„Heiße Phase“ der Spendenaktion für die Sanierung startet

Vasbecker Vogt-Orgel ist in den Kirchenerhaltungsfonds aufgenommen

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Die Kandidaten für die Kirchenvorstandswahl an der Vasbecker Vogt-Orgel – von links: Martin Gerhard, Jörn Grebe, Horst Gerhard, Heinrich Schäfer, Philipp Wilhelm Emde, Pfarrer Sascha Biehn-Tirre und Elke Trost.

Diemelsee-Vasbeck – Eine frohe Botschaft hatten Pfarrer Sascha Biehn-Tirre und Organist Martin Gerhard am Dienstag: Die Landeskirche Kurhessen-Waldeck unterstützt die Sanierung der Vogt-Orgel in der Vasbecker Kirche mit Geldern aus ihrem Kirchenerhaltungsfonds.

Anfang Mai hatte die Gemeinde den Antrag bei der Landeskirche gestellt. "Das Kreiskirchenamt hat uns gut unterstützt", betont Gerhard. Der Kirchenkreis gibt Empfehlungen ab. Bereits am 27. Juni habe die Stiftung des Fonds mitgeteilt, dass die Orgel aufgenommen worden sei, berichtete Gerhard bei einer Sitzung der sechs Kandidaten für die Wahl zum neuen Kirchenvorstand – es ist das einzige geförderte Projekt im Kirchenkreises Twiste-Eisenberg in diesem Jahr. Die Vasbecker freuen sich, dass auch eine kleine Gemeinde Berücksichtigung gefunden hat.

Spenden werden verdoppelt

Die Aufnahme bedeutet: Für jeden bis Anfang November gesammelten Spenden-Euro legt die Landeskirche noch einen Euro aus dem Fond oben drauf. Die Vasbecker wollen deshalb sofort die „heiße Phase ihrer Spendensammelaktion beginnen, die sie bereits 2017 gestartet haben. 

So gab es schon um die zehn Benefiz-Konzerte und ein großes Gemeindefest, Philipp Wilhelm Emde hielt zwei Vorträge, Vereine im Dorf spendeten, auch das Vermögen der Gefriergemeinschaft I wurde bei ihrer Auflösung zu Gunsten der Orgel übertragen.

Orgel aus Rhena

Das 1877 für die Rhenaer Kirche erbaute Instrument stammt aus der Werkstatt des bedeutenden Korbacher Orgelbaumeisters Jacob Vogt. Es ist älter als das Gotteshaus, in dem es seit 1952 steht - die neuromanische Vasbecker Kirche wurde erst drei Jahre nach der Orgel vollendet. Im Sommer 1940 wurde das Vasbecker Gotteshaus bei einem britischen Luftangriff zerstört worden - auch die Orgel, die ebenfalls Vogt gebaut hatte. Die Vasbecker kauften die ausrangierte Vogt-Orgel der Rhenaer, die sich eine neue angeschafft hatten.

Die Orgel sei mit das älteste Inventar, das in der Kirche zu finden sei, betont Philipp Wilhelm Emde.

Diese Orgel muss saniert und gereinigt werden. Darüber hinaus würde der Organist gern einiges verbessern. Er ist optimistisch, dass genügend Spenden zusammenkommen, um alle Arbeiten zu finanzieren – knapp 40.000 Euro sollen sie laut Voranschlag kosten. 

Die geplanten Arbeiten

Vorgesehen ist: 

  • Die Pfeifen werden gereinigt, das Orgelwerk wird generalüberholt. 
  • Die Elektroinstallation wird erneuert. 
  • Der historische Magazinbalg zur Luftzufuhr soll rekonstruiert und wegen der Geräusche möglichst in den Turm verlegt werden. 
  • Die Orgel ist seit dem Einbau 1951/52 einen Viertel Ton zu hoch gestimmt – was regelmäßig zu Problemen führt, wenn Orgel und Posaunenchor gemeinsam spielen: Chorleiter Gerhard muss alle Stücke für die Bläser umschreiben. Daher würde er die Orgel gern auf den von Vogt 1877 vorgesehenen „Originalton“ umstimmen – was auch dem Gemeindegesang zu Gute käme. Dafür muss das „Fiebs-Register“ mit zwölf bis 17 Pfeifen ausgetauscht werden. 
  • Das beim Einbau 1951/52 weggelassene Vogt'sche Obergehäuse des Prospekts soll rekonstruiert werden, es soll die Pfeifen auch vor Staub schützen. Der Mühlhäuser Schreinermeister Emde hat bereits Entwürfe nach Vogts Original-Plänen vorgelegt und würde das Gehäuse auch bauen. 

Die Arbeiten an der Orgel soll der Orgelbaumeister Peter Kozeluh aus Rotenburg übernehmen. Sie sind mit zwei Orgelsachverständigen und mit der Denkmalpflege abgestimmt. 

Weitere Spendenaktionen

Zur Finanzierung planen die Vasbecker weitere Aktionen, Gerhard hat schon einige Ideen gesammelt – etwa: 

  • Er plant einen „Orgelentdeckertag“ für Kinder – vielleicht beteiligt sich der Kindergarten „Sinai“. 
  • Im Herbst ist ein Fest für die Gemeinde geplant. 
  • „Paten“ könnten die neuen Pfeifen finanzieren, kleine könnten 200 Euro kosten, die größeren 300 Euro. 
  • Ein weiteres freiwilliges Kirchengeld soll zweckgebunden für die Orgel angeboten werden. 

Auch wenn es keine 100-prozentige Garantie auf eine Verdopplung der Spenden mehr gebe, wirbt auch  Pfarrer Sascha Biehn-Tirre um weitere Spenden: "Jeder Euro kriegt kräftig was dabei."

Um Weihnachten könnte der Scheck der Landeskirche übergeben werden, danach sollen die Arbeiten beginnen. Bis Mitte 2020 sollen sie abgeschlossen sein. 

Spendenkonten: Sparkasse Waldeck-Frankenberg: IBAN DE18 5235 0005 0009 4648 19. Waldecker Bank: IBAN DE62 5236 0059 0000 3384 78.

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