sprudeln

Das Lachen ist der Benkhäuserin allerdings längst vergangen: Denn fast drei Monate später fließt das Wasser immer noch. In Spitzenzeiten sind es 86 000 Liter pro Tag, an trockeneren Tagen immer noch knapp 12 000 Liter. Jahrzehntelang war der Schacht trocken, erst kurz nach den Bohrungen begann es zu sprudeln. Das Wasser muss seitdem permanent abgepumpt werden, da es sonst wieder in den Keller eindringt. Für eine Sanierung hat ein Bauunternehmen 21 000 Euro veranschlagt.

Kosten, auf denen Christina Heine nicht alleine sitzen bleiben möchte. Sie schaltete die Gemeinde Diemelsee und die Untere Wasserbehörde des Landkreises ein. Beide sehen jedoch keinen offensichtlichen Zusammenhang zwischen den Bohrungen und dem plötzlichen Wassereintritt: Auf ihre Kosten hat die Gemeinde die Leerrohre an drei Stellen freilegen lassen. „Bei den Grabungen durch die Baufirma und den Ortsterminen wurde kein erhöhter Grundwasseranfall festgestellt, auch Beeinträchtigungen oder Veränderungen an der Rohrbettung waren nicht erkennbar“, heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Gemeinde Diemelsee und Landkreis Waldeck-Frankenberg unternehmen keine weiteren Schritte

Eine lecke Wasserleitung als Ursache schließen die Behörden ebenfalls aus. „Weitere Schritte der Gemeinde Diemelsee und der Unteren Wasserbehörde sind nicht vorgesehen; es sind keine Beeinträchtigungen durch das Grundwasser bekannt, die ein Eingreifen der Unteren Wasserbehörde erforderlich machen würden.“

Christina Heine will sich damit nicht abfinden und sieht weiter die Öffentliche Hand in der Mitverantwortung: Unabhängig von einem Zusammenhang zum Breitband-Ausbau zeige das Gefälle, dass sich das Wasser aus Richtung öffentlichem Grund im Schacht auf ihrem Grundstück sammele und dort aufsteige. Eine Drainage, um das Wasser aufzufangen und abzuleiten, müsse vor dem Schacht verlegt werden, der an den Bürgersteig grenze – also weitgehend auf öffentlichem Grund.

Die Untere Wasserbehörde habe eine Pflicht zur Gefahrenabwehr, verweist Heine auf Paragraf 63 des Hessischen Wassergesetzes. Das Wasser im Schacht auf dem Hof der Benkhäuser Familie sprudelt unterdessen weiter – die Fünf-Millionen-Marke ist bald erreicht.

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