Gespräch mit Diemelseer Bürgermeister Volker Becker gesucht

Rhenegger sorgen sich um künftige Nutzung des „Sonnenhofs“

Dauerthema „Sonnenhof“ in Rhenegge: Was wird aus dem einstigen Sanatorium“? Über die Lage sprachen einige Rhenegger mit Bürgermeister Volker Becker. Foto: Hans BlosseyLuftbild von Rhenegge zu Diemelstadt gehörig in Nordhessen in Hessen in Deutschöand.
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Dauerthema „Sonnenhof“ in Rhenegge: Was wird aus dem einstigen Sanatorium“? Über die Lage sprachen einige Rhenegger mit Bürgermeister Volker Becker.

Was wird aus dem einstigen Sanatorium „Sonnenhof“ in Rhenegge? Das fragen sich Einwohner des Dorfes. Am Donnerstag suchten sie das Gespräch mit Bürgermeister Volker Becker.

Bei der Zwangsversteigerung im Oktober vorm Korbacher Amtsgericht gab es wie berichtet einen Bieter für die Klinikgebäude. Seitdem wachsen im Dorf Befürchtungen: Was will der angeblich aus Osteuropa stammende Investor mit der fast 20 Jahren leer stehenden und inzwischen völlig ausgeplünderten Ruine anfangen? 

Hotel und florierendes Sanatorium

Der „Sonnenhof“ wurde 1959/60 als dreigeschossiges Hotel erbaut. 1964 kaufte ein Arzt das Anwesen und betrieb in den Räumen rund 20 Jahre eine florierende Klink zur Krebsnachsorge. Er erweiterte die Gebäude um ein viergeschossiges Bettenhaus und sanierte die Bauten 1980 bis 1986. Für sich baute er um 1965 nebenan ein laut Gerichtsgutachten „repräsentatives Wohnhaus“ mit Schwimmbad, Sauna und Gästezimmern. Auch einige Rhenegger fanden im Sanatorium Beschäftigung.

1989 schloss der Arzt das Sanatorium. Bis Ende November 1999 war in den Gebäuden ein Wohnheim für DDR-Übersiedler und Aussiedler aus der Sowjetunion mit bis zu 400 Plätzen eingerichtet, seitdem steht die Klinik leer. Randalierer zerstörten die Einrichtung, Türen und Fenster und hinterließen Müllberge, Diebe stahlen alles Brauchbare von Armaturen und Fassadensteinen bis zu Kabeln und Leitungen.

Sonnenhof in Rhenegge als "Lost Place"

2013 deutete sich ein Verkauf der leerstehenden Klinik an, ein Unternehmen begann damit, die Immobilien leerzuräumen und zu entkernen. Der Verkauf scheiterte dann aber doch. In der Urban-Exploration-Szene, die sich für verlassene Gebäude - sogenannte Lost Places - interessiert, ist der Sonnenhof ein beliebtes Ziel. Allerdings ist das Betreten des Grundstücks verboten. Wer es trotzdem tut, kann wegen Hausfriedensbruchs angezeigt werden.

Die Zwangsversteigerung 

Schon seit Jahren betreiben die Gemeinde Diemelsee und das Berliner Bankhaus Lübbecke das Verfahren zur Zwangsversteigerung – die Gemeinde will knapp 300 000 Euro Außenstände an nicht bezahlten Steuern und Abgaben eintreiben, die Bank hat etwa 3,7 Millionen Euro als Grundschuld im Grundbuch des Amtsgerichts eintragen lassen. Eigentümer sind zu gleichen Teilen das Land Hessen und die Witwe des ehemaligen Klinikbetreibers.

Die Arztvilla und Grundstücke sind inzwischen versteigert. Übrig sind noch die Klinikgebäude, für die es beim Termin im Oktober einen Bieter gab. Seitdem rätseln Rhenegger, was er mit der Immobilie vor hat.

Am Donnerstag Nachmittag suchte eine im Dorf gebildete Interessengemeinschaft in der Gemeindeverwaltung das Gespräch mit Bürgermeister Volker Becker. 16 Rhenegger nahmen daran teil, unter ihnen Ortsvorsteher Günter Siebert. 

Befürchtungen formuliert

Die Rhenegger sprachen ihre Befürchtungen an. Könnte zum Beispiel ein Bordell entstehen? Und hat der Interessent überhaupt das Geld, um etwas Neues zu entwickeln? Die geforderte Sicherheitsleistung von 142 300 Euro brachte er im Oktober nicht mit.

Nur noch eine Ruine: die ehemalige Kurklinik "Sonnenhof" in Rhenegge

Erhebliche Summen müssen investiert werden. Allein die „Komplettentkernung“ des dreiflügeligen Klinikgebäudes würde laut Gerichtsgutachten etwa 380 000 Euro kosten, der Abriss rund 324 000 Euro. Oben drauf kämen die Kosten für ein neues Projekt. 

Oder bleibt das Gelände auch nach der Versteigerung ein Sammelplatz für Müll? „Wir haben die Situation diskutiert und offene Fragen beantwortet“, berichtete Becker nach dem fast zweistündigen Gespräch. 

Rhenegge habe Interesse, dass mit dem „Sonnenhof“ etwas geschehe, sagte Siebert. Wenn das Objekt wieder genutzt werde, müsse es im Sinne des Dorfes sein, es müsse „etwas Positives widerspiegeln“. Wenn ein Investor in diese Richtung gehe, „würden wir ihn unterstützen“. 

Becker trat Befürchtungen mit einem Hinweis entgegen: Die Gemeinde hat bei Investorenplänen ein Wörtchen mitzureden. Der „Sonnenhof“ ist derzeit als „Sondergebiet Sanatorium“ ausgewiesen. Will ein Investor eine andere Nutzung, müssten die Gemeindevertreter den Bebauungsplan ändern. Nur: Würden sie das tun, wenn ihnen der Investor kein schlüssiges Nutzungs- und Finanzierungskonzept vorlegt? „Die baulichen Hürden sind hoch“, sagte Becker. Eine weitere Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber schloss er aus.

Weiterer Interessent

Am Gespräch nahm auch ein weiterer Interessent teil, der bei der jüngsten Zwangsversteigerung kein Gebot abgegeben hatte. Er stellte Überlegungen vor, die Gebäude Zug um Zug zu sanieren. Dort könnten Wohnungen entstehen, es könne weitere Einrichtungen wie Fitnessräume geben, sagte er. 

Er sei auch auf Nachfragen sehr unkonkret geblieben, bemängelte eine Rheneggerin gegenüber der WLZ. Wohnungen im „Außenbereich“ genehmigt zu bekommen sei schwierig, sagte Becker. „Das läßt sich nicht ohne weiteres lösen.“

Der nächste Versteigerungstermin beim Amtsgericht ist voraussichtlich erst im Frühjahr. Siebert rechnet nicht damit, das nach einem Zuschlag gleich gebaut wird: „Wir können uns nicht vorstellen, dass in den nächsten Jahren was läuft.“

Hier befindet sich der Sonnenhof in Rhenegge:

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