Kein Bieter fürs ehemalige Klinikgebäude

Zwangsversteigerung des Rhenegger „Sonnenhofs“ ist am Freitag erneut gescheitert

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Nur noch eine Ruine: Die einstige Kurklinik „Sonnenhof“ auf dem Rhenegger „Hübbel“ ist ausgeplündert. Bei der Zwangsversteigerung fand sich am Freitag kein Bieter.

Diemelsee-Rhenegge – Die schier unendlichen Geschichte um die Zukunft des einstigen Sanatoriums „Sonnenhof“ in Rhenegge geht weiter: Beim Termin für die Zwangsversteigerung des Klinikgebäudes fand sich am Freitag im Korbacher Amtsgericht erneut kein Bieter. Das Verfahren läuft weiter.

Rechtspfleger Friedrich Vogel war am Morgen eigentlich optimistisch ins Bieterverfahren eingestiegen: Im Vorfeld hatten sich bereits Interessenten gemeldet, sie führten auch Gespräche mit Bürgermeister Volker Becker und mit dem Rechtsvertreter der Gemeinde, Uwe Wagner vom Fachdienst Recht der Kreisverwaltung. Doch zum Termin gestern erschienen keiner von ihnen. 

Wechselhafte Geschichte

Damit ist weiter offen, was aus dem Hauptgebäude und dem dazugehörigen rund 8100 Quadratmeter großen Grundstück wird. Der älteste Klinikflügel wurde 1959/60 als dreigeschossiges Hotel gebaut. 1964 kaufte es der Arzt Dr. Hans-Dieter van Damsen, er betrieb in den Räumen rund 20 Jahre eine florierende und mondän ausgestattete Klink zur Krebsnachsorge. Er erweiterte die Gebäude um ein viergeschossiges Bettenhaus und sanierte die Bauten noch einmal 1980 bis 1986. 

Kurz darauf kam die Schließung. Im Dezember 1989 wurde in den Gebäuden ein Wohnheim für DDR-Übersiedler und Aussiedler aus der Sowjetunion mit bis zu 400 Plätzen eingerichtet, Ende November 1999 wurde es wieder geschlossen. 

Seitdem habe es immer wieder Kaufinteressenten gegeben, berichtet Bürgermeister Volker Becker. Es sei aber nie zu einer Einigung gekommen. So stand das Anwesen rund 20 Jahre leer. 

Schulden, Steuern und Abgaben nicht bezahlt

Die Eigentümer blieben der Gemeinde Steuern und Abgaben schuldig – sie hat derzeit noch Außenstände von rund 290 000 Euro. Außerdem hat das Berliner Bankhaus Lübbecke Schuldforderungen in Millionenhöhe im Grundbuch eintragen lassen. Die beiden Parteien betreiben bereits deshalb seit 2015 das Verfahren zur Zwangsversteigerung gegen die Eigentümer - das sind inzwischen die Witwe des Arztes und das Land Hessen. Auch die Volksbank Kassel-Göttingen hat noch offene Forderungen.

Die Gemeinde bot vor wenigen Jahren an, das Gelände zu kaufen und den Abriss der Ruine zu übernehmen. Doch das Land habe nicht mitgezogen, sagt Becker: Es habe das Anwesen noch für verwertbar gehalten. Becker versteht die Entscheidung nicht: Allein die Sicherungsvorkehrungen der vergangenen Jahre habe das Land wohl mehr Geld gekostet, als es bei einem Verkauf erlösen könne. Darauf verwies er auch am Freitag noch einmal.

Scheibchenweise versteigert

Das einst große Gelände kommt mittlerweile scheibchenweise unter den Hammer: Wie berichtet, hatte eine Interessentin aus Diemelsee beim Termin am 24. November 2017 die ehemalige Chefarzt-Villa und ein Waldstück für 57 000 Euro ersteigert. 

Beim Termin am 30. November 2018 bekam sie zudem den Zuschlag für zwei 2609 und 112 Quadratmeter große Grundstücke, sie zahlte 11 900 Euro. Für die Klinikgebäude samt Grundstück meldete an dem Tag jedoch kein Bieter. 

Da sich wie schon am 2. Juni und am 24. November 2017 kein Interessent gefunden hatte, drohte die Einstellung des Verfahrens. Um das zu verhindern, bot Bürgermeister Becker namens der Gemeinde 50 000 Euro – weit weniger als laut Gesetz mindestens erforderlich, Vogel musste ablehnen. 

Doch das Gebot bewirkte, dass beim Termin am Freitag keine Wertgrenze mehr galt. Lediglich die Verfahrenskosten von derzeit rund 9700 hätten abgedeckt sein müssen.

"Desolater" Zustand

 Ein „Schnäppchen“ ist der mit 1,42 Millionen Euro bewertete Komplex jedoch nicht: Schon 2016 beschrieb die Gutachterin Annett Bendfeldt den Zustand des „Sonnenhofes“ als „desolat“. Die Gebäude wurden regelrecht ausgeplündert, alle Leitungen und Kabel wurden herausgerissen, sogar Teile der Fassade gestohlen. Randalierer zerstörten zudem die komplette Einrichtung, Möbel, Waschbecken, Fenster und Türen. Sie hinterließen Berge von Müll. Schwarzschimmel drang durch die Feuchtigkeit in die Gebäude ein. 

Eine „Komplettentkernung“ für etwa 380 000 Euro sei erforderlich, schätzt Bendfeldt, der Abriss würde wohl weitere 324 000 Euro kosten.

 Neuer Termin

„War wohl nichts“, sagte Vogel, als die Bieterstunde am Freitag abgelaufen war, er stellte das Verfahren „einstweilen ein“. Uwe Wagner stellte gleich den Antrag, es „wieder in Gang zu setzen“. Und Vogel versprach nicht zum ersten Mal: „Ich mache einen neuen Termin.“

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