Kasseler Regierungspräsidium will 2021 einen neuen Pflegeplan aufstellen

Magerrasen im Wirmighäuser Naturschutzgebiet „Buchenlied“ soll sich ausdehnen

Teilnehmer der Gebietskonferenz besichtigten am Donnerstag die Magerasenflächen, die erweitert werden sollen. Im Bild von links: Schäfer Ralf Bauer, Dr. Karl-Heinz Wenz vom Bund für Umwelt und Naturschutz, Haloka Dippel vom Diemelstädter Forstamt, Josefia Breulmann vom Kasseler Regierungspräsidium, die Diplom-Biologin Karin Menzler, Wolfgang Lehmann vom Naturschutzbund, Rainer Fischer vom Hauptamt der Gemeinde Diemelsee, die Wirmighäuserin Regina Lückel vom Naturschutzbund und die für Waldeck-Frankenberg zuständige Schutzgebietsmanagerin des Kasseler Regierungspräsidiums, Anna-Maria Pohl
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Wie geht es weiter mit dem Naturschutzgebiet „Auf dem Buchenlied“ im Osten Wirmighausens? Teilnehmer der Gebietskonferenz besichtigten am Donnerstag die Magerasenflächen, die erweitert werden sollen.

Für das Naturschutzgebiet „Auf dem Buchenlied“ im Osten Wirmighausens will das Kasseler Regierungspräsidium 2021 einen neuen Pflegeplan aufstellen lassen - der extensiv bewirtschaftete Magerrasen soll sich ausdehnen. Das war am Donnerstag Thema einer Gebietskonferenz.

Diemelsee-Wirmighausen – Besondere Orchideen gedeihen, sogar der streng geschützte Enzian findet sich auf dem extensiv bewirtschafteten Kalkmagerrasen im Naturschutzgebiet „Auf dem Buchenlied“ im Osten Wirmighausens. Die von einem Buchenwäldchen durchzogenen Weiden sind im Eigentum des Landes. Dort lässt der Marsberger Schäfer Ralf Bauer seine Herde aus 250 Schafen und 50 Lämmern grasen.

Naturschutzgebiet weiterentwickeln

Wie soll das Naturschutzgebiet weiterentwickelt werden? Darum ging es am Donnerstag: Die für Waldeck-Frankenberg zuständige Schutzgebietsmanagerin Anna-Maria Pohl von der Oberen Naturschutzbehörde des Kasseler Regierungspräsidiums hatte zu einer Gebietskonferenz eingeladen.

Die Diplom-Biologin Karin Menzler, Haloka Dippel vom zuständigen Diemelstädter Forstamt, Rainer Fischer vom Hauptamt der Gemeinde Diemelsee, Schäfer Ralf Bauer sowie Wolfgang Lehmann und Regina Lückel vom Naturschutzbund und Dr. Karl-Heinz Wenz vom Bund für Umwelt und Naturschutz sahen sich die Flächen vor Ort an und berieten, welche Schritte zur Weiterentwicklung sinnvoll sind.

1989 erstmals kartiert

1989 war das Naturschutzgebiet mit seinen drei Teilflächen erstmals kartiert worden. Im Norden liegen zwei Buchenwäldchen, im Süden erstreckten sich hinter einem weiteren Buchenwäldchen eine artenreiche Weidelgrasweide und ein Acker mit Wildkräutern. Es gab eine Schillergrasweide mit Enzian und eine Hutebuche mit mehreren Stämmen.

Nach dem damaligen Pflegeplan sollten die Flächen extensiv bewirtschaftet werden – Bauer nutzte sie im Frühjahr zur Mahd und ließ danach seine Herde dort weiden. In Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises wurden zudem Versuchsstreifen für verschiedene Gräser angelegt – Bauer betreute sie. Das Forstamt sollte nicht standortgerechte Gehölze entfernen.

Außerdem sollte die Jagd auf Haarwild möglich sein. Pohl fand in alten Akten Beschwerden, dass wegen der Schafherde mit Ziegen kein Rehwild zu bejagen sei. Damals wurden Hecken angepflanzt, damit die Tiere dort äsen und die Waidleute zum Schuss kommen konnten. „Mittlerweile hat sich alles eingespielt“, sagte Bauer.

Neue Flächen dazugekommen

Inzwischen sind weitere Flächen zum Naturschutzgebiet dazugekommen, die 1989 noch als Acker und Grünland genutzt worden waren. Insgesamt ist das Gebiet rund 8,3 Hektar groß.

2015 begannen Karin Menzler und ihre Kollegin Sonja Maiweg im Zuge der hessischen Lebensraum- und Biotopkartierung mit einer neuen Kartierung, die Ergebnisse stellte Pohl am Donnerstag vor. Sie listete sieben Waldbestände, fünf Kalkmagerrasenflächen und im Südosten eine Grünlandfläche auf.

Neuer Pflegeplan

Für das Gebiet soll 2021 ein neuer Pflegeplan aufgestellt werden – bei der Gebietskonferenz ging es um eine erste fachliche Abstimmung. Der Kalkmagerrasen soll weiter gepflegt und wenn möglich erweitert werden.

Dazu gehört auch das Gelände der ehemalige Coelestingrube im Südosten, die Ende des 19. Jahrhunderts betrieben worden war. Die Deutschen Coelestinwerke aus Magdeburg hatten das Mineral aus dem Boden geholt. Bereits nach zehn Jahren war das Vorkommen weitgehend erschöpft, englisches Coelestin war billiger – um 1905 wurde die Grube geschlossen.

Einschnitte in der Landschaft erinnern noch an den Abbau über und unter Tage, auch ein zugeschütteter Stollenmund ist noch auszumachen. Nach der Aufgabe der Grube eroberte sich die Natur das Gelände Zug um Zug zurück, Bäume und Büsche wuchsen ohne Eingriffe des Menschen. „Seit es ein Naturschutzgebiet ist, ist nichts mehr gemacht worden“, berichtete Haloka Dippel.

Büsche und Bäume entfernen

Die Teilnehmer diskutierten darüber, wie stark am Waldrand und im Gelände Büsche und Bäume zurückgeschnitten werden müssen, um eine Ausdehnung des Magerrasens zu ermöglichen – was Bauer freuen würde.

„Es braucht Flächen, damit die Beweidung attraktiv bleibt“, erklärte Wolfgang Lehmann vom Korbacher NABU. Er warnte jedoch davor, zu viel Gehölz zu entnehmen, im Gebüsch könnten sich viele Arten Kleintiere von der Eidechse bis zum Fuchs verstecken. Das Gebiet habe sich gut entwickelt: „Es gibt hier eine ganze Reihe von Arten, die ich mir wünsche.“ Wichtige Lebensräume müssten geschützt werden. Es müsse vorab festgelegt werden, welches Ziel verfolgt werden solle.

Auch Karin Menzler plädierte dafür, Birken, Buchen und Hainbuchen stehen zu lassen – aber anderes Gehölz zu gunsten des Magerrasens zu entnehmen. Um neuer Verbuschung entgegenzuwirken, sollen die Schafe länger weiden können.

Den Pflegeplan solle ein Fachbüro aufstellen, kündigte Pohl an. Da die Waldstriche überwiegend in Privatbesitz sind, sollen auch die Eigentümer 2021 zur Diskussion eingeladen werden. (-sg-)

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