Sanierung oder Neubau?

Zoff um Reikweg in Adorf

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Der Fußweg Reik in Adorf ist derzeit gesperrt. Die Gemeindevertreter stimmten mehrheitlich für einen Neubau statt einer Sanierung.

Diemelsee-Adorf – Den alten steilen, aber kürzeren Weg sanieren oder einen neuen bauen, der barrierefrei aber etwas länger ist? Die Debatte um den Fußweg zwischen Reik, Bredelarer Straße und Mittelpunktschule in Adorf hat hohe Wellen in der Gemeindevertretung am Freitag geschlagen.

Der Ortsbeirat hatte sich zuvor für die Sanierung des bestehenden Weges ausgesprochen. Dafür sammelten auch Anlieger innerhalb von drei Tagen bis Freitag rund 260 Unterschriften. Der Gemeindevorstand empfahl allerdings, den Verbindungsweg „in ausreichender Breite mit einem für Rollatoren, Rollstuhl und Kinderwagen geeigneten Belag“ barrierefrei auszubauen. 

Dafür stimmten mit ihrer Mehrheit in der Gemeindevertretung auch SPD und Freie Wähler. Ein von Stephanie Wetekam (FDP) gestellter Änderungsantrag für die vom Ortsbeirat und den Anwohnern präferierte Erneuerung des „Reikweges“ wurde hingegen von SPD und FWG abgelehnt.

Der Weg verbindet die beiden Dorfteile diesseits und jenseits der Bredelarer Straße, unter anderem Schüler und Kindergartenkinder nutzen ihn. Derzeit ist die Strecke teilweise gesperrt: Fußgängerbrücke, Pflasterung und Holzgeländer sind in einem schlechten Zustand. Der barrierefreie Neubau soll 120 000 Euro kosten und mit Mitteln der Dorfentwicklung finanziert werden. Die Steuerungsgruppe, die die Dorfentwicklung begleitet, hat indes noch keinen Beschluss über das Projekt gefasst.

Dabei waren bereits im Haushalt 2016 Mittel für die Sanierung des Weges eingestellt. Passiert war jedoch nichts. Nachdem zwischenzeitlich ein Altenheim in der Gartenstraße im Gespräch war, hatte auch der Ortsbeirat von den Sanierungsplänen Abstand genommen. 

Für das Heim gibt es nun einen neuen Standort – der Ortsbeirat sieht in der Sanierung wieder die bessere Lösung: Der Weg schaffe eine parkähnliche Ruhezone entlang der Rhene, sagte Ortsvorsteher Bernd Becker gegenüber der WLZ. Tatsache sei, dass der Steilbereich nicht barrierefrei gebaut werden könne, räumte er ein. Durch die Sanierung sei er aber für Menschen mit leichter bis mittlere Gehbehinderung nutzbar. Mit der nun beschlossenen Variante drohe der Steilbereich zu „verelenden“.

„Wir sind enttäuscht“, kommentierte Anwohner Robert Erlemann die Entscheidung. Der bestehende Weg sei die kürzeste Verbindung. Seine Befürchtung: Der neue, längere Weg werde weniger genutzt.

Das sagen CDU und FDP

Dr. Beate Schultze (CDU) erklärt: „ Es ist nicht unsere Aufgabe als Gemeindevertreter die dorfeigenen Projekte völlig umzugestalten.“ Absolut unverständlich sei es, „wenn die Meinung der direkt Betroffenen wissentlich ignoriert und eine Entscheidung in dieser Art und Weise gegen sie getroffen wird“, sagt Lukas Stede (FDP). Jörg Weidemann (CDU) pflichtet bei: „Auch wenn ich persönlich vielleicht die lange Wegführung präferiert hätte, so stelle ich meine persönliche Meinung hinten an, wenn die Betroffenen und der Ortsbeirat hier sehr entschlossen eine andere Position einnehmen.“

Das sagen SPD und FWG

„Wir haben uns nicht gegen den Ortsbeirat und den Wunsch der Adorfer Bürger für den neuen Weg entschieden, sondern weil wir der Überzeugung sind, dass dies die langfristig bessere Lösung darstellt“, sagt Horst Wilke (FWG). Der neue Weg sei barrierefrei, könne durch den Winterdienst geräumt werden und sei und 20 000 Euro günstiger als die Sanierung. Martin Tepel (SPD) erklärt: „Wichtig ist, dass wir einen barrierefreien Weg schaffen, den sowohl Senioren als auch Kinder das ganze Jahr über nutzen können kann und der nicht im Winter wegfällt. Die Chance dazu besteht jetzt.“

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