Fallender Pegel: Naturschutzbund setzt 5900 Tiere vom Trockenen ins Wasser

Muschelretter sind erneut am Ufer des Diemelsees im Einsatz

Helfer aus drei Ortsgruppen des Naturschutzbundes setzen Corona-bedingt in kleinen Gruppen aufgeteilt Teichmuscheln am Ufer des Diemelsees ins Wasser. Die Kolonie droht trockenzufallen. Im Hintergrund die Stormbrucher Brücke
+
Zweite Rettungsaktion für die Teichmuscheln am Diemelsee: Helfer aus drei Ortsgruppen des Naturschutzbundes haben in zwei Tagen mehr als 5900 Tiere ins Wasser gesetzt.

Mehr als 5900 Teichmuscheln haben engagierte Naturschützer bei einer zweiten Aktion am Diemelsee eingesammelt und in tieferes Wasser verbracht. Sie drohten auf dem Trockenen zu verenden.

Diemelsee – Bei einer ersten Aktion drei Wochen zuvor wurden schon einmal rund 2800 Muscheln vor dem Vertrocknen gerettet. Grund für die Aktion ist der seit Wochen sinkende Pegel des Sees.

Am Montag war er mit sechs Millionen Kubikmetern Wasser nur noch zu 30 Prozent gefüllt. 0,7 Kubik pro Sekunde werden abgelassen, damit die Diemel hinter der Talsperre nicht trockenfällt, aber lediglich 0,6 Kubik pro Sekunde fließen aus Diemel und Itter zu – im Dezember waren es lange sogar nur 0,4 Kubik.

Aktion mit Corona-Beschränkungen

Der erneute Einsatz fand wegen des Corona-Lockdowns nur in kleinen Gruppen und auf den Samstag und den Sonntag verteilt statt. Er wurde notwendig, da vom Wasserstraßenamt trotz aller Mahnungen weiterhin mehr Wasser abgelassen hatte als zufloss, so dass der Wasserpegel seit dem 1. Dezember um mehr als 60 Zentimeter gefallen war.

Bei weiterem Ablass drohe der Kolonie eine Katastrophe, warnen die Naturschützer: „Für viele Teichmuscheln wird es jetzt richtig eng, denn nun beginnen auch die nahezu waagerecht verlaufenden, dicht besiedelten Schlickbereiche am Talboden trocken zu fallen, so dass die Tiere feststecken und verenden“, erklärt der Vorsitzende des Korbacher Naturschutzbundes, Dr. Peter Koswig. „Schon jetzt sterben Tausende. Wir retten, soviel wir können.“ Auffällig sei, dass mindestens zwei Generationen betroffen seien, berichtet  der Korbacher Muschel-Fachmann Wolfgang Lehmann, der die Rettungsaktionen leitete.

Artgutachten über Muscheln im Diemelsee

Gespannt warten alle auf das Ergebnis des Artgutachtens, das die Obere Naturschutzbehörde im Kasseler Regierungspräsidium in Auftrag gegeben hat. Geklärt werden soll, ob außer der Gemeinen Teichmuschel, lateinisch Anodonta anatina, noch weitere Muschelarten im Diemelsee vorkommen, welche Stellen sie bevorzugen und bis in welcher Wassertiefe sie existieren können.

Da neben den bis zu zwölf Zentimeter großen Alttieren unterschiedlich große Tiere bis hin zu zwei Zentimeter langen Jungtieren gerettet wurden, ist schon jetzt erkennbar, dass sich die Kolonie am Ufer in den vorigen zehn Jahren regelmäßig fortgepflanzt hat.

Derzeit entsteht bei den Naturschützern der Eindruck, dass sich die Verantwortlichen beim zuständigen Amt in Hann. Münden noch nicht vor Ort über die prekären Situation informiert haben. Nach der Betriebsleitlinie für den See in der Fassung von 2015 sei das Amt nicht nur für die Wasserstandsregulierung zuständig, sondern habe auch den Naturschutz zu berücksichtigen. (red)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare