Nach der Flucht: 25-jähriger Syrer studiert jetzt Pharmazie in Deutschland

Mohammad Khairi Restom lernt in Adorf die Arbeit als Apotheker kennen

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Lernt in Adorf den Berufsalltag eines Apothekers kennen: Der syrische Pharmaziestudent Mohammad Khairi Restom (links) absolviert seine Famulatur bei Dr. Ulrich Seidel. 

Der Bürgerkrieg in Syrien hat dafür gesorgt, dass Mohammad Khairi Restom plötzlich keine Perspektive mehr hatte. Er musste vor mehr als fünf Jahren sein Heimatland verlassen, verbrachte einige Monate in der Türkei und floh daraufhin nach Deutschland. In Syrien hatte er zwei Semester Zahnmedizin studiert – das Ziel, später als Zahnarzt arbeiten zu können, war nun aber in weite Ferne gerückt.

Doch aufgeben kam für den 25-Jährigen nicht infrage. Heute studiert er wieder. An der Universität in Saarbrücken ist er seit Herbst 2019 für Pharmazie eingeschrieben. Die Famulatur – also das im Studiengang vorgesehene Praktikum – absolviert er derzeit in der Adorfer Apotheke von Dr. Ulrich Seidel.

„Es war nicht einfach, einen Studienplatz zu bekommen“, berichtet Mohammad Khairi Restom. Doch mit der Unterstützung der Otto Benecke Stiftung, die akademisch orientierten Zuwandererinnen und Zuwanderern hilft, ein Studium zu beginnen oder fortzusetzen, habe es schließlich geklappt. 

In Saarbrücken lebt er momentan in einer Zweier-WG und finanziert seinen Lebensunterhalt durch BAföG. Einen Job für die Semesterferien wolle er sich demnächst suchen, in der Türkei habe er in einem Restaurant in der Küche gearbeitet.

Zuvor – von 2016 bis Mitte 2017 – hatte er noch zusammen mit seinem Bruder in Adorf gewohnt. „Nach einigen Wochen in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen waren wir damals dem Landkreis Waldeck-Frankenberg zugeteilt worden“, erklärt der junge Syrer. In Adorf knüpfte Mohammad Khairi Restom auch die ersten Kontakte zum dortigen Apotheker Dr. Ulrich Seidel. Parallel verschickte Mohammad Khairi Restom viele Bewerbungen und absolvierte Sprachkurse, weil er unbedingt wieder Zahnmedizin studieren wollte.

„Obwohl ich die Qualifizierung hatte, bekam ich leider nur Absagen. Ich entschloss mich also dazu, auf Pharmazie zu wechseln und erhielt schließlich die Zusage aus dem Saarland“, berichtet der 25-Jährige. Doch bevor es richtig losgehen sollte, musste Mohammad Khairi Restom noch einen dreimonatigen Vorbereitungskurs erfolgreich abschließen. Darin lernte er unter anderem, wie ein Studium in Deutschland funktioniert.

An Pharmazie begeistere ihn vor allem, dass er mithelfen könne, Menschen zu helfen. Nach dem Studium wolle er gerne eine Apotheke übernehmen. Für die von Dr. Ulrich Seidel in Adorf betriebene Apotheke wird es angesichts der Dauer des Studiums nicht klappen – wie die WLZ bereits berichtete, ist der Inhaber schon seit längerer Zeit auf der Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger. „Falls sich in diesem Jahr niemand mehr findet, muss ich alles verkaufen und wahrscheinlich wird es die Apotheke dann nicht mehr geben“, sagt Seidel.

Der Apotheker ist gleichzeitig aber froh darüber, dass er Mohammad Khairi Restom noch die Möglichkeit geben kann, den Berufsalltag eines Apothekers in Adorf kennenzulernen. „Er macht sich sehr gut, ist interessiert und wird seinen Weg machen“, ist Dr. Ulrich Seidel überzeugt.

Mohammad Khairi Restom kann sich auch vorstellen, nach dem Studium wieder zurück nach Syrien zu gehen, wenn es die dortige Situation zulässt. „Das ist mein Heimatland und natürlich vermisse ich es auch“, sagt er.

Zuletzt lebte er mit seiner Familie in der syrischen Hauptstadt Aleppo. Ein Leben in der Großstadt muss er aber nicht unbedingt mehr haben. „In Deutschland habe ich erleben dürfen, wie gut die sozialen Strukturen auf dem Land funktionieren. Das hat mir sehr geholfen, mich zu integrieren. Auf der anderen Seite bin – bevor ich nach Aleppo kam – in einem Dorf zur Welt gekommen.“ Eine kleine Dorf-Apotheke zu betreiben und auf dem Land zu leben, sei daher eine schöne Vorstellung. 

Hintergrund: Famulatur ist im Studium verpflichtend

Für Pharmaziestudenten schreibt die Approbationsordnung eine Famulatur vor, die zweimal vier Wochen dauert und zwischen Studienbeginn und erstem Staatsexamen durchgeführt werden muss. Die Famulatur dient dazu, den Studenten mit pharmazeutischen Tätigkeiten vertraut zu machen. In zweiter Linie soll er auch die Organisation, die Betriebsabläufe, die Rechtsvorschriften für Apotheken und die Fachsprache kennenlernen.

„Fühle mich in Deutschland sicher“

Der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke, dessen mutmaßlicher Mörder ein Rechtsextremist ist, sowie die rechtsextremistisch und rassistisch motivierten Anschläge in Halle und Hanau haben Deutschland in den vergangenen Monaten tief erschüttert. Auch Mohammad Khairi Restom war schockiert, als er davon hörte. Als Flüchtling, gegen den sich der Hass vieler Rechtsextremisten richtet, fühlt er sich dennoch sicher in Deutschland. 

„Ich habe in Syrien und auf meiner Flucht einige Situationen erlebt, die extrem gefährlich waren“, sagt er. Er lebe jetzt schon einige Jahre in der Bundesrepublik und habe nie das Gefühl von Angst verspürt. Im Gegenteil. „Ich habe viel Unterstützung und Hilfe bekommen von den Menschen hier in Deutschland. Dafür bin ich sehr dankbar.“

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