Diemelseer Gemeindevertreter beschließen weitere Investitionen in den Tourismus

Stormbrucher Brücke wird illuminiert

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„Spektakuläre Illumination“: Unter dem Kopf der Stormbrucher Brücke sollen farbige LED-Leuchten angebracht werden, um das Bauwerk abends stimmungsvoll zu beleuchten. Die Programme lassen sich abwandeln.

Die Diemelseer Gemeindevertreter beschlossen am Freitag weitere Investitionen in den Tourismus. Das spektakulärste Projekt ist die Illuminierung der Stormbrucher Brücke, das Bauwerk soll stimmungsvoll mit bunten LED-Strahlern beleuchtet werden.

Kaum ist das Großprojekt Ufergestaltung abgeschlossen, da geht die Gemeinde die nächsten Projekte an, um den Diemelsee für Feriengäste und Einheimische attraktiver zu machen. Über Investitionen im Umfang von 392 000 Euro berieten die Gemeindevertreter am Freitag – das Beleuchtungskonzept wird nach Kritik deutlich abgespeckt.

Klaus Hamel von der Diemelseer Tourist-Information erläuterte die Vorhaben. Die Gemeinde erwartet vom Land, dem Kreis und von Investoren Zuschüsse von bis zu 281.000 Euro.

Beleuchtungskonzept

Vier markante Standorte sah das Beleuchtungskonzept von Klaus Hamel für den Diemelsee vor - nur die Strahler für die Stormbrucher Brücke unten im Bild billigte das Parlament.

Das sichtbarste und spektakulärste Projekt ist die Illuminierung: Markante Punkte am Diemelsee sollen mit farbigen LED-Leuchten angestrahlt werden – das Konzept führte zu Kritik im Parlament. Klaus Hamel schlug vier Standorte vor: 

  • Die Liebesinsel sollte sieben Strahler erhalten, 
  • eine Baumgruppe am Ufer gegenüber Heringhausens sollte vier Strahler bekommen,
  • eine benachbarte Baumgruppe drei Strahler, 
  • die Stormbrucher Brücke erhält Strahler, die oben am Brückenkopf stabil angebracht werden. 
Ein Vorbild für den Diemelsee: die bei Festen beleuchtete Staumauer des Edersees.

Mit der „spektakulären Illumination“ habe der Diemelsee in der Region ein Alleinstellungsmerkmal, das gerade in der Vor- und Nachsaison die Aufenthaltsdauer erhöhen könne, sagte Hamel. Auch die Gastronomie profitiere. Die Lichteffekte seien programmierbar und übers Internet steuerbar, sagte er.

 Der Elektriker Marcel Braun vom Bauhof der Gemeinde erläuterte die Technik. Jeder Strahler sei einzeln ansteuerbar, sie ließen sich auch verknüpft schalten. Leitungen zur Brücke seien schon verlegt. Kosten: rund 115 000 Euro. Förderanträge seien bereits gestellt, sagte Bürgermeister Volker Becker. 

Kritik an zu viel Licht

Kritik kam von der CDU-Fraktionschefin Dr. Beate Schultze. Beleuchtung auf der Brücke müsse sein – aber an der Brücke? Und dann noch Bäume anstrahlen? Diemelsee wolle einen naturverbundenen und naturnahen Tourismus, deshalb sei das Konzept so nicht richtig, befand sie. Menschen und Tiere litten unter Licht, und davon gebe es am Diemelsee schon genug - ob an der neue Uferpromenade oder an der Tourist-Information. „Irgendwann ist es zu viel.“ Urlauber sollten auch „vom Licht abschalten können und Dunkelheit haben“. 

„Für die SPD ist es ein Punkt, die Attraktivität des Sees zu verbessern“, sagte Fraktionschef Martin Tepel. Die Illuminierung einzelner Punkte und der Brücke sei als touristisches Angebot vertretbar und mit dem Naturschutz in Einklang zu bringen. Vielleicht ließen sich ja Straßenlampen abschalten, wenn die Strahler an seien. 

Die Gemeindevertreter billigten bei einer Nein-Stimme die Brückenstrahler. Auch die Liebesinsel und die beiden Baumgruppen hinzuzunehmen, lehnten sie jedoch mit sechs zu acht Stimmen bei drei Enthaltungen aber ab. 

Die Gemeinde hatte bereits den Plan gestrichen, auch das Gipfelkreuz auf dem Heringhäuser Hausberg „Sankt Muffert“ anzustrahlen.

Trekking-Park 

Trekking-Park "Sauerland": Vier Übernachtungsplätze für Trekking-Wanderer sollen auf Diemelsseer Gebiet gebaut werden. Vier unterhält die Gemeinde, einen fünften gemeinsam mit Willingen

In Zusammenarbeit mit den Willingern will die Gemeinde an den Wanderwegen Diemel- und Uplandsteig den Trekking-Park „Sauerland“ errichten. Entlang der 129 Kilometer langen Strecke sollen etwa alle 15 Kilometer Übernachtungsplätze eingerichtet werden, jeweils vier in Diemelsee und in Willingen sowie ein gemeinsamer am Dommelturm. Sie umfassen eine Plattform aus beständigem Robinenholz für je zwei Zelte und eine wartungsfreie Komposttoilette.

 Es gebe nur drei Parks in ganz Deutschland, sagte Hamel, Diemelsee habe die Chance, sich von der breiten Masse der Wanderer abzusetzen und eine neue, wachsende Zielgruppe anzusprechen, sagte Hamel. 

Die Einrichtung eines Platzes koste rund 7000 Euro. Bei Gesamtkosten von 30.000 Euro für die Gemeinde und weiteren 30.000 Euro für Willingen sei mit Zuschüsse von 70 Prozent zu rechnen. 

Gegenfinanziert werde die Summe auch durch die Nutzungsgebühren: Trekking-Wanderer buchen online Touren und zahlen zehn Euro pro Zelt und Nacht. In der Eifel gebe es mit den Plätzen und mit der Abwicklung der Buchungen keinerlei Probleme, sagte Hamel. Auch normale Wanderer könnten die Toiletten nutzen. 

Bei zwei Gegenstimmen billigte das Parlament den Park. 

Jugendzeltplatz 

Der Zugang zum Jugendzeltplatz des Naturparks soll für 30 000 Euro barrierefrei ausgebaut werden. Ein neues Geländer kostet 126.000 Euro. Außerdem werden 20 000 Euro für eine Straßensperrung erforderlich. Dieses Projekt billigte das Parlament einstimmig. 

Webcam am Diemelseee 

Interessenten über Online-Wetterportale einen Blick auf ihr mögliches Ferienziel zu geben, sei inzwischen Standard, sagte Hamel. „Eine eigene hochauflösende Webcam ist ein Muss für eine Ferienregion, um auf den Portalen gefunden zu werden .“ Deshalb würde er am neuen Feriendorf am Diemelsee gern für 16.500 Euro eine Kamera aufstellen, die um 360 Grad schwenkbar ist. 

Sie biete Gästen einen „wunderschönen Blick in die Ferienregion“, sie liefere Wetterdaten, aktuelle Tipps über einen Liveticker oder Informationen über verlinkte touristische „Hotspots“. Die jetzige Kamera des Segelclubs biete nur ein starres Bild. 

Bei drei Gegenstimmen nahm das Parlament das Projekt an. 

Positive Statistik

Auf einem guten Weg sieht Klaus Hamel den Tourismus in Diemelsee. Das belege auch die Statistik fürs vorige Jahr. Da habe die Gemeinde zum ersten mal die Marke von 80.000 Übernachtungen geknackt, im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl um 14,9 Prozent gestiegen – im gesamten Kreis um 0,6 Prozent, in Hessen nur um 0,2 Prozent.

 Auch bei der Aufenthaltsdauer von durchschnittlich 3,6 Tagen stehe Diemelsee im Kreis hervorragend da – nur die Kur- und Klinikstadt Bad Wildungen erreiche einen höheren Wert. (-sg-)

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