Erfolgreiche Premiere des Films "Jäger und Gejagter"

Aufräumen mit Legenden über den Wilddieb Klostermann

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Auch im Waldecker Land berühmt und berüchtigt: Wildschütz Hermann Klostermann, im Dokumentarfilm "Jäger und Gejagter" verkörpert von Julian Jakobsmeyer.

Diemelstadt/Warburg. Mit Legenden über den Wildschütz  Klostermann räumt Regisseur Peter Schanz in seinem Film "Jäger und Gejagter" auf. Spannend bleibt die Geschichte aber auch in seiner Dokumentation.

Eine spannende filmische Dokumentation über den Wildschütz Hermann Klostermann erlebten über 380 Besucher aus NRW und dem Waldecker Land bei der Film-Premiere im Warburger Cine-Plex-Kino. Die Story über den Klostermann, der im 19. Jahrhundert lebte, lieferte Stoff für zahlreiche Kriminalromane und Abhandlungen in forstlichen Nachschlagegewerken.

Wilderer in Waldeck

 Doch die Legenden um den als Robin Hood der Egge verklärten und als Staatsfeind Preußens bezeichneten Wilddieb verhüllen nach wie vor die Geschichte des aus Brandenburg nach Westfalen ausgewanderten Wilderers, der auch im Waldecker Land sein Unwesen trieb. 

Regisseur Peter Schanz aus Bad Lippspringe versuchte, Fakten und Fiktion erstmals in einem dokumentarischen Film darzustellen. Das ist ihm mithilfe von Forschern und eigenem Aktenstudium gelungen. 

Fakten zählen

Zudem beleben die mit über 40 Darstellern gedrehten Szenen, die eindrucksvollen Naturaufnahmen aus den Wäldern und die nebenbei entstandenen Portraits der Städtchen und Dörfer, der ehemaligen Klöster und Gehöfte der Region den Film. Da ist es verzeihlich, wenn die Waldeckische Domanialverwaltung in Bad Arolsen versehentlich als Amtsgericht abgebildet wird. 

Bei dem Dreh sei ihm das Abbild der Justitia im Giebelrelief des früheren Sitzes der ehemaligen waldeckisch fürstlichen Landesregierung aufgefallen und dann von ihm für den Film als symbolträchtiges Bild für den Film verwendet worden, erklärt er auf Anfrage der Waldeckischen Landeszeitung. 

Schöne Geschichten

Bei allem Bemühen um eine möglichst gründliche und verlässliche Aufarbeitung der Biographie Klostermanns, spielt Schanz auch mit den Legenden und Gerüchten, für die es jedoch keine Belege gibt. Doch wäre es schade gewesen, wenn er nicht den Neudorfer Landwirt und Müller Hermann Böhne zu der Geschichte über die Flucht des Klostermann ins Backhaus und den Kamin des Hauses seiner, Böhnes, Großmutter befragt hätte. 

Auch die Fragen um das Liebesleben des Wilderers werden in dem Film genüsslich gestellt, aber mangels zuverlässiger Schilderungen offen gelassen.

Diese Experten liefern Fakten

Der Regisseur nutzt dramaturgische und filmische Mittel, wie Spielszenen oder den Wechsel von Farbe zu Schwarz-Weiß, um dem Werk Spannung zu verleihen, aber auch um den Charakter der Dokumentation zu unterstreichen. Das gelingt ihm auch mit den Szenen, in denen er Forscher zum Thema befragt. So etwa den sauerländischen Publizisten Peter Bürger, den pensionierten Polizeibeamten Hans-Dieter Hibbeln (Detmold) oder den Gastwirt Helmut Ostmann aus Lichtenau, der über die juristisch und historisch relevante Acta Klostermann verfügt.

 Denn eines war Schanz vor Beginn seiner ersten eigenen Produktion klar: Es sollte „keine Räuberpistole“ werden, sondern eine spannende Dokumentation, die den Wildschütz  weder verklärt noch verteufelt. Regisseur Schanz beleuchtet die historischen und sozialen Hintergründe und stellt damit auch das harte Leben und das Elend der Landbevölkerung dar. 

Diese Verbrechen beging der Wilderer

Seit dem ersten Auftauchen 1855 bis zur letzten Gerichtsverhandlung 1885 in Paderborn lassen sich die Spuren des Wilddiebs nachzeichnen, vor allem aber die juristischen und amtlichen Aufzeichnungen, etwa des langjährigen Widersachers, des preußischen Oberförsters Joseph Freiherr von Wrede, der bei der Verfolgung des Klostermann eine Ladung Schrot abbekommt. 

Wahrscheinlich war es der Wildschütz, obwohl ausgerechnet von Wrede dies stets in Abrede stellte. Später hat Hermann Klostermann selbst die Tat zugegeben. Angeschossen hat der Wilddieb nach bisherigen Erkenntnissen auch Forstaufseher Heinemann aus Rhoden. 

So wird sein Leben verklärt

 Für Verklärung, wie sie etwa in den Romanheften oder dem vor 25 Jahren zum Dorfjubiläum von Helmighausen aufgeführten Laienstück das Bild des Wilddiebs Hermann Klostermann verschleiert, ist kein Grund: Er ist ein Kind seiner Zeit und er ist trotz der Not eine Rechtsbrecher. Als solcher wird er verfolgt und verurteilt von den Amtsgerichten zwischen Arolsen und Warburg, zwischen Padernborn und Büren.

 Die Strafe von insgesamt 15 Jahre verbrachte er hinter Gefängnismauern. Es ist nicht so, wie in bisherigen Geschichten berichtet wird, dass er die in Paderborn verhängte Haftstrafe von acht Jahren nicht ganz abgesessen hat. Vielmehr wurde der Klostermann, so fand Regisseur Peter Schanz heraus, nach dem Brand im Gefängnis in Herford in den Knast nach Köln verlegt. 

So endete sein Komplize

  War das vermeintlich freie Leben in den Wäldern das alles wert? Diese Frage stellt Schanz mit Blick auf die Anhänger der Robin Hood-Version. Schließlich drohte Hermann Klostermann das gleiche Schicksal wie seinem Komplizen Lohoff aus Oesdorf, der auf der Flucht von den preußischen Soldaten erschossen wurde.

 Wie und wann das Leben des Hermann Klostermann endete, ist unbekannt. Dem jungen Mann, der wahrscheinlich in schlechter Zeit nur in der Fremde sein Glück gesucht hat, kann Schanz auch sympathische Seiten abgewinnen. Der Film „Jäger und Gejagter“ läuft im Cine-Plex Warburg noch täglich bis Mittwoch, 18. April. 

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