Felsformation ist in Forscherkreisen weltberühmt

Neue Broschüre des Geoparks „Grenzwelten“ beschreibt die Adorfer Klippe

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Bei der Vorstellung der Broschüre – von links: Erich Bangert, Claudia Stekelenburg von der Diemelseer Tourist-Info, Norbert Panek, Erhard Rettig, Kim Peis, Bürgermeister Volker Becker und Herbert Kalbfuß.

Diemeelsee-Adorf. Eine neue Broschüre des Geoparks „Grenzwelten“ beschreibt die in Forscherkreisen weltberühmte Adorfer Klippe. 

Die Adorfer Klippe? Wer sich mit der Erdgeschichte beschäftigt, kommt an ihr nicht vorbei. Regelmäßig reisen Studentengruppen an, um die in der Fachwelt berühmte, etwa acht Meter hohe Felsformation zu erkunden. Sie ist eine der bedeutendsten Fundstätten des Geoparks „Grenzwelten“. Darauf verweist eine neue, 20-seitige Broschüre, die Norbert Panek und Kim Peis vom Geopark-Projektbüro am Donnerstag im Besucherbergwerk Grube Christiane vorstellten. 

Die Klippe auf dem 429 Meter hohen Martenberg ist heute ein geschütztes „Boden- und Naturdenkmal“. Ab dem 13. Jahrhundert bauten Männer dort zunächst im Tagebau Roteisenerz ab. Im Kalkstein stießen sie auf zahlreiche Fossilien, also Tiere und Pflanzen, die vor Millionen Jahren gelebt haben und versteinert wurden: Kopffüßler, Armfüßler, Krebse oder Korallen. 

Wichtige „Zeitmarke" fürs Devon

Diese reichen Funde gewannen weltweit an Bedeutung, als Forscher vor etwa 100 Jahren versuchten, Erdzeitalter voneinander abzugrenzen. Die Adorfer Fossilien erlaubten es, das mittlere und das obere Devon zu unterscheiden, also eine Phase, die 384 bis 372 Millionen Jahre zurückliegt. Dafür prägten die Forscher den Begriff „Adorf-Stufen“. 

Es sei eine „Zeitmarke von großer wissenschaftlicher Bedeutung“, betonte Panek. Die Klippe wurde „Richtprofil“ für die zeitliche Gliederung des Devons und trug dazu bei, die Lehre von den geologischen Schichten zu entwickeln, die Stratigraphie. 

Der Bergbau am Martenberg lief Jahrhunderte weiter. Allein in der Ära Mannesmann von 1938 bis 1963 holten Männer 1,7 Millionen Tonnen Erz aus dem Berg. Es sei mit der ersten Eisenbahn Waldecks abtransportiert worden, hob der Vorsitzende des Adorfer Knappenvereins, Erhard Rettig, hervor. Von der Geschichte zeugt das Besucherbergwerk samt Ausstellung.

 Dort liege die neue, kostenlose Broschüre ebenso aus wie im Bonhage-Museum und im Projektbüro in Korbach, sagte Panek. „Wir hoffen, sie auch für den Tourismus interessant.“ Sie sei „für Gäste und Einheimische eine wichtige Lektüre“, befand Bürgermeister Volker Becker. „Sie gehört in jedes Haus.“ Auch die Gemeindeverwaltung und die Tourist-Information in Heringhausen verteilten sie. „Es ehrt uns, dass die Klippe eine eigene Broschüre erhält.“ 

Meist stehe der Goldbergbau in Korbach im Mittelpunkt, „die Peripherie“ werde trotz der Bedeutung der Adorfer Bergbautradition vergessen, monierte Erhard Rettig. Daher begrüßte er die Broschüre. 

Gleich drei Bezeichnungen für die Klippe

Manch Besucher sei überrascht, dass es gleich drei Bezeichnungen gebe, berichtete er: Rote Klippe, Adorfer Klippen und Martenbergklippe – manch einer suche gar drei Gesteinsformationen im Gelände.

Bei Einheimischen heiße die Adorfer Klippe auch „Rosenschlösschen“. Wie es zu diesem Namen kam, weiß Rettig zu berichten: Als die Bergleute am Martenberg das Eisenerz noch im Tagebau gewannen, stießen sie auf versteinerte Seelilien. „Unsere Vorläufer kannten die Geologie noch nicht so genau“, erzählt Rettig. Dass es sich um die Überreste von etwa 280 Millionen Jahre alten Meerestiere handelte, wussten sie nicht. Und weil sie die Lilien für einen Rosenstrauß hielten, nannten sie die Klippe kurzerhand das „Rosenschlösschen“

Den Text der reich bebilderten Broschüre hat die Geologin Kristin Deutsch geschrieben. Es ist das vierte Heft einer Geopark-Reihe, die bislang auch die Korbacher Spalte, den Steinbruch Hohenäcker und den Steinbruch Schmidt im Kellerwald darstellt. 

Panek sprach auch mögliche neue Projekte an. So lasse sich der in die Jahre gekommene Natur- und Technikpfad als Geopfad zum Adorfer Bergbau neu anlegen, da biete sich ein Rundweg an. Rettig regte an, auf den alten Eisensteinweg hinzuweisen, über den das Adorfer Erz einst zu den Eisenhütten im Orpetal und Hoppecketal transportiert wurde. (-sg-)

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