Sommertour zum Thema Landwirtschaft

Regierungspräsident Klüber besucht Rhenegger Hof Bornemann

Beim Rundgang auf dem Rhenegger Hof Hof Bornemann. Rechts Junglandwirt Steffen Bornemann, neben ihm der Kasseler Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber. Links Mutter Silke Bornemann. Foto: Schilling
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Beim Rundgang auf dem Rhenegger Hof Hof Bornemann. Rechts Junglandwirt Steffen Bornemann, neben ihm der Kasseler Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber.  Links Mutter Silke Bornemann.

Der neue Kasseler Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber besuchte bei seiner Sommertour am Freitag Waldeck-Frankenberg. Auf dem Rhenegger Hof Bornemann diskutierte er über Landwirtschaft.

Diemelsee-Rhenegge – „Landwirt ist der vielseitigste Beruf, den es gibt“, findet Karl-Friedrich Bornemann. Seit 1991 führt er mit seiner Frau Silke den Aussiedlerhof „Im Feld“, den seine Eltern 1963 errichtet hatten. Ständig investieren das Paar und die beiden Söhne Steffen und Tim weiter in den Betrieb. 

Doch so viel Spaß die Arbeit auch macht, die gesellschaftliche Debatte bereitet Bornemann Sorgen. Eine kleine, aber laute Gruppe mache Stimmung gegen die konventionelle Landwirtschaft – um Spendengelder für ihre Organisationen einzusammeln, so sieht er das. 

"Wir stehen auf Ihrer Seite“

Der neue Kasseler Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber versteht ihn. Es sei in der Öffentlichkeit ein Bild entstanden, dass Bauern für viele Umweltprobleme mitverantwortlich seien, sagte er am Freitag bei seinem Besuch auf dem Hof. Er wolle deutlich machen: „Wir vertreten eine andere Auffassung – wir stehen auf Ihrer Seite.“ 

Bei Klübers Sommertour ging es gestern um das Thema Landwirtschaft, er stellte sich der Diskussion mit den Bornemanns, mit dem Präsidenten des hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, und mit Vertretern der beiden Kreisbauernverbände in Waldeck und Frankenberg. 

„Wir müssen raus aus der Defensive“

„Wir müssen raus aus der Defensive“, findet Bornemann. Die Bauern müssten der Öffentlichkeit ihre Arbeitsweise stärker vermitteln. „Ohne Tierwohl sind wir nicht wirtschaftlich“, stellt er etwa heraus. Ob konventionelle oder Bio-Produkte: Jeden Tag finde eine „Abstimmung an der Ladentheke“ statt. Und die Landwirte hätten keinen Einfluss auf den Preis. 

In der Diskussion gebe es viele Emotionen, „die muss die Politik wieder einfangen.“ Statt um Ideologie müsse es um Wissenschaft gehen – etwa beim Düngen. 

Die „ideologische Debatte“ müsse ein „Gegengewicht bekommen“, befand auch CDU-Mann Klüber. Er forderte mehr Wertschätzung für die regionalen Wertschöpfungsketten. 

Landwirte "mitnehmen"

Wo die Landwirtschaft in der Verantwortung stehe, trage sie die auch, betonte Schmal mit Blick auf die neue Düngeverordnung. Aber sie sei nicht für alles verantwortlich. Es gebe auch andere Ursachen für hohe Nitratwerte im Grundwasser. Die Landwirte verwiesen auf die Kooperationen in Wasserschutzgebieten, die gut funktionierten.

Er appellierte an die Politik, die Landwirte "mitzunehmen", sie seien ja bereit, in neue Technik oder Lagerstätten zu investieren. Ihnen nur neue Verordnungen vorzusetzen "wird nicht funktionieren".

Höfe in Gefahr

Schmal mahnte, immer neue Auflagen gefährdeten die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Bauern und die Zukunft der Höfe. So sei die Zahl der hessischen Schweinehalter in den vorigen drei Jahren um 47 Prozent zurückgegangen. Und von wegen "Massentierhaltung": Vor 100 Jahren hätten dreimal mehr Tiere in den Ställen gestanden. "Ich mache mir Sorgen um die Tierhaltung in Hessen." 

Auflagen erhöhten die Kosten und verringerten die Wettbewerbsfähigkeit, sagte Schmal. Wenn Landwirte einen neuen Stall bauten, planten sie auf 20 Jahre.In dieser Zweit dürfe die Politik nicht dreimal die Regeln ändern, dann hätten Bauern "keine Verlässlichkeit" mehr.

Es gebe zwar junge Bauern, die Höfe übernehmen würden. Aber die bräuchten das Signal, dass die Politik zu ihnen stehe. Er lobte die "beeindruckende" Entwicklung des Hofes Bornemann in den vorigen 20 Jahren.

Nicht ständig neue Standards

„Planungssicherheit ist das A und O“, eine zukunftsfeste Landwirtschaft müsse Perspektiven haben, es dürfe nicht ständig neue Standards geben, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Armin Schwarz, der die hohe Qualität der deutschen Erzeugnisse hervorhob. Sie sien so gut wie nie zuvor. Unternehmen wie die Bornemanns gewährleisteten die regionale Versorgung. 

Die Geschäftsführerin des Waldecker Bauernverbandes, Stephanie Wetekam, mahnte, bei Verordnungen komplexer zu denken: Oft hätten sie weitere Wirkungen, an die niemand gedacht habe. Es gebe eine "Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität". Probleme müssten "ganzheitlich" angegangen werden.

Bürgermeister Volker Becker sprach die rückläufige Landesförderung beim Feldwegebau und die Versorgung mit schnellem Internet und die lückenhafte Mobilfunkversorgung auf dem Land an.

 Landrat Dr. Reinhard Kubat kündigte eine neue Initiative zum Ausbau der digitalen Infrastruktur an. Den Bornemans gratulierte er zu ihrem Betrieb und der funktionierenden Arbeitsteilung. Die nächste Generation habe ihre Möglichkeiten. „Ich sehe Mut und Zuversicht.“

Auf Sommertour

Sechs Kreise und die Stadt Kassel gehören zum nordosthessischen Bezirk des Kasseler Regierungspräsidenten Hermann-Josef Klüber. Seit Donnerstag ist er unterwegs, um sich über wichtige Anliegen und Projekte vor Ort zu informieren. Themen sind die Wirtschaft und Wirtschaftsförderung, die Landwirtschaft, das Feuerwehrwesen und die Infrastruktur sowie die Gesundheitsversorgung. 

Am Freitag Vormittag ging es auf dem Rhenegger Hof Bornemann um die Landwirtschaft. Die Familie bewirtschaftet 110 Hektar Ackerland und 95 Hektar Grünland. Die 125 Kühe geben täglich 4000 Liter Milch, im 2015 erbauten Maststall werden jährlich 4000 Schweine großgezogen. Drittes Standbein ist die Lohnarbeit auf 70 Hektar von der Aussaat bis zum Düngen und Dreschen.

Steffen Bornemann führte die Besucher durch den Milchviehbetrieb mit seinen modernen Melkrobotern, sein Bruder Tim erläuterte die Schweinemast mit Ferkeln aus Nieder-Ense. 

Am Nachmittag besichtige Klüber die Upländer Bauernmolkerei, die wie berichtet eine neue Produktionsstätte in Usseln baut.

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