BergStromer radeln mit Strom

Wir-Gefühl mit E-Mountainbikes

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Die „BergStromer“: Rainer Jäger, Frieder Böhle, Karl Gutmann, Reinhard Arnold, Klaus Fingerhut und Ulli Willeke (von links). Sie fahren gern in einheitlichen Trikots, die sie möglichst auf die jeweilige Tour abstimmen.    

Einen Berg in der hügeligen Landschaft des Waldecker Landes hinauf zu fahren kann ganz schön anstrengend sein. Kein Wunder, dass vor allem Senioren gern mit E-Mountainbikes die steilen Anstiege hochsausen. Den hippen „Uphill-Flow“ genießen auch die „BergStromer“ aus dem Waldecker Land.

Diese Situation kennt wohl jeder nur mit Muskelkraft fahrende Mountainbiker gut: Gerade legt man sich kräftig bergauf trampelnd in die Pedale – da klingelt es plötzlich von hinten. Schon setzen mehrere Senioren zum Überholen an und flitzen mühelos an einem vorbei. Ja, die elektrifizierten Mountainbikes sind beliebt bei nicht so fitten Fahrern. Doch wer glaubt, E-Biken habe nichts mit Sport zu tun und sei nur etwas für Faule, irrt.

„Das Besondere an diesem Hobby: Wir können bis ins hohe Alter noch fahren und uns körperlich fit halten“, erklärt Reinhard Arnold aus Adorf. Der 58-jährige Polizist und Jüngste der E-Mountainbike-Gruppe „BergStromer“ liebt es, sich mit seinen fünf Freunden in der Gruppe zu treffen, um mit ihnen die Fahrt in der Natur zu genießen. Aber auch die Geselligkeit spiele eine große Rolle. Einige kennen sich schon sehr lange, waren schon im Jugendalter dicke Freunde und haben früher zusammen Fußball gespielt. Andere sind aus Interesse am E-Mountainbiken hinzugekommen.

Auch die anderen „BergStromer“ wohnen im Umkreis: Rainer Jäger in Twistetal-Mühlhausen, Frieder Böhle und Karl Gutmann in Vasbeck, Klaus Fingerhut in Gembeck und Ulli Willeke in Massenhausen.

Rainer Jäger (60) und Frieder Böhle (63) haben schon in der Jugend beim TuSpo Mengeringhausen gekickt, wo sie später mit der Ersten in der Landesliga aktiv waren. Anschließend spielten sie noch viele Jahre in der Altherren-Mannschaft, zu der auch Reinhard Arnold gehörte.

Karl Gutmann (77), ein langjähriger Fußballtrainer, und Frieder Böhle sind Nachbarn in Vasbeck und kennen sich über gemeinsame berufliche Zeiten. Beide sind heute Rentner, genau wie Klaus Fingerhut (67), ein ehemaliger Außendienstler, der früher beim SV Gembeck Fußball spielte und über die Bekanntschaft mit Karl Gutmann im vergangenen Jahr zu den „BergStromern“ stieß.

Uli Willeke (63) stammt aus Giershagen und ist als Mitglied des Schützenvereins Massenhausen donnerstags im Schützenhaus aktiv. Alle Sechs treffen sich dort, wo auch Ulli Willeke vor vier Jahren zur Gruppe stieß. „Fahrradfahren schont die Gelenke und hält sie beweglich. Und man entdeckt immer wieder neue landschaftliche Highlights. Wir fahren gern hier rund um Eder-, Twiste- und Diemelsee sowie im Waldeckischen Upland. Ja, wir lernen unsere wunderschöne Heimat immer wieder neu kennen und lieben. Die E-Mountainbikes sind dazu ideal, weil sie größere Reichweiten bieten als herkömmliche Fahrräder“, schwärmt Reinhard Arnold.

Die Idee, die Gruppe zu gründen, hatte Initiator Frieder Böhle, der betont: „Unser Ziel war es von Anfang an, sportliche Kameradschaft bis ins hohe Alter gemeinsam zu pflegen – als Ersatz für das aktive Fußballspielen, dem die Grenzen aus gesundheitlichen Gründen wesentlich früher gesetzt sind“. Beim E-Biken wachse die Gruppe sogar noch homogener zusammen, denn die elektrische Unterstützung relativiere die unterschiedlichen Leistungsvermögen.

„Wie wollten in der freien Natur unterwegs sein und Spaß haben – ganz ohne wettkampfmäßigen Leistungsdruck. Dennoch sehen wir mit unseren einheitlichen Trikots echt sportlich aus“, lacht Frieder Böhle, der wie die anderen den Sponsoren der Trikotsätze sehr dankbar ist, die sie über persönliche und berufliche Kontakte gewonnen haben. Bei ihren Touren fahren die E-Biker nämlich gern im einheitlichen Outfit, das sie auf die jeweilige Region abstimmen.

Fußball und Politik

Früher hat sich die Gruppe jede Woche zum Saunabesuch und anschließendem geselligen Miteinander im Schützenhaus in Massenhausen getroffen. Diese Tradition wird jeden Donnerstag fortgesetzt. „Klar, dass wir dabei viel über Fußball quatschen oder über das politische Geschehen diskutieren“, erzählt Böhle. Außerdem nutzen die Männer dann die Gelegenheit, die monatlichen BergStromer-Treffen abzustimmen und weitere Aktivitäten zu planen. Oft werden dann die Radtouren am folgenden Wochenende festgelegt. Frieder Böhle, inzwischen ein routinierter Guide, macht in der Regel die planerischen Vorgaben. Dazu hat ihm die Gruppe einen mobilen GPS-Router besorgt.

Seit Gründung ihres „Clubs“ 2015 hat die Gruppe mindestens einmal im Jahr einwöchige Touren im In- und Ausland unternommen. Exkursionen führten sie bereits in den Bayerischen Wald, in den Harz, in die Pfalz, über die Alpen zum Comer See und bei einer Trans-Ost-Tour nach Polen und Tschechien. Darüber hinaus sind einige Bergstromer in unterschiedlicher Besetzung auf Alpen-Touren gewesen.

Mit Fullys auf die Trails

In den schneefreien Jahreszeiten sind sie in der näheren Umgebung, aber auch zunehmend in etwas weiterer Entfernung, zum Beispiel im Bereich Habichtswald oder Sauerland, unterwegs und lernen immer neue Routen kennen.

Auch ihre sportlichen Ambitionen steigen, so sind sie nicht mehr so oft auf den „Waldautobahnen“ unterwegs, sondern suchen spezielle Trails auf, um mit anspruchsvolleren Techniken zu fahren. Entsprechend habe die Gruppe immer stärker aufgerüstet. So fahren heute fast alle Fullys, also vollgefederte E-Bikes. „Doch bei allem Spaß am Sport: an Wettkämpfen nehmen wir nicht teil, sondern pflegen den spaßbetonten Freizeitcharakter“, sagt Reinhard Arnold und erzählt: „Natürlich sprechen sich unsere Gruppenaktivitäten schnell herum. Immer mehr Freunde und Bekannte zeigen Interesse, schaffen sich ein E-Bike an. Und immer wieder haben wir Gastfahrer dabei.“

Zum Glück hätten die Familien der E-Biker großes Verständnis. „Unsere Ehefrauen waren es ja schon zu Fußballerzeiten gewöhnt, auf Gemeinsames zu verzichten“, schmunzelt Frieder Böhle.

Zurzeit haben die „Bergstromer“ nur die sechs aktiven Männer im Alter von 58 bis 77 Jahren. Grundsätzlich sei man aber auch offen für neue Mitglieder. „Sie sollten sich allerdings mit unserer Philosophie verbunden fühlen und zu uns passen. Alles weitere ergibt sich bei den gemeinsamen (Gast)-Ausfahrten“, so Frieder Böhle.

Das Hobby ist nicht billig: Ein E-Mountainbike gibt es zum Preis ab 2000 Euro – und nach oben gibt es keine Grenze. Ein Bike mit guten Systemkomponenten für mittlere Belastung kostet etwa 4500 Euro.

Die sonstige Ausstattung mit Helm, Brille, Handschuhen, Trikots, Hosen, Schuhe, Rucksack und Trinkflasche kostet etwa 1000 Euro. Nicht zu vergessen die Wartungs- und Verschleißkosten, die bei den „BergStromern“ jeweils jährlich etwa zwischen 500 bis 1000 Euro zu Buche schlagen.

Hinzu kommt der Zeitaufwand: Im Schnitt investiere jeder der rüstigen Biker etwa zehn Stunden wöchentlich in sein Hobby. 

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