Berliner Architektenfamilie saniert ein Baudenkmal

Altes Fachwerk-Rathaus in Wethen bekommt eine neue Zukunft

Zwei Männer zeigen alte Balken und Dachziegel vor einem alten Fachwerkgebäude.
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Der Berliner Architekt mit westfälischen Wurzeln, Jörg Hilleringmann , lässt das alte Rathaus in Wethen fachmännisch sanieren. Dabei spielt der Zimmermeister Christoph Zimmermann aus Volkmarsen eine zentrale Rolle.

Das alte Rathaus in Wethen bildet zusammen mit der Kirche und der alten Schule ein harmonisches Ensemble, das auch nach Jahrhunderten noch heimelig wirkt. Doch es bedarf schon einiger Fantasie und handwerklicher Kunst, wenn man aus alten Fachwerkgebäuden wieder ein modernes Zuhause zaubern möchte.

Diemelstadt-Wethen – Der Berliner Architekt Jörg Hilleringmann ist im Sommer mit seiner Frau Anja und ihrem Sohn Lou Jorgen auf das alte Rathaus in Wethen aufmerksam geworden und hat das aus dem Jahr 1774 stammende Gebäude mit dem markanten Durchgang in sein Herz geschlossen: „Wir suchten ein Ferienhaus und dann sind wir im Internet auf diese Immobilienanzeige gestoßen. Das hat uns gleich gefallen, zumal ich die Gegend aus meiner Kindheit kenne, denn meine Großmutter bewirtschaftete einen Bauernhof in Altenheerse.“

Nach dem Krieg wurden in dem alten Rathaus von Wethen Schulklassen unterrichtet. Bis 1965 gab es hier einen Gemeindesaal, der Dorfbürgermeister führte hier seine Amtsgeschäfte.

Kirche als Nachbarin

Neben dem Torbogen befindet sich ein großer Raum, in dem das erste Löschfahrzeug der der Feuerwehr untergestellt wurde.

Im markanten Tordurchgang des alten Rathauses in Wethen befidnet sich diese Treppe, über die die Wohnräume zu erreichen sind.

Eine steile Treppe führt vom Torbogen ins Obergeschoss, wo es auf bescheidenen 85 Quadratmetern auf zwei Geschossen genug Platz für ein kleines Feriendomizil gibt. Praktisch: Die Wiese vor dem Haus gehört der Stadt, die auch ein öffentliches Wegerecht für den Durchgang besitzt und der Platz vor der großen alten Linde gehört der Kirche. Rasenmähen oder Laub kehren müssen die neuen Eigentümer aus Berlin also nicht.

Gute Bausubstanz machte Sanierung leichter

Dafür aber haben sie viel Herzblut in die Restaurierung des Gebäudes gesteckt. Der Volkmarser Zimmermeister und Restaurator Christoph Zimmermann wurde mit dem Ausbessern der alten Balken und des Daches beauftragt.

Das Dach des alten Rathauses in Wethen wurde abgedeckt, wo immer nötig ausgebessert und dann wieder mit den ursprünglichen, gut 200 Jahre alten Ziegeln neu eingedeckt. „Die Substanz ist gut“, stellen der Architekt und der Zimmermann zufrieden fest.

Lehmbau-Expertin hat vor knapp 40 Jahren gute Arbeit geleistet

„Das Dach hat eine Lehmisolierung, die gut funktioniert“, schwärmt Architekt Hilleringmann. Offenbar habe Tamara Leszner, die Lehmbauexpertin, die einst auch die Wetterburg sanierte, in den 80er Jahren ganze Arbeit geleistet, als sich des alten Rathauses und der angrenzenden Zehntscheune in Wethen annahm.

Giebelansicht des alten Fachwerk-Rathauses in Wethen. Im Hintergrund der Kirchturm der Dorfkirche.

So mussten jetzt, rund 40 Jahre später, nur wenige Balken erneuert werden. An den Gauben wurden neue Verkleidungen aus Lärchenholz angebracht. Die hat der Zimmermeister nach den ursprünglichen Vorlagen geschreinert.

Handwerker aus der Region im Einsatz

Den Außenanstrich hat Anja Hilleringmann ganz alleine erneuert. „Dazu haben wir diffusionsoffene Farben verwendet, damit das Holz und die Lehmwände weiter atmen können“, erläutert der Architekt.

Wenn auch weitgehend alle Arbeiten mit alten Handwerkstechniken ausgeführten wurden, so haben sich die neuen Eigentümer doch eine moderne Küche und ein modernes Bad einbauen lassen. Auch die Elektroinstallationen wurden von Handwerken aus Rhoden ausgeführt. Der Fliesenleger kam aus Landau. Für wohlige Wärme sorgt ein moderner Kaminofen.

Vorfreude auf lauschige Sommerabende

Pünktlich zum Beginn der dunklen Jahreszeit kann nun das Baugerüst entfernt werden. Im Frühjahr und Sommer gibt es hier und da noch ein paar Restarbeiten auszuführen, aber spätestens im Sommer ist das schicke, kleine Ferienhaus mit großer Geschichte fertig. Und Familie Hilleringmann freut sich schon auf lauschige Sommerabende im Dämmerlicht des Durchgangsweges: Hier kann bestimmt gemütlich ein Glas Wein genießen. (Elmar Schulten)

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