Diemelseer Parlament verhängt mit Mehrheit Sperrvermerk über das Bauprojekt

Streit um den Adorfer Reikweg ist neu entbrannt

Bei der Ortsbesichtigung an der alten Verbindung zum Adorfer Reikweg: Mitglieder des Gemeindevorstandes, Gemeindevertreter, der Ortsbeirat und Vertreter der Interessengemeinschaft besprachen, wie eine Sanierung doch möglich wäre. Foto: Johanna Schlenke / Blickkult
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Beim Ortstermin im September 2019: Die Interessengemeinschaft, Gemeindevorstand und Gemeindevertreter einigten sich auf einen Kompromiss zur Sanierung des Weges.

Einen neuen Streit um die Sanierung des Adorfer Reikweges entfesselten die Diemelseer Gemeindevertreter am Freitag bei der Verabschiedung des Haushaltes: Sie versahen die 20 000 Euro im Etat mit einem Sperrvermerk.

Bei elf Ja-Simmen, fünf Nein-Stimmen und einer Enthaltung folgte die Mehrheit dem Antrag von SPD und FWG auf einen Sperrvermerk. Der Haupt- und Finanzausschuss kann ihn jederzeit aufheben.

Der Antrag hatte schon bei den Haushaltsberatungen in den Ausschüssen für heftige Diskussionen gesorgt – das Thema bewegt wie mehrfach berichtet die Gemüter. 

Beliebter Verbindungsweg

Der Streit dreht sich um einen beliebten Fußweg zwischen dem Unteren Reikweg und der Bredelarer Straße. Viele Schüler nutzen ihn, auch viele Mütter, die ihre Kinder zum Kindergarten in den Tulpenweg bringen. 

Der Reikweg: Bei der Prüfung der Brücke über die Rhene im September 2019.

Er führt mit einer Holzbrücke über die Rhene und dann eine Treppe hinauf. Der Weg ist marode – eine Sanierung fordert der Ortsbeirat seit vielen Jahren. Eben so lange laufen schon Planungen. Die Brücke muss saniert werden, Pflaster ist uneben, das Geländer aus Holz morsch. Deshalb ist ein Teil des Weges offiziell gesperrt.

Parlamentsbeschluss im Sommer 2019

Der Streit um den Reikweg begann im vorigen Sommer. Die Gemeindevertreter beschlossen im Juni einen barrierefreien Ausbau mit Geldern aus der Dorfentwicklung. Um die Treppe zu umgehen, wurde der Weg deutlich verlängert. 

Dabei blieb der vorhandene, deutlich kürzere Abschnitt außen vor. Für dessen Sanierung hätte es keine Förderung gegeben.

Doch viele Adorfer wollen auf ihren Weg nicht verzichten. Nach der Entscheidung bildete sich eine Interessengemeinschaft, die sich für die Sanierung einsetzt. Binnen Tagen sammelte sie mehr als 800 Unterschriften für den Erhalt des Weges.

Kompromiss: Sanierung mit Eigenleistungen

Bei einem Ortstermin im September einigten sich Gemeindevorstand, Gemeindevertreter, Ortsbeirat und die Interessengemeinschaft auf einen Kompromiss, wie die WLZ berichtete: Die Adorfer bringen für die Sanierung um die 500 Arbeitsstunden auf, etwa für Pflasterarbeiten. Die Gemeinde stellt ihnen das Material und erledigt weitere Arbeiten. So muss die Brücke saniert werden. 

Kein Material für die Arbeiten

Dieser Kompromiss droht mit der Entscheidung vom Freitag zu kippen. 

Bürgermeister Volker Becker warnte, die Gemeinde könne mit dem Sperrvermerk keine Arbeiten ausschreiben und kein Material für die Eigenleistungen der Adorfer bereit stellen. 

Debatte im Parlament

„Warum es den Sperrvermerk braucht, erschließt sich uns nicht“, sagte auch Lukas Stede von der FDP. Sie habe sich in den Ausschüssen zunächst enthalten, dann aber noch einmal mit dem Ortsbeirat gesprochen. Nach einer hitzigen Debatte sei 2019 eine Lösung gefunden worden, von der Alte wie Kinder profitierten. Der Vermerk verhindere sie nur. Stede fragte: „Was sollen die Adorfer denn anbieten, damit der Sperrvermerk aufgehoben wird?“ 

Der Adorfer Reikweg ist in Teilen offiziell gesperrt.

„Die CDU pflichtet der FDP bei“, sagte Björn Stöcker. „Es ist ein emotionales Thema, und wir haben eine Lösung.“ Die könne alle Wogen glätten. „Jetzt kriegen wir den Wind aus den Segeln genommen, das ist nicht konstruktiv.“ Er rief auf, den Adorfern „einen Vertrauensvorschuss“ zu geben, „sie haben schriftlich zugesagt, in Eigenleistung arbeiten.“ 

Horst Wilke bekräftigte in seiner Haushaltsrede, die FWG werde dem Sperrvermerk zustimmen. 

„Der Sperrvermerk hat eine Historie“, sagte SPD-Fraktionschef Martin Tepel. „Adorfer haben schon viel zugesagt.“ Und nicht alles geleistet. „Bei Ottlar würde mich das nicht interessieren.“ 

Vorrang für die SPD habe der Bau des neuen, barrierefreien Weges als Projekt der Dorfentwicklung. Es sei schlecht, dieses Projekt und die Wegsanierung gemeinsam auszuschreiben. „Das ist weltfremd.“ 

Es sei kein Nachteil, wenn das Material später komme. Und wenn die Eigenleistungen erbracht seien, könne der Vermerk ja aufgehoben werden. Die Diskussion sei „ein Strohfeuer“. 

"In Vorleistung treten?“

Die Unterstellungen erzürnen Ortsvorsteher Bernd Wecker. Er verstehe den Sinn des Vermerks nicht, sagte er vor der Sitzung der WLZ: Wie sollten die Adorfer ihre zugesagten Eigenleisungen erbringen, wenn ihnen die Gemeinde die Materialkosten nicht finanziere? „Sollen wir etwa in Vorleistung treten?“ (-sg-)

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