Tiere ins Wasser gesetzt

Naturschutzbund startet Rettungsaktion für Muscheln im Diemelsee

+
Bei der Rettungsaktion für die Muscheln im Diemelsee: Wolfgang Lehmann mit einem Eimer lebender Tiere.

Diemelsee. Wegen des Muschelsterbens am Diemelsee wurde der Naturschutzbund aktiv: Nach dem Behördentermin starteten Ehrenamtliche eine Rettungsaktion, bei der sie in fünf Tagen insgesamt 1740 lebende Tiere aus dem Schlamm gruben und in das verbliebene Diemel-Bachbett verfrachten.

Durch den weiter sinkenden Wasserstand in der Talsperre habe sich bis zum Behördentermin vor etwa zwei Wochen das ganze Ausmaß des Teichmuschel-Sterbens gezeigt, berichtet der Muschel-Fachmann des NABU-Kreisverbandes, Wolfgang Lehmann. „Schätzungsweise sind in die Hunderttausend Tiere betroffen.“ 

Dabei handele es sich nach Angaben des Fischereibiologen Christoph Dümpelmann um das größte Vorkommen in Nordhessen neben den Bundesgartenschau-Teichen in der Kasseler Fulda-Aue. 

Zahlreiche Tiere verendet 

Während Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen den Bericht in der WLZ sofort aufgriffen und über die Gefährdung der Muscheln berichtet hätten, seien mehr als zwei Wochen bis zum Behördentermin vor Ort vergangen, stellt Lehmann fest. „Inzwischen waren die Schlammflächen bei Heringhausen mit den größten Beständen trocken gefallen und die meisten Tiere verendet.“ 

Die Behördenvertreter sahen für dieses Jahr keine Möglichkeit mehr, Restbestände zu retten – für sie war die Gefahr zu groß, dass Helfer in dem zähen Schlamm stecken bleiben, wie zuvor zweimal geschehen. Damit wollte sich der NABU nicht zufrieden geben. Zwar durfte er keinen öffentlichen Aufruf zur Rettung der Tiere starten, intern begannen er bereits am nächsten Tag mit der aufwändigen und anstrengenden Aktion unter der Regie von Wolfgang Lehmann. „Dabei kam es zu keinen bedrohlichen Zwischenfällen“, betont er. 

Durch die ergiebigen Regenfälle am Wochenende ist der Wasserstand inzwischen so weit angestiegen, dass aktuell eine Weiterführung des Rettungseinsatzes weder möglich noch notwendig ist. 

Nach dem Ortstermin überreichte Dümpelmann den beiden NABU-Vertretern je ein Exemplar des „Atlas der Fische Hessens“ aus dem Jahr 2014. Darin ist auch die Verbreitung der Muscheln dokumentiert, da sie wie die Krebse dem Fischereirecht unterliegen.

 Muschel-Fundorte melden

In dem Verbreitungsatlas sind aus dem gesamten Kreis lediglich Muschelfunde von der Oberen Eder und ihren Nebenbächen bis zur Mündung in den Edersee dokumentiert, aus allen anderen Kreisteilen fehlen Daten. 

Deshalb ruft der NABU alle auf, zusätzliche Funde mit Angabe des Finders, der Art, dem Fundort und des Datums schriftlich mitzuteilen. Da die Arten häufig sowohl in der Größe als auch in der Form stark variieren, ist es ratsam, zusätzlich einen Ortstermin zu vereinbaren. (r) 

Ansprechpartner: Wolfgang Lehmann aus Korbach, E-Mail: Wollenabuko@t-online.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare