Wachstation nicht mehr durch DLRG besetzt – Lösungen sollen her

Wasserrettung am Diemelsee dauerhaft sicher stellen

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Thema Wasserrettung: Bei der Fahrt mit dem Mehrzweckboot „Fred“ der Feuerwehr über den Diemelsee – von links: Gemeindebrandinspektor Karl-Wilhelm Römer, Bürgermeister Volker Becker und der CDU-Landtagsabgeordnete Armin Schwarz.

Heringhausen. Über die Wasserrettung am Diemelsee informierte sich der CDU-Landtagsabgeordnete Armin Schwarz am Donnerstag Abend bei seiner „Sommertour“. Sie liegt derzeit allein bei der Feuerwehr - die DLRG plagt Nachwuchssorgen.

Die Diemelseer Feuerwehr führte Schwarz ihr neues, im September 2017 in Dienst gestelltes Mehrzweckboot „Fred“ vor, das mit einer Landesförderung angeschafft wurde. Dann diskutierte er mit den Brandschützern, dem Gemeindevorstand und Gemeindevertretern über die nicht einfache Lage. 

Wie berichtet, besetzt die Korbacher Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, kurz DLRG, wegen Personalengpässen in dieser Saison erstmals nicht mehr die Wachstation am Diemelsee. Voriges Jahr hatte sie die Dienste wenigstens an den Wochenenden sichergestellt. 

Sie leistete nach ihren Angaben 2439 Wachstunden und hatte 37 Einsätze, darunter vier Kenterungen von Booten, sechs Hilfeleistungen und 21 Fälle von Erster Hilfe. 

Gemeinde derzeit verantwortlich

Die Wasserrettung obliegt derzeit der Gemeinde – und damit letztlich den Ehrenamtlichen der Feuerwehr. Zehn Kameraden hätten schon den Bootsführerschein, berichtete der Gemeindebrandinspektor Karl-Wilhelm Römer. Einen Einsatz im Ernstfall habe „Fred“ zum Glück noch nicht gehabt, fügte Bürgermeister Volker Becker hinzu. Er hob nochmals die Bedeutung der „DLRG-Versorgung“ hervor. 

Für den Kreis als Tourismusgebiet Nummer 1 in Hessen sei die Wasserrettung an den drei Seen wichtig, betonte auch Schwarz. Er verwies auf die bereits laufenden Gespräche mit DLRG, Gemeindevorstand, Feuerwehr und Johannitern, die der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese koordiniere. „Wir sind kooperativ und bereit, eine Lösung zu finden“, erklärte Becker. Das versicherte auch Römer. Beide setzen auf einvernehmliche Ergebnisse am „Runden Tisch“. 

DLRG-Landesverband einschalten

Schwarz kündigte an, sich mit dem DLRG-Landesverband in Verbindung zu setzen. Vielleicht könnten ja Gruppen aus Mittelhessen an den See kommen und Wachdienste übernehmen. Diese Praxis funktioniere an der Ostsee sehr gut. „Das wäre ein Ansatz für den Runden Tisch“. 

Römer sprach auch die zweite DLRG-Station im Norden des Sees an, die von der Marsberger Ortsgruppe betreut wird. Er regte an, eine gemeinsame Station aufzubauen und zu besetzen. Auch die Feuerwehr könne sich dabei einbringen. Er erläuterte die Organisationsstrukturen. Problem dabei sei allerdings die Landesgrenze. Darüber könnten zunächst die beiden DLRG-Landesverbände diskutieren, antwortete Schwarz, er bringe sie zusammen. 

Nachwuchssorgen bei Ehrenamtlichen

Schwarz zeigte Verständnis für die Nachwuchssorgen der DLRG. Zum einen schlage sich der Bevölkerungswandel nieder: Sein Jahrgang 1968 verzeichne noch rund 1,2 Millionen Geburten, der seiner Tochter, 1999, nur noch 770 000, ab 2005 sei die Rate sogar unter die 700 000er Marke gefallen. Insofern stünden den Hilfsorganisationen immer weniger potentielle Mitglieder zur Verfügung – nur noch halb so viele wie zu seinen Jugendzeiten. Das treffe zunehmend auch den Arbeitsmarkt, Stichwort Facharbeitermangel. 

Und ehrenamtlich arbeitende Rettungsorganisationen hätten Konkurrenz, Jugendliche fänden heutzutage viele Freizeitangebote vor. Erfreulicherweise steige im Kreis wenigstens die Mitgliederzahl der Jugendfeuerwehren. 

Der Adorfer Wehrführer Michael Steinhardt steuerte das Boot "Fred" zu den beiden DLRG-Stationen über den See - auch der Mit-Namenspate Ehrengemeindebrandinspektor Alfred Eitzert war zeitweise mit an Bord. Nach der Rundfahrt schaute sich die Gruppe noch die Wachstation am Ufer an, die der Gemeinde gehört. Sie sei nicht die modernste, räumte Becker ein. Investitionen wären notwendig. 

Schwarz versprach zum Schluss, „den Gesprächsfaden aufzunehmen im Interesse der Menschen, des Diemelsees und des Tourismus“. Karl-Wilhelm Römer nahm ihn beim Wort: „Wir bleiben in Verbindung.“

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