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Diemelstadt auf dem Weg zum schnellen Internet

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Von: Elmar Schulten

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Bunte Schutzhüllen für Glasfaserstränge liegen am Straßenrand. Im Hintergrund fährt ein Auto
Bunte Schutzhüllen für Glasfaserstränge: Über diese Lichtleiter können Übertragungsgeschwindigkeiten von einem Gigabit pro Sekunde erreicht werden. Bis 2025 sollen alle Haushalte im Land damit versorgt sein. © Julian Stratenschulte/dpa

Das Telekommunikationsunternehmen goetel GmbH aus Göttingen schickt sich an, sämtliche Dörfer und Häuser der Diemelstadt per Glasfaser mit super-schnellem Internet zu versorgen. Die ftth-Anschlüsse (fiber to the home) werden auf Wunsch der Hauseigentümer bis in die Gebäude verlegt.

Diemelstadt - Die Kosten in Höhe von rund 4000 Euro pro Anschluss trägt - in der Hoffnung auf viele spätere Nutzer- allein das Unternehmen, wie der Goetel-Projektleiter Burak Gürbüz am Donnerstag bei einer Informationsveranstaltung für Ortsbeiräte und Stadtverordnete in der Stadthalle versicherte. Das sei nur möglich, weil meinen starken Finanzinvestor aus Großbritannien im Hintergrund habe, so Gürbüz. Das Unternehmen sei bereit, eine Milliarde Euro in den Ausbau deutscher Glasfasernetze zu investieren.

Das sei eine große Chance für Kommunen wie die Diemelstadt, die sich darum bemühten, den Anschluss an die neusten technischen Entwicklungen nicht zu verpassen. Genau das sei nämlich Ende der 80er Jahre in Diemelstadt passiert, als sich die Stadtverordneten gegen die Verlegung eines Breitband-Kupferkabels durch die damalige Bundespost ausgesprochen hätten.

Nur geringe Übertragungsraten

Die Folgen seien heute noch zu spüren: Weite Teile der Diemelstadt seien unterversorgt mit Internetzugängen. Gürbüz verwies auf eine von ihm erstellte Übersicht, nach der in Dehausen 40 Prozent der Haushalte maximal eine Datenübertragungsrate von 16 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) erreichen könnten.

50 Prozent der dortigen Haushalte könnten immerhin mit 50 Mbit/s surfen, nur zehn Prozent mit 100 Mbit/s. Die Situation sei überall in der Diemelstadt ähnlich. In Wrexen könnten immerhin 60 Prozent der Haushalte bis zu 50 Mbit/s erreichen, in Rhoden 30 Prozent bis zu 200 Mbit/s.

Ortsbeiräe als Multiplikatoren willkommen

Mit Glasfaseranschlüssen aber, die in jedes Haus führten, könnten spielend 1000 Mbit/s, also ein Gigabit erreicht werden. Das sei die Technik der Zukunft. Für einen solchen Anschluss berechne die goetel GmbH im Monat 79,99 Euro inklusive Router.

Das Unternehmen sei bereit für den Komplettausbau der Diemelstadt, wenn sich in den kommenden Monaten mindestens 40 Prozent der Hauseigentümer in jedem der neun Stadtteile schriftlich für einen Anschluss aussprächen. Ortsbeiräte und Stadtverordnete würden demnächst noch einmal über alle Ausbaudetails, sodass die auch als Multiplikatoren vor Ort wirken könnten.

Kooperationspartner gefunden

Die demnächst beginnende Akquise sei vergleichbar mit einer demokratischen Abstimmung: „Wenn 40 Prozent sagen, dass sie uns wollen, dann kommen wir und bauen die Anschlüsse“, so Gürbüz.

Dabei arbeite die goetel GmbH mit der EWF-connect zusammen, die bereits viele Leerrohre in den Ortschaften verlegt habe. Die NetCom in Kassel, die mit rund 140 Millionen Euro Steuergeldern in den vergangenen Jahren ein großes Glasfasernetz in Nordhessen aufgebaut habe, sei ein weiterer Kooperationspartner für das Unternehmen goetel.

Politischen Schauantrag kritisiert

Die Informationsveranstaltung in der Stadthalle fand im Anschluss an eine Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses statt. Hier war bereits über einen Antrag der CDU-Fraktion beraten worden, der darauf abzielte, den Glasfaserausbau als vordringliches Ziel der Diemelstädter Kommunalpolitik zu benennen.

Gegen diesen Antrag sprachen sich im Ausschuss die Sprecher von SPD, FWG und Grünen aus. Alle Parteien hätten die Digitalisierung und den Glasfaserausbau als wichtiges Ziel erkannt.

Die Sonne scheint auch ohne Beschlussantrag

Deshalb bedürfe es eines solchen Schaufensterantrages nicht, so FWG-Sprecher Jürgen Pawelczig. Grünen-Sprecherin Christine Garve-Liebig erklärte, genausogut könne man die Klimapolitik zum vordringlichen Thema in der Diemelstadt erklären. In die gleiche Kerbe schlug SPD-Sprecher Rolf Römer: „Die CDU könnte auch beantragen, dass die Sonne scheinen soll.“

Bürgermeister Elmar Schröder ging ausführlich auf die Bemühungen des Diemelstädter Magistrates ein, im Zusammenspiel mit den Landkreis-Kommunen einen schnellen Anschluss an das schnelle Internet zu erreichen. Die Hoffnungen, die man in die NetCom gesetzt habe, seien nur teilweise erfüllt worden.

Rosinenpicken möglichst vermeiden

So gebe es jetzt zwar in vielen Dörfern einen Glasfaser-Anschlusskasten. Von dort aus aber würden die letzten Meter in die Häuser über die alten, langsamen Telefonleitungen weitergeführt.

Deshalb habe der Magistrat auch prüfen lasen, was es kosten würde, sämtliche 2300 Wohnhäuser der Diemelstadt anschließen zu lassen, nämlich rund 16,3 Millionen Euro. Ein Bundesprogramm zur Finanzierung würde immerhin noch einen städtischen Eigenanteil von 1,6 Millionen Euro übrig lassen.

Mehrere Interessenten für Rhoden und Wrexen

Solche Zuschüsse flössen aber nur, wenn ein sogenanntes Marktversagen den Ausbau verhindere. Das sei aber augenscheinlich in Rhoden nicht der Fall, wo sich nun die Telekom anbiete, den Glasfaserausbau voranzutreiben.

Gleichzeitig habe ein weiteres Unternehmen, die Deutsche Glasfaser, angeboten, den Ausbau von Wrexen und Rhoden zu übernehmen. Nach jetzigem Stand sei nur die goetel GmbH bereit, sämtliche Dörfer der Diemelstadt zu versorgen.

Stadt muss neutral bleiben

Die einschlägigen Gesetze verpflichteten die Stadt zur Neutralität im Marktgeschehen. Sämtliche Anbieter hätten das Recht, ihre Leitungen nach Bedarf zu verlegen. So könne es auch zu Doppelausbauten der unterschiedlichen Netze kommen.

Mit Blick auf die von der Firma goetel GmbH geplanten Marktanalyse stellte Schröder fest: „Jetzt werden wir sehen, ob diejenigen, die sonst immer nach schnellem Internet schreien, auch ihre Unterschrift unter einem Vorvertrag leisten.“ (Elmar Schulten)

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