Drachenfest in Rhoden: Einblick in eine fantastische Welt

Mit Leibwache unterwegs: Der Priester ist in rot gekleidet, seine Beschützer ganz in schwarz.

Diemelstadt-Rhoden. Spontane Schlachten zwischen den unterschiedlichsten Gruppen werden immer wieder ausgetragen, während andere ihrem Handwerk nachgehen, sich die Zeit im Casino vertreiben, am Limbus Schlange stehen, um sich wieder zum Leben erwecken zu lassen oder einen Humpen Met in einer Taverne trinken. In der Stadt Aldradach auf dem Quast herrscht den ganzen Tag über reges Treiben. Dabei verkörpert jeder der rund 5000 Teilnehmer einen anderen Charakter und tobt sich damit im Spiel aus.

Das Ambiente ist mittelalterlich, neben zahlreichen weißen und hellbraunen Zelten stehen immer wieder Holzhütten und Fachwerkhäuser, oft ergänzt durch einen Grillplatz, mancher hat sogar Blumen- und Gemüsebeete angelegt. Die Mitspieler, die sich für eine gute Woche auf dem Quast eingerichtet haben, gehen dort als Avatare ihren Aufgaben nach.

Gefängnis, Badehaus, Casino

„Alles, was es in einer Stadt gibt, gibt es auch hier“, sagt Carissa Donker, die beim Veranstalter Wyvern in Köln arbeitet. Die Boten der Post bringen Briefe herum, ein Schreiberling arbeitet an der nächsten Ausgabe der „Stimme des Herolds“, Wärter bewachen Gefangene im Gefängnis, Händler bieten ihre Waren an und im Badehaus werden die Zuber für die nächsten zahlenden Kunden vorbereitet. Das Besondere beim Drachenfest: Die Rollenspieler sind unter sich, Zuschauer sind nicht erwünscht.

Die Spiele sind in diesem Jahr vor allem durch das schlechte Wetter erschwert worden. Knöcheltief steht der Matsch stellenweise auf dem Gelände. Gerade bei den Schlachten, wenn es durchaus schnell zur Sache geht, hält es viele nicht auf den Beinen. Mit mehreren Containern voller Rindenmulch, viel Stroh und Holzschnitzeln hat Wyvern versucht, der Situation Herr zu werden. Ein Baggerfahrer schiebt stellenweise die Wege frei.

Waffen aus Schaumstoff

Doch der nasse Untergrund war nicht das einzige Problem der Spieler. In einer Scheune nahe des Quasts wurden Kulissen eingelagert, unter anderem der sogenannte Ritualkreis. Dort wurde eingebrochen, berichtet Donker. Einige Teile wurden gestohlen, manches andere zerstört. So auch ein großer Drache, der schnell vor dem Beginn des Fests erneuert werden musste. Künftig, so sagt Donker, werden die Kulissen an einem anderen Ort untergebracht.

Eine Woche dauere der Aufbau von Kulissen und Zelten, bevor es losgehen kann, berichtet Donker. In dieser Zeit kommen auch bereits die ersten Händler, 45 sind es insgesamt und mehr bekomme man auch nicht unter. Sie verkaufen Waffen wie Schwerter oder Äxte (aus Schaumstoff mit Latexüberzug), bringen mittelalterliche Gewandungen oder Alkohol an den Mann.

Die Spielleiter von Wyvern bringen immer mal wieder neue Anregungen ins Spiel ein, die die Teilnehmer aufgreifen können, wenn sie möchten. Ansonsten wird frei gespielt und agiert. Feste Abläufe gibt es beispielsweise im Limbus. Wer in der Schlacht getötet wurde, muss durch das Limbuszelt, in dem ein Irrgarten durchquert und ein Seelenfresser passiert werden muss.

Der Höhepunkt des jährlichen Drachenfestes ist die große Schlacht am Wochenende. Alle Lager, von weiß über blau bis grün und schwarz, treten gegeneinander an in dieser Auseinandersetzung und zwar auf einer riesigen Freifläche am Rande der Stadt. Wer die Schlacht gewinnt, lässt sich im kommenden Jahr unter anderem an den Stadttoren Aldradachs ablesen: Die Fahne der Sieger wird dann dominieren. In diesem Jahr war das die Farbe schwarz. (ren)

Hier findet ihr die

Einblick in fantastische Welt: 5000 Teilnehmer beim Drachenfest

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