425.000 Euro aus dem Klimaschutzplan des Landes Hessen

Äschen bei Wrexen: Gefährdete Fischart soll in der Diemel bessere Lebensverhältnisse bekommen

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Das Land Hessen investiert in die Renaturierung der Diemel im Bereich Wrexen, um den Lebensraum der Äschen zu sichern, mit 425.000 Euro. Den Förderberscheid übergibt Dr. Christian Henschke vom RP Kassel an den Diemelstädter Bürgermeister Elmar Schröder in dessen Eigenschaft als stellvertretender Vorsitzender des Diemelwasserverbands Warburg. 

Das Land Hessen investiert 425.000 Euro in die Lebensraumverbesserung für Äschen in der Diemel bei Wrexen.

Diemelstadt-Wrexen. Den entsprechenden Förderberscheid übergab Dr. Christian Henschke vom RP Kassel an den Diemelstädter Bürgermeister Elmar Schröder in dessen Eigenschaft als stellvertretender Vorsitzender des Diemelwasserverbands Warburg.

Die Äsche gilt als klimasensible in Deutschland als stark gefährdet und steht auf der roten Liste. „Aber anders als Vögel haben Fische bei Naturschützern und in der breiten Öffentlichkeit keine starken Fürsprecher“, wie der Fischexperte Christoph Dümpelmann vom Marburger Büro für Fischbiologie und Gewässerökologie im Dorfgemeinschaftshaus Rhoden erläuterte.

Fische  sehr empfindlich bei Veränderungen ihres Lebensraums

Vergleichbar seien Äschen in ihrer Gefährdung mit Rebhuhn, Schwarzstorch, Kornweihe, Raubwürger oder Steinadler. Aber leider hätten außer Anglern und Gewässerökologen nur wenige Menschen diese schnellwachsende, aber kurzlebige Fischart auf dem Radar. Die Fische seien nur wenig anpassungsfähig was Wassertemperatur, Strömungsgeschwindigkeit und Gewässerstruktur betreffe. Das bedeutet, dass sie unter der seit Jahrzehnten zu beobachtenden Erhöhung der Durchschnittstemperaturen sehr stark leide.

Diemelradweg mit Wanderkarte und erläuternden Schildern. Hier an der Fußgängerbrücke beginnt der Flussabschnitt, der in den kommenden Monaten renaturiert werden soll.

Ebenso schädlich für die Äschenpopulationen seien die Auswirkungen von Eingriffen in den natürlichen lauf der Flüsse. Die Längsverbauung erhöhe die Fließgeschwindigkeit des Wassers, erhöhe die Tiefenerosion und vernichte Habitate für die Laichablage, das Wachstum der Larven und der Jungfische. Die Querverbauung der Flüsse und Bäche zerstückele die Populationen und verkleinere den Lebensraum.

Kormorane bedrohen Fischbestände

Schließlich sprach der Fischexperte auch eine weitere große Bedrohung für den Fortbestand der Äschen an, die jedoch von Vogelschützern gar nicht gern gehört werde: Eingewanderte Kormorane würden ausgerechnet zur Laichzeit der Äschen den Nachwuchs in einem frühen Stadium dezimieren. Deshalb führe wohl kein Weg daran vorbei, Kormorane aus Äschengewässern zu vertreiben.

Ebenso wichtig sei aber eine gezielte Renaturierung der betroffenen Bachläufe. Äschen brauchten je nach Entwicklungsstadium geschützte Flachwasserzonen ebenso wie Bereiche mit größerer Strömung.

Im Bereich der Rad- und Fußgängerbrücke bei Wrexen (Flusskilometer 58) sei dies sehr gut machbar, erläuterte Dr. Christian Henschke und verwies auf die jahrelangen Vorbereitungen des Diemelwasserverbands Warburg auf beiden Seiten der Landesgrenze.

Keine Kosten für die Diemelstadt

Zuletzt habe das Regierungspräsidium Detmold im Rahmen eines Flurbereinigungsverfahrens, ursprünglich westfälische Flächen der Stadt Diemelstadt zugesprochen. Das ermögliche es nun dem Land Hessen, 425.000 Euro aus dem mit 140 Millionen Euro gefüllten Klimaschutzplan bereitzustellen.

Der Stadt Diemelstadt entstehen dadurch - abgesehen von der Bereitstellung der Flächen - keine Kosten.

Großer Nutzen für Mensch und Natur

Diemelstadts Bürgermeister Elmar Schröder zeigte sich sehr erfreut über den Erfolg für den Naturschutz im waldeckisch-westfälischen Grenzgebiet. Ebenso wie die kürzlich beschlossene Renaturierung des Hörler Baches und ein Projekt zum Schutz von Rebhühnern und das Ackerrandstreifen-Programm werde mit der Habitatverbesserung für Äschen in der Diemel ein wertvoller Lebensraum erhalten und eine gefährdete Fischart geschützt. Das nütze nicht zuletzt den Menschen in der Region.

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