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Sudecker laden am Himmelfahrtstag zum 50. Vogelschießen ein

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Nach dem Vogelschießen 2019 in Sudeck – von links: der scheidende König Frank Arnold, das neue Regentenpaar Nina und Martin Biederbick und Annette Arnold. Vorn: Sohn Nils Biederbick.
Nach dem Vogelschießen 2019 in Sudeck – von links: der scheidende König Frank Arnold, das neue Regentenpaar Nina und Martin Biederbick und Annette Arnold. Vorn: Sohn Nils Biederbick. © Fritz Neumann/Privat

Beim Vogelschießen des Sudecker Schützenvereins am Himmelfahrtstag steht in diesem Jahr ein Jubiläum an: Es ist der 50. Wettstreit um die Königswürde in der jüngeren Geschichte des Traditionsvereins.

Diemelsee-Sudeck – Zum Vogelschießen lädt der Vorstand am 26. Mai in den Steinbruch „Hinter dem Kohlenberg“ ein. Beginn ist mit einem Gottesdienst um 10 Uhr. Gegen 10.30 Uhr startet der sportliche Wettstreit um die Königskette. Für Essen und Getränke ist wie immer bestens gesorgt.

Ehrungen und ein Kaiserschießen

Zum Jubiläum gibt es besondere Programmpunkte: Ehrungen sind vorgesehen. Und im Anschluss an das Vogelschießens gibt es ein Kaiserschießen der ehemaligen Regenten. Für die musikalische Unterhaltung sorgt wieder der Spielmannszug der Adorfer Feuerwehr.

Ältestes Schützenfest ist für 1748 bezeugt

Die Sudecker Schützen-Tradition reicht mindestens bis ins 18. Jahrhundert zurück - die Anfänge liegen im Dunkeln, weil Dokumente fehlen. Das älteste Schützenfest ist für 1748 bezeugt, König wurde Johannes Bangert. Zum Fest 1751 stiftete Carl Ludwig Christian zu Waldeck als „Protektor“ oder Schirmherr des Festes ein Kleinod.

Die Wiedergründung des Vereins 1891

Offenbar schlief auch in Sudeck das Schützenwesen ein. Erst 1891 kam es zu einer Wiedergründung des Vereins. Das Statut legte fest: Der neue König werde „durch Schuß auf die Scheibe“ ermittelt. Zum Schützenfest im Juli stiftete Fürst Georg Victor eine Plakette fürs Kleinod. Für 65 Mark schafften sich die Sudecker eine Fahne an.

Der Kleinkaliber-Schützenverein entsteht 1930

Da alle Unterlagen fehlen, ist über das weitere Vereinsleben nichts bekannt. Offenbar kam es wieder zum Erliegen, denn im Februar 1930 folgte die nächste Gründung: Der Kleinkaliber-Schützenverein entstand. Er baute sich einen Stand „auf dem Suden“.

Erneut vermeldet die Chronik nicht mehr – sämtliche Unterlagen sind während des Zweiten Weltkriegs oder danach verloren gegangen. Nach dem Einmarsch der Amerikaner im März 1945 beschlagnahmte die Militärregierung alle Waffen. Die Gemeinde Sudeck verkaufte den Schießstand im August 1946 für 148,70 Reichsmark.

Die nächste Wiedergründung 1953

Am 11. März 1953 folgte im Gasthaus Rummel die nächste Wiedergründung, der Schneidermeister und Kreisschützenmeister Heinrich Brocke wurde Vorsitzender. Am 19. Juli ermittelten die Schützen an einem provisorischen Schießstand erstmals ihre Vereinsmeister. Danach begann der Bau eines Schützenhauses mit einem Kleinkaliber-Stand.

1955 feierten die Sudecker in der Scheune von Karl Weidemann das 25-jährige Bestehen des 1930 wiedergegründeten Vereins.

Die Sportschützen nahmen bis auf Landesebene erfolgreich an Meisterschaften, Pokal- und Preisschießen teil. Allerdings waren die Trainingsbedingungen fürs Luftgewehr im Winter teils abenteuerlich. Eine Verbesserung brachte das neue Domizil im Keller der 1959 eröffneten Schule. Mit viel Eigenleistungen bauten die Schützen ihren Stand bis 1974 aus.

Der Kleinkaliber-Stand musste 1966 geschlossen werden, weil er nicht mehr den Auflagen der Behörden entsprach. Das Schützenhaus nebenan wurde verkauft.

Auf Traditionen besonnen

In der Nachkriegszeit besannen sich die Sudecker Schützen ihrer langen Tradition: 1963 führten sie wieder den Grenzbegang ein. Und 1972 erweckten sie eine zweite Tradition zu neuem Leben: das Vogelschließen. Erster König wurde nach spannendem Wettstreit Uwe Othmer. Seitdem wird jedes Jahr zu Himmelfahrt „Hinter dem Kohlenberg“ um die Königswürde geschossen.

1972 war Wilhelm Arnold schon dabei. Er erinnert sich, wie die Initiative einiger gestandener Mitglieder aus dem Gründungsjahr 1953 Gestalt annahm. Sie alle heute noch zusammenzubekommen, ist schwierig. Aber es waren Männer wie Christian Arnold, Wilhelm Figge, Karl Neumann, Kurt Biederbick, Karl Weidemann oder Heinz Grebe unter ihnen, die im Dorf noch heute bestens bekannt sind. „Sie haben es in Gang gebracht“, sagt Arnold.

Steigende Auflagen

Die Schützen hätten ein Zelt am Steinbruch aufgebaut, berichtet Arnold. Die Kleinkaliber-Gewehre habe der Verein noch gehabt. In den ersten Jahren habe es noch kaum Auflagen gegeben, erklärt er. Wegen der Sicherheit seien sie im Laufe der Jahrzehnte aber immer weiter gestiegen. Aber: „Es hat immer gut geklappt.“

Hartmut Trachte baut den Adler

Den ersten Vogel baute der Schreiner Hartmut Trachte. Für ein paar Jahre besorgte der Verein geschnitzte Adler aus Usseln, doch dann kehrte er zu Trachte zurück. Bis heute liefert er seine hölzernen Meisterwerke ab. Und die können ganz schön zäh sein: Einmal habe es bis zum Nachmittag gedauert, bis der Vogel gefallen sei, berichtet Arnold, „aber wir haben ihn noch immer runtergekriegt.“

Als in den 1980er Jahren ein Straßenausbau anstand und das Buswartehäuschen nicht mehr benötigt wurde, übernahmen es die Schützen und versetzten es in den Steinbruch. Der Bau dient seitdem als Schießstand.

„Es war eine schöne Zeit“, sagt Arnold. „Wir müssen das Vogelschießen aufrecht erhalten.“ Für den relativ kleinen Verein hat es auch eine finanzielle Bedeutung: Die Einnahmen des Festes fließen zum Beispiel in den Kauf neuer Gewehre für die Sportschützen.

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