Hauptgläubiger beantragt vorm Korbacher Amtsgericht Einstellung des Verfahrens

Zwangsversteigerung des Rhenegger „Sonnenhofs“ erneut geplatzt

Die seit 1999 leerstehenden Klinikgebäude des Rhenegger „Sonnenhofs“ sind völlig ausgeplündert und verwüstet. Foto: um 2013
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Die seit 1999 leerstehenden Gebäude des Rhenegger „Sonnenhofs“ sind nur noch eine vermüllte und ausgeplünderte Ruine.

Mit der Einstellung des Verfahrens endete am Freitag vorm Korbacher Amtsgericht die Zwangsversteigerung des Rhenegger „Sonnenhofs“. Obwohl drei Bieter das einstige Klinikgebäude erwerben wollten, gab es keinen Zuschlag: Dem Hauptgläubiger, dem Berliner Bankhauses Lübbecke, waren die Gebote zu gering. 

Diemelsee-Rhenegge – Die Bank dürfte ein neues Verfahren beantragen, um wenigstens einen Teil seines Geldes wiederzusehen. Der Rhenegger „Sonnenhof“ war einst eine mondäne und florierende Kurklinik für Krebspatienten. Seit 1999 stehen die Gebäude leer. Eigentümer sind zu gleichen Teilen das Land und die Witwe des ehemaligen Klinikbetreibers.

Verfahren läuft seit fünf Jahren

Schon seit 2015 zieht sich die Zwangsversteigerung. Zwei Parteien hatten das Verfahren beantragt: Die Gemeinde hat offene Forderungen, weil die Eigentümer Grundsteuern und Abgaben wie Wasser- und Abfallgebühren über Jahre schuldig geblieben sind. Ein Teil ist bereits verjährt, rund 47 000 Euro sind noch offen. Und das Bankhauses Lübbecke hat einen Millionenbetrag als Grundschuld im Grundbuch des Amtsgerichts eintragen lassen.

Ein Großteil des Geländes ist bereits versteigert: Die ehemalige Arztvilla und zwei etwa 2700 Quadratmeter große Grundstücke gingen an eine Interessentin aus Diemelsee. Nur die ehemaligen Klinikgebäude auf einem 8100 Quadratmeter großen Grundstück sind noch übrig.

Nur noch eine Ruine

Und die sind in einem üblen Zustand: Diebe haben alles Brauchbare herausgerissen, Randalierer wüteten über Jahre, der Müll liegt knöcheltief. Dennoch weist ein Gutachten einen Verkehrswert von rund 1,42 Millionen Euro aus.

Das Gelände zähle im Internet zu den „Lost Places“, es gebe dort sogar Filme, berichtete Rechtspfleger Friedrich Vogel gestern. „Es muss viel getan werden.“

Vogel verwies darauf, dass das Bankhaus die Gemeinde gegen eine Geldzahlung von knapp 3900 Euro ausgelöst habe: Vorm Amtsgericht trat deshalb gestern allein die Bank als Betreiberin des Verfahrens auf. Aus den rund 43 300 Euro für die Gemeinde und den Gerichtskosten errechnete Vogel ein Mindestgebot von 53 800 Euro.

Drei Bieter melden sich

In der „Bieterstunde“ gingen nach knap 30 Minuten Wartezeit schlagartig drei Gebote über das Mindestgebot, über 54 000 und über 55 000 Euro bei ihm ein. Der Korbacher Anwalt Ralf Hochstaedt als Vertreter des Bankhauses beantragte eine Sicherungsleistung – damit musste ein Bieter aussteigen, der schon bei der am 20. März angesetzten Zwangsversteigerung mitbieten wollte – der Termin war wegen der Corona-Krise entfallen.

Bank beantragt Einstellung

Ein anderer Interessent erhöhte sein Gebot. „60 000 Euro reichen nicht“, entgegnete Hochstaedt: „Ab einer halben Million können wir reden.“ Da die nicht kamen, beantrage er die Einstellung des Verfahrens. Dem musste Rechtspfleger Vogel folgen. Da es die dritte Einstellung ist, endet das gesamte Verfahren.

Das Bankhaus kann ein neues beantragen. Die von Uwe Wagner vom Fachdienst Recht der Kreisverwaltung und Kämmerer André Horn vertretene Gemeinde überlegt, dem neuen Verfahren beizutreten. An den Forderungen hält Diemelsee fest. (-sg-)

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