Fünf Vorleser entführen in reiche literarische Welten

Spannender Vorleseabend im Flechtdorfer Klosterform

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Am Vorleseabend im Kloster Flechtdorf wirkten mit: (von links) Helmut Walter, Marie-Luise Lindenlaub, Frank Mause, Ralf Kubosch, Bezirkskantorin Ingrid Kammerer und Inge Frese.

In die unterschiedlichsten Epochen, Zeiten und Themen entführten fünf Vorleserinnen und Vorleser am Vorleseabend im Klosterforum Flechtdorf. 

Diemelsee-Flechtdorf – Ahornblätter aus Buchpapier glitzern im Kerzenschein, Blumenschmuck ziert den Lesetisch, die Atmosphäre ist angenehm – und die Gäste sind gespannt auf das, was sie im Klosterforum zu hören bekommen: Am bundesweiten Vorlesetag hat der Förderverein Kloster Flechtdorf am Freitag zum Vorleseabend eingeladen. Das Interesse war groß, die Überraschung auch, denn im Vorfeld wurde nicht verraten, wer liest – und was gelesen wird.

Das erste Geheimnis lüftete Annegret Walter vom Vereinsvorstand in ihrer Begrüßung, stellte Marie-Luise Lindenlaub, Inge Frese, Ralf Kubosch, Frank Mause und ihren Mann Helmut Walter als Vorleser vor. Das zweite Geheimnisse lüfteten die Vorleserinnen und Vorleser selbst. Die Auswahl, die sie für diesen Abend getroffen haben, hätte unterschiedlicher kaum sein können. 

Marie Luise Lindenlaub, die viele Jahre die Korbacher Bücherei geleitet hatte, entführte in den Palast von Perugia, wo Papst Innozenz am 16. Juni 1216 in den letzten Zügen liegt – und erst in Frieden gehen kann, als Franz von Assisi ihn von der Last seiner prunkvollen Kleider befreit und in sein eigenes Bettlergewand hüllt. (Heinrich Federer: Das letzte Stündlein des Papstes, 1917).

Krimi spielt in der Region

In die Gegenwart Waldecks und des Hochsauerlandkreises führte Frank Mause, Leiter des Amtes für Bodenmanagement, mit seinem Kriminalroman „Mord(s)genau – Jetzt wird grenzlich“: Der singende Wirt von der Upländer Alm ist tot – und seine Leiche liegt ausgerechnet auf der Landesgrenze. Eine länderübergreifende SoKo wird gegründet, und bei der Klärung des Falles geht es auch mal Schlag auf Schlag zu. 

Einen politischen Schnitt machte Inge Frese (Diemelsee) mit Horst Krügers „Das zerbrochene Haus“, ein 1966 veröffentlichtes, 2019 neu aufgelegtes, scharfsinniges Buch über Krügers Jugend unter Hitler. „Weil es wichtig ist zu wissen, wie es damals angefangen hat – und dass diese Zeit keinesfalls ein Fliegenschiss ist“, betonte Inge Frese.

Unterirdische Welten

Helmut Walter, Vorsitzender des Fördervereins Kloster Flechtdorf, hatte Robert Macfarlanes „Im Unterland“ gewählt, nahm die Zuhörer mit in unterirdische Welten. Der Autor kommt zu dem Schluss, dass es mit der Menschheit nicht gut ausgehen wird. Im Anschluss las Helmut Walter „Der Weltuntergang“ von Franz Hohler, der schon 1974 wusste, dass er mit dem Aussterben eines kleinen Insektes beginnt.

Ralf Kubosch, der in der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises arbeitet, lüftete das Geheimnis, wer wohl den Weltuntergang überleben wird: Die Kakerlake. Mit Hannes Sprados „Verfressen, sauschnell, unkaputtbar“ brachte er den Zuhörern „das fantastische Leben der Kakerlaken“ auf witzige, unterhalsame Weise näher.

Bezirkskantorin Ingrid Kämmerer spielte zwischen den Lesungen mehrere Stücke auf Blockflöten und Annegret Walter verabschiedete mit einem irischen Reisesegen. Vorher gab es zur Stärkung Häppchen und Punsch. (md)

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