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4300 Teilnehmer aus aller Welt beim Drachenfest in Diemelstadt: Anders leben in Fantasy-Stadt

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Von: Armin Haß

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Szene aus dem Drachenfest in einer Jurte, in der Teilnehmer des Liverollenspiels in Trachten der Skythen und aus dem fernöstlichen Raum leben.
Szene aus dem Drachenfest in einer Jurte, in der Teilnehmer des Liverollenspiels in Trachten der Skythen und aus dem fernöstlichen Raum leben. © Armin Haß

4300 Teilnehmer aus 26 Nationen bringen noch bis Sonntag beim Drachenfest die große Action auf den Quast bei Rhoden.

Diemelstadt – Live-Rollenspiel mit Szenen aus einer Fülle von Fantasy-Romanen, dargeboten in aufwendig geschneiderten Kostümen versammelt sie beim Drachenfest. Nach dreijähriger, pandemiebedingter Zwangspause rückten die ersten LARPER (LARP steht für Live Action Roleplay) bereits vor einer Woche an, um auf dem weitläufigen Weidegelände unterhalb der ehemaligen Nato-Flugabwehrstellung in Zelten zu campieren und ein vollgültiges Städtchen mit Leben zu erfüllen.

Alles zwischen Himmel und Erde und von der Wiege bis zur Bahre wird in den Szenen wie aus einer anderen Welt abgebildet.

Die Drachenfest-Gesellschaft veranstaltet das bunte Treiben, bei dem 110 Spielleiter die Fäden halten. Ein großes ehrenamtliches Team steht an der Seite der Veranstalter, die mit dem für den Vertrieb von Kostümen oder Gummiwaffen auf dem Quast präsenten Unternehmen Wyvern zwar personell, aber nicht wirtschaftlich miteinander verbunden sind.

Schlachtszene beim Drachenfest. Die mit harmlosen Gummiwaffen geführten Auseinandersetzungen gehören auch zu dem großen Live-Rollenspiel auf dem Quast in Diemelstadt.
Schlachtszene beim Drachenfest. Die mit harmlosen Gummiwaffen geführten Auseinandersetzungen gehören auch zu dem großen Live-Rollenspiel auf dem Quast in Diemelstadt. © Armin Haß

An Wasser mangelt es den dort lebenden Menschen trotz des juristischen Streits zwischen zwischen der Stadt und einem Anlieger über die Zuständigkeit für die Wasserleitung zum Quast (wir berichteten) übrigens nicht. Überhaupt ist alles generalstabsmäßig organisiert, wie in den vergangenen 20 Jahren, nur eben mit einem noch stärker ausgefeilten Sicherheitskonzept.

Banker präsentieren ihre Geldstücke in Aldradach beim Drachenfest in Diemelstadt. Doch neben den Kupfermünzen zählt auf dem Quast freilich der echte Euro - wie im richtigen Leben.
Banker präsentieren ihre Geldstücke in Aldradach beim Drachenfest in Diemelstadt. Doch neben den Kupfermünzen zählt auf dem Quast freilich der echte Euro - wie im richtigen Leben. © Armin Haß

50 Helfer der Malteser und Notärzte stehen für alle Fälle bereit. Die Hitze bereitet dabei die größten Probleme, dabei ist der Wetter eher „durchwachsen“: ergiebige Gewitterschauer gingen vor dem Auftakt nieder, und mancher in wollenen Wams gewandeter Teilnehmer freut sich zu früher Stunde bei niedrigeren Temperaturen auf der Höhenlandschaft gerade genau das Richtige zu tragen.

Die mit Latex-Masken und dunkler Kleidung gruselig angetanen Orks verkrümeln sich indessen unter gleißendem Sonnenschein in ihren Zelten oder werden erst am Abend aktiv. Dafür stehen allerlei Zelte mit mehr oder weniger exotischen Speisen und Getränken zu Verfügung.

Teilnehmerin am Drachenfest auf dem Quast in Diemelstadt.
Teilnehmerin am Drachenfest auf dem Quast in Diemelstadt. © Armin Haß

Wer außer der Dusche auch ein Bad in Gesellschaft sucht, für den respektive die stehen große Holzzuber bereit. Wegen der internationalen Teilnehmerrunde wird die stimmungsvolle Eröffnungszeremonie nun auch in englischer Sprache aufgeführt.

Die LARPer zieht es aus Europa, Australien und dem Nahen Osten nach Diemelstadt. Israelis sind dort ebenso anzutreffen wie Ukrainer, die ihr Land wegen des Kriegszustandes nur mit Ausnahmegenehmigung verlassen dürfen: Es sind Produzenten von Waren, die beim Drachenfest Absatz finden, aber auch Teilnehmer, wie Mary Scheil vom Organisationsteam des drachenfestes berichtet.

Mit einem Stadtplan von Aldradach und einem Buch geben sie unter den fantasievollen Namen Bartholomäus Federkiel (rechts; bürgerlicher Name: Jens Grabarske) und Lord Edmond Leland Ward (links; Sascha Staubli) Einblick in das riesige Lagerleben mit 4300 Teilnehmern.
Mit einem Stadtplan von Aldradach und einem Buch geben sie unter den fantasievollen Namen Bartholomäus Federkiel (rechts; mit bürgerlichem Namen Jens Grabarske) und Lord Edmund Leland Ward (Sascha Staubli) Einblick in das riesige Lagerleben mit 4300 Teilnehmern. © Armin Haß

„Wir fühlen uns hier wohl und gut aufgenommen von den Menschen, das ist nicht überall so“, sagt Bartholomäus Federkiel, der im wirklichen Leben Jens Grabarske heißt und ín Duisburg als Softwareentwickler tätig ist. Er kommt seit 2007, mit kurzer Unterbrechung, zum Drachenfest.

Wer den Live-Rollenspielern nachsage, sie wollten der Welt entfliehen, dem entgegnet er: „Andere fahren zum Angeln auf einen See oder spielen Fußball.“ Zusammen mit seinem Berufskollegen „Lord Edmond Leland Ward“ (Sascha Staubli), der einen Stadtplan von Aldradach malte, bietet Grabarske in einem selbstverlegten Buch über die Fantasy-Gemeinde auf dem Quast einen Überblick über das reichhaltige Angebot. Das Drachenfestbesuchern lockt viele immer wieder, darunter auch das „Waldecker Corps“.

Mary Scheil, Organisationsteammitglied der Drachenfest-Gesellschaft.
Mary Scheil, Organisationsteammitglied der Drachenfest-Gesellschaft. © Armin Haß

Es sind die Organisation und das Feeling, das man einmal wirklich erlebt haben müsse, sagt etwa ein Security-Mitarbeiter, der zum ersten Mal dabei ist. Der Termin für das nächste Drachenfest ist bereits feierlich verkündet worden : Vom 26. bis 30. Juli 2023 findet es wieder auf dem Quast statt. (Armin Haß)

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