Rund  3,5 Millionen Euro teurer Neubau wird als Gemeinschaftswerk geplant

Neue Kläranlage in Heringhausen nimmt Gestalt an

+
An der neuen Kläranlage in Heringhausen - von links: Günter Müller-Czygan von der Südwest-Consut, der Geschäftsführer des Verbandselektrizitätswerkes für erneuerbare Energien, Stefan Schaller, Renate Zenke von der Gesellschaft Diemelsee-Abwasser, Andreas Frese von den Briloner Stadtwerken, der Beigeordnete Gerhard Behle, Bürgermeister Volker Becker, der Beigeordnete Karl-Heinz Heinemann, der Geschäftsführer von Diemelsee-Abwasser, Rainer Fischer, der Beigeordnete Reinhold Kalhöfer-Köchling und Ortsvorsteher Stefan Pohlmann.

Diemelsee-Heringhausen – Eine Etappe beim Neubau der Heringhäuser Kläranlage ist geschafft: Der Rohbau steht. In den nächsten Monaten sollen die elektrotechnischen Anlagen eingebaut werden. Am Montag trafen sich Vertreter der vier Planungspartner, um den Stand der Arbeiten zu besprechen.

Im Mai haben die Bauarbeiten an der „Florenbicke“ begonnen. Herzstück der neuen Anlage sind zwei parallel laufende „Sequencing Batch Reactors“, in dem zwei Reinigungsverfahren nacheinander ablaufen. Gesteuert werden sie mit innovativer digitaler Technik.

Neubau lange geplant

Mit dem Bau werde ein seit Jahren geplantes Vorhaben endlich umgesetzt, sagte Bürgermeister Volker Becker. Wie berichtet, reichte die alte, schon 1971 gebaute Kläranlage nicht mehr aus. Sie habe zwar alle Grenzwerte eingehalten, „aber sie pfiff aus dem letzten Loch“, sagte Becker. Spätestens der gerade entstehende Ferienpark mit seinen 70 Häusern erforderte einen Neubau. Der Anschluss des Dorfes an eine andere Anlage sei technisch und finanziell nicht machbar. 

Die Gemeinde habe sich bemüht, eine optimale neue Technik bekommen, die auch mit den starken Schwankungen der Abwassermengen zurecht komme, sagte Becker. Sie solle die Qualität der Abwasserreinigung noch über die strengen Grenzwerte hinaus erhöhen. Er lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Korbacher Verbandsenergiewerk für erneuerbare Energien, kurz VEW. Sie sei auch für andere Kommunen interessant. 

Für den Neubau haben die Gemeinde und das VEW die Gesellschaft Diemelsee-Abwasser gegründet, Geschäftsführer ist Rainer Fischer von der Gemeindeverwaltung. Die Diemelseer übernehmen die Finanzierung des etwa 3,5 Millionen Euro teuren Baus, die Korbacher die Planung. Die Briloner Stadtwerke sollen auch die neue Kläranlage betreiben.

Partner suchen nach den besten Lösungen

Das besondere an diesem Projekt sei, dass verschiedene Partner gemeinsam nach den besten Lösungen gesucht hätten, sagte der Geschäftsführer des Verbandselektrizitätswerkes und der Muttergesellschaft Energie Waldeck-Frankenberg, Stefan Schaller. Für die innovative Technik holte er Günter Müller-Czygan von der Südwest-Consut an Bord. „Wir würden die Zusammenarbeit mit ihm gern fortsetzen, sagte Schaller. Außerdem wurden die Briloner Stadtwerke als Betreiber schon in die Planung mit einbezogen. 

Diese Gemeinsamkeit sei auch für ihn „ein echter Gewinn“ gewesen, sagte Müller-Czygan. Die sogenannte SBR-Technik sei gut geeignet, um die mit dem Tourismus einhergehenden starken Schwankungen zu bewältigen, erklärte er. So müsse etwa im Winter nur das Abwasser von 400 Einwohnern gereinigt werden, in Spitzenzeiten mit vielen Feriengästen seien es bis zu 4000 Einwohner.

Neu entwickelte Steuerungstechnik

Blick ins Betonbecken eines „Sequencing Batch Reactors“. Die Technik wie die Belüftung fehlt noch.

 „Unsere Idee war, eine moderne digitale Steuerungstechnik einzusetzen.“ Eine selbstlernende „künstliche Intelligenz“ soll auch Angaben zu Regenmengen und Touristenzahlen mit verarbeiten und die Anlage automatisch an den gesammelten Erfahrungswerten und an aktuellen Daten ausrichten. 

Und: die Technologie spart rund 35 Prozent Energie, das entspricht mehr als 48 000 Tonnen Kohlendioxyd pro Jahr. „Wir sind überzeugt, dass es funktioniert.“ 

Bund fördert Technik-Einsatz

Diese zum ersten mal eingesetzte innovative Technik war dem Bundesumweltministerium wie berichtet eine Förderung von 500 000 Euro wert. Es habe die Anlage als „echten Leuchtturm“ bezeichnet, sagte Müller-Czygan. Becker freute sich über die Förderung vom Bund – und zeigte sich erneut enttäuscht, dass das Land einen Zuschuss abgelehnt hatte. 

Für die Stadtwerke sei wichtig, dass die neue Kläranlage gute Werte liefere, ein „gutes Produkt“ in den See einleite, geringe Mittel und Energie einsetze und wenig Personal- und Wartungsaufwand erfordere, sagte Andreas Frese. Auch er begrüßte deshalb die „Zusammenarbeit von Anfang an“. 

"Modernes Gehäuse"

Becker verwies auf das „moderne Gehäuse“, hinter dem niemand eine Kläranlage vermute. Dieses Erscheinungsbild passe in die Landschaft und störe nicht, sagte Andreas Frese mit Blick auf Touristen. 

Die alte Kläranlage gleich nebenan wird zum Teil zurückgebaut, ein Klärbecken bleibt als Sammelbecken erhalten. Es wird ebenfalls „eingehaust“ . Eine Anlage mit ultraviolettem Licht werde nachgeschaltet, berichtete Rainer Fischer. Sie tötet auch die letzten Keime ab, bevor das gereinigte Abwasser in den Diemelsee geleitet wird.

Ab 2020 wird Abwasser gereinigt

Im Frühjahr nächsten Jahres sollen die ersten Teile in Betrieb gehen, nach den Tests und dem Sammeln von Erfahrungswerten soll die Anlage Ende 2020 ihren Regelbetrieb aufnehmen.

„Der Neubau ist für Heringhausen eine tolle Sache“, sagte Ortsvorsteher Stefan Pohlmann. Er verwies auf die Neubaugebiete und darauf, dass der Diemelsee von den guten Reinigungswerten profitiere. Und nebenbei werde auch noch der Weg an der Anlage vorbei barrierefrei ausgebaut.

Beiträge werden 2020 und 2021 fällig

Die Finanzierung des Neubaus laufe über das Abwasserprogramm der Gemeinde, berichtete Becker. Das bedeutet: Auch die Heringhäuser müssen wie die anderen Diemelseer zuvor Kläranlagenbeiträge bezahlen. Eine erste Rate werde 2020 erhoben, die zweite 2021, kündigte er an. (-sg-)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare