Bau eines Autohofes an der Autobahn verzögert sich

Archäologen graben in Diemelstadt, bevor Gewerbegebiet erschlossen wird

 Diemelstadt-Rhoden – Erst müssen die Archäologen ran, dann erst darf mit der Erschließung des Gewerbegebietes Steinmühle für den geplanten SVG-Autohof begonnen werden.

Das ist die Feststellung der Bezirksarchäologin Dr. Christa Meiborg beim Landesamt für Denkmalpflege in Marburg. Erste Sondagen im Bereich der geplanten Zufahrt von der Bundesstraße 252 ergaben nach ihrer Feststellung Hinweise auf eine mittelalterliche Siedlung. Diese seien zuvor nur durch an der Oberfläche entdeckte Funde, wie Keramik oder Dachziegelteile, zu erkennen gewesen.

Darum meldete sich Behörde nicht

Die Denkmalbehörde habe sich 2013 und 2016 bei der Befragung der Träger öffentlicher Belange bei der Änderung des Flächennutzungsplanes nicht geäußert, weil nördlich der Autobahn 44 keine Funde zu erwarten gewesen seien. Das berichtete Bürgermeister Elmar Schröder nach einem Gespräch mit der Bezirksarchäologin.

Ein Archäologe hat erste Sondagen im Bereich der geplanten Zufahrt zum Gewerbegebiet für den SVG-Autohof an der B 252 vorgenommen und Überreste einer mittelalterlichen Siedlung gefunden. Eine vollständige Grabung ist nun erforderlich. Foto: Dr. Thilo Warneke

Nun ist die Stadt als Trägerin der Planung dazu verpflichtet, die Grabungen vollständig zu Ende zu bringen. Der beauftragte Archäologe hat bereits auf drei längeren Streifen entlang der B 252 das Gebiet sondiert und will im März die Grabungen fortesetzen. Bisher sind hierfür 16 000 Euro in Rechnung festgestellt worden. Aufgrund einer vorläufigen Kostenschätzung hat die Stadtverordnetenversammlung vorsorglich bereits einem Haushaltsansatz von 265 000 Euro im Haushaltsplan 2020 zugestimmt..

Gründliche Untersuchung

Die Grabungen sind aufgrund eines Hinweises des Rhoder Heimatforschers Walter Bracht von der Denkmalbehörde in Marburg angeordnet worden.

Deren Ergebnisse fließen nun in das aktuelle Verfahren zur Genehmigung des Flächennutzungsplanes ein. Auch für den Bebauungsplan, den Detlef Schmidt Büro für Freiraum- und Landschaftsplanung in Grebenstein gegenwärtig vorbereitet und der die Grundlage für eine ´Genehmigung zum Bau des SVG-Autohofes bildet, sind die Resultate von Bedeutung.

Das sind die Vorteile

Die gründliche Untersuchung bietet nach Auffassung von Schmidt Sicherheit. Werde mit den Bauarbeiten begonnen und dann ein archäologisch relevanter Fund gemacht, müssten die Arbeiten sofort unterbrochen und dann gründliche Untersuchungen erfolgen.

Möglich sei es, die Funde zu dokumentieren und dann die Stellen wieder zuzuschütten. Schmidt nimmt an, dass über die von der Bezirksarchäologin nach einem Begang des Gebietes festgelegten Untersuchungsflächen hinaus keine weiteren Sondagen mehr nötig seien.

Wer bezahlt?

„Wenn daneben weitere Funde gemacht werden, muss wahrscheinlich auch dort gegraben werden“, sagte dagegen Bürgermeister Elmar Schröder. Und auch das müsse von der Stadt komplett finanziert werden, Diese Mittel fehlten dann für andere Vorhaben, merkte er kritisch an.

Ein erster Entwurf des geplanten SVG-Autohofes im geplanten Gewerbegebiet Steinmühle sieht nach Auskunft des Landschaftsplaners Detlef Schmidt 156 Lkw-Parkplätze, Fahrzeugwaschanlagen, Eisabstreifer für Lastzüge, eine neue Tankstelle nebst einem Pkw-Parkplatz, ein zweigeschossiges Raststättengebäude mit Tagungsräumen und ein Schnellrestaurant vor. 

Das sagen die Naturschutzbehörden

Der geplante Bebauungsplan soll alle als Gewerbegebiet geplanten Flächen umfassen, also auch die westlich neben dem von der SVG erworbenen Gelände gelegenen Grundstücke. Neben den Denkmalschützern meldet die Naturschutzbehörde Forderungen an: So muss im Gebäudeensemble nach dem Vorhandensein von Eule und Fledermaus geforscht werden, ist rund um die Häuser eine Extensivierung der Grünlastnutzung angedacht und soll der Bachlauf ökologisch aufgewertet werden. 

Vor einem Satzungsbeschluss muss ein Vertrag mit der SVG abgeschlossen werden. Die bleibt nach den Worten von Bürgermeister Elmar Schröder trotz der erwarteten Verzögerungen bei ihrem Vorhaben. 

Darum soll gebaut werden

Schließlich ist der vorhandene Autohof überlastet, werden angrenzende Straßen mit Lastzügen zugeparkt und sind die Inhaber der dort ansässigen Betriebe (Gastronomie und Tanken) an einem Ortswechsel und Neubau interessiert. Die Pachtverträge laufen in den kommenden Jahren aus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare