Grenzlandfest in Vasbeck

Waldecker und Westfalen feiern ohne Grenzen

Diemelsee-Vasbeck - Zwölf Orte, ein riesiges Festzelt und drei bunte Feiertage: Für das Grenzlandfest in Vasbeck zogen alle an einem Strang. Mit Kommers und Zapfenstreich begann das Wochenende, mit Kinderfest und Kaffeetafel klang es aus.

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die ein großes Fest ausmachen: Kaffee, der in riesigen Bechern ausgeschenkt wird. Oder liebevoll bemalte Holzschilder, die die Gäste empfangen. Sonnenblumen, die den Weg ins Grenzland-Café mit mehr als 100 originellen Torten weisen oder Moderatoren, die am dritten Festtag der Heiserkeit trotzen.

„Ik sei nur en 
Vasmisken Jung“

Seit Freitag legen sich die Vasbecker als Gastgeber des ersten Grenzlandfestes richtig ins Zeug. Zwölf Orte an der westfälisch-waldeckischen Grenze wollen den „Schranken im Kopf“ ein Ende machen. Und so wünschte Vasbecks Ortsvorsteher Albrecht Tobien schon beim Kommersabend am Freitag „Preußen und Waldeckern drei grenzenlos schöne Tage“. Dass dieses Fest nun gerade in Zeiten gefeiert wird, in denen Grenzen den Menschen mehr und mehr zum Verhängnis werden, in denen Tausende versuchen, sie zu überwinden, nahmen sowohl Festinitiator Rainer Wetekam als auch Schirmherrin Martina Werner aus dem Europäischen Parlament zum Anlass für einen Appell. „Die aktuellen Ereignisse zeigen, wie wichtig Grenzen sind und wie wichtig es ist, sie legal überwinden zu können“, betonte Wetekam und forderte „schnelles und unbürokratisches Handeln“. Unterdessen kritisierte Martina Werner die „Blockadehaltung einiger Länder“ bei der Einigung auf eine Quote, die regeln soll, wo Flüchtlinge aufgenommen werden. „Wir brauchen keine Hetzer und Brandstifter“, betonte sie, „und wir sollten nicht auf der einen Seite Grenzen abbauen, um auf der anderen Zäune zu errichten.“ Dann gab es eine dickes Lob: Es sei schön, dass die zwölf Orte entlang der westfälisch-waldeckischen Grenze es verstanden hätten, dass es lohne, Grenzen abzubauen. „So können wir Zukunft gestalten“, betonte Martina Werner.Und das nahmen die Menschen aus Canstein, Heddinghausen, Gembeck und Kohlgrund, Vasbeck, Wirmighausen, Giershagen und Leitmar, Massenhausen, Adorf, Udorf und Borntosten wörtlich. Ob beim Tanz bis in den frühen Morgen, beim Spiel ohne Grenzen oder dem Ökumenischen Gottesdienst am Sonntag: Das Grenzlandfest freute sich über viele Besucher aus allen Dörfern. Ortsbürgermeister und -vorsteher, Vertreter aus den Rathäusern in Diemelsee, Marsberg, Bad Arolsen und Twistetal überbrachten ihre Grüße. Besonderes Glanzlicht: Dirk Luttrup, Sven Behle und Christian Becker verwandelten den Text des Karnevalklassikers „Kölscher Jung“ kurzerhand ins Vasbecker Platt und sangen gut gelaunt vor voll besetzen Reihen: „Ik sei nur en Vasmiske Jung“. Ebenfalls mit einfallsreicher musikalischer Note präsentierte sich der große Grenzlandchor unter der Leitung von Martin Gerhard. Die Sängerinnen und Sänger diesseits und jenseits der Grenze stimmten das extra fürs Fest umgedichtete Lied „Grenzenlos durch die Nacht“ an.

Großer Zapfenstreich
auf dem Sportplatz

„Nacht“ galt dann als willkommenes Stichwort: Unter dem klaren Sternenhimmel luden die Vasbecker zum Großen Zapfenstreich ein. 48 Jahre nach der Erstauflage griffen Musiker, Schützen, Knappen und Feuerwehrleute wieder zu den Fackeln und feierten mit vielen Zuschauern die Zeremonie auf dem Sportplatz. Der Adorfer Spielmanns- und Musikzug sorgte für die traditionellen Melodien und viele Formationen marschierten mit – dazu gehörten auch die Schützen aus Udorf und Adorf, aus Wirmighausen und Kohlgrund, die Knappen aus Giershagen und die Wehren aus Marsberg und Bad Arolsen.Und obwohl die Vasbecker und ihre Gäste bis in die Morgenstunden feierten, standen sie zum Startschuss am Samstagwieder bereit: Zwölf Mannschaften traten zum „Spiel ohne Grenzen“ an. Zu ihnen gehörte übrigens auch ein Team aus Diemelsees Partnergemeinde Geschwenda. Besonders erfreulich: Auch Spieler aus Bellersheim reisten an und sorgten abends im Festzelt für Spitzenstimmung. Der Hungener Ortsteil hatte die Vasbecker beim Wettbewerb „Dolles Dorf“ auf Platz drei verwiesen, aber Freundschaft geschlossen. Originelle Aufgaben warteten mehr als vier Stunden auf dem Sportplatz auf die Mitspieler. Ob Frisbees oder der heiße Draht, Ritterspiele, Dosen-Hockey oder Schubkarrenrennen: Der TSV Vasbeck hatte bei der Vorbereitung viel Kreativität bewiesen. Das Rennen machten am Ende die Wirmighäuser vor Massenhausen und Adorf. Die Pokale verlieh Christian Becker vom Sportverein am Abend im Festzelt.

25 Jahre Partnerschaft
mit Geschwenda

Da waren die Mitspieler bereits wieder herausgeputzt: Gewidmet war der Abend vor allem der Partnerschaft der Gemeinden Diemelsee und Geschwenda. Eckhard Köster in Vertretung von Bürgermeister Volker Becker und Geschwendas Bürgermeister Ralf Groteloh erinnerten an die Anfangsstunden der Partnerschaft, an Mütter und Väter der lebendigen Freundschaft, an Projekte und Zukunftspläne. Urkunden gab es für Aktive der ersten Stunde.Als die Volkmarser Kugelsburgmusikanten schließlich zum Tanz aufspielten, füllte sich der Holzboden schnell: Wer Preuße und wer Waldecker war, spielte da längst keine Rolle mehr.

Von Theresa Demski

Mehr zum Festsonntag lesen Sie in der WLZ von Dienstag.

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