Diemelstadt muss mehr für Brandschutz tun

Diemelstadt schiebt Bugwelle an Investitionen für Brandschutz vor sich her

Gebäudeansicht eines Feuerwehrhauses aus den 70er Jahren  mit vier Garagen. Ein Fahrzeug steht neben dem Gebäude.
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Mindestens drei Feuerwehrhäuser in Diemelstadt müssen saniert oder erneuert werden. Dies ist der Feuerwehrstützpunkt in Rhoden.

Millionenbeträge wird die Diemelstadt in den kommenden Jahren zur Aufrechterhaltung des Brandschutzes in ihren Stadtteilen aufbringen müssen.

Diemelstadt - Das lässt sich aus dem aktualisierten Bedarfs- und Entwicklungsplan der Feuerwehr ablesen, den Stadtbrandinspektor Volker Weymann am Donnerstag im Stadtparlament vorstellte.

Die rund 220 Einsatzkräfte können nämlich auf Dauer nur dann die vielfältigen Herausforderungen an den Brandschutz und die Sicherheit in der Region erfüllen, wenn auch ihre Ausrüstung auf dem neusten Stand ist.

Respekt vor dem technischen Prüfdienst

Die aktuelle Analyse von Fahrzeugpark und Gebäudebestand kommt jedoch in vielen Punkten zu einem anderen Ergebnis. Der technische Prüfdienst des Landes wacht darüber, dass die Vorgaben auch eingehalten werden. Bei schwerwiegenden Mängel können Fahrzeuge und Gebäude sogar für den Betrieb gesperrt werden.

Die beiden Tragkraftspritzenfahrzeuge in Ammenhausen und Dehausen Fahrzeuge haben ihre maximale Lebensdauer von 25 Jahren schon um sechs, beziehungsweise neun Jahre überschritten, drei weitere in Orpethal und Rhoden stehen kurz davor.

Amtliche Risikoanalyse

Die Feuerwehrhäuser in Rhoden, Wrexen und Helmighausen müssen dringend erneuert werden, weil sie für die modernen Fahrzeuge und Herausforderungen zu klein geworden sind und die Anforderungen des technischen Prüfdienstes schon lange nicht mehr erfüllen.

Grundlage des Bedarfs- und Entwicklungsplans ist eine amtliche Risikoanalyse für jeden Stadtteil. Daraus ergeben sich ein Bedarf an Fahrzeugen und Mannschaften.

Clevere Kombinationslösungen finden

Allerdings wird die Sollstärke an ausgebildetem Personal, vor allem Atemschutzgeräteträgern, in den kleinen Dörfern oft nicht mehr erreicht. Deshalb ist eine Zusammenarbeit der Nachbarwehren nötig. Konkret bedeute das zum Beispiel, dass in Dehausen und Ammenhausen nicht mehr zwei Tragkraftspitzenfahrzeuge TSF vorgehalten werden müssten.

Stattdessen reicht ein neues TSF-W mit Löschwasser für den Erstangriff, stationiert in Ammenhausen. Mit einem neuen Mannschaftstransportfahrzeug könnten die Dehäuser Einsatzkräfte zum Brandort fahren und dort gemeinsam das TSF-W einsetzen.

Großer Investitionsbedarf in den nächsten acht bis zehn Jahren

Eine noch engere Zusammenarbeit mit der Werksfeuerwehr der Papierfabrik Smurfit-Kappa wird in Wrexen diskutiert. Denkbar sei zum Beispiel der Neubau eines gemeinsamen Feuerwehrhauses für die Feuerwehren von Orpethal, Wrexen und Smurfit-Kappa.

Insgesamt müssen in den kommenden Jahren zwei TSF-W, ein Löschfahrzeug (H)LF 20, ein Rüstwagen, fünf Mannschaftstransportfahrzeuge und ein Gerätewagen Nachschub neu angeschafft werden. Zusammen mit den Neubauten in Rhoden, Wrexen und Helmighausen, ergibt sich ein Investitionsbedarf von gut zehn Millionen Euro in den nächsten acht bis zehn Jahren.

Brandschutz ist eine Pflichtaufgabe

Das Problem sei so groß geworden, weil in den vergangenen 20 Jahren zu wenig in die Gebäudesubstanz der Feuerwehrhäuser investiert worden sei, erklärte Weymann.

Bürgermeister Elmar Schröder widersprach nicht, verwies auf die vielen Baustellen, die die Diemelstadt derzeit abarbeiten müsse und lud die Stadtverordneten dazu ein, sich vor einem Beschluss über den Bedarfs- und Entwicklungsplan einmal die Schäden in den Feuerwehrhäusern vor Ort anzuschauen. Der Brandschutz sei eine Pflichtaufgabe der Stadt und habe Vorrang vor anderen Projekten wie etwa dem Neubau eines neuen Technikgebäudes am Wrexer Steinbergbad.

Kooperationslösungen weiter verfolgen

Das bestätigten auch die Sprecher aller Fraktionen: Rolf Römer (SPD): „Wir haben 20 Jahre so gut wie nichts gemacht und schieben jetzt eine Bugwelle vor uns her.“ Alle angedachten Kooperationslösungen seien gute Ideen, die weiter verfolgt werden müssten.

Rainer Runte (CDU wünschte sich mehr Unterstützung vom Land beim Neubau von Feuerwehrhäusern. So werde das im benachbarten NRW gehandhabt.

Hauptamtlicher Gerätewart wäre sinnvoll

„Es wird noch viele Jahre dauern, bis das alles abgearbeitet ist“, stellte Florian Boos von den Freien Wählern fest und ergänzte: „Gut, dass die Feuerwehren sich um Kooperationen bemühen.“.

Aus Sicht der Grünen unterstrich Christine Garve-Liebig, dass im Bedarfs- und Entwicklungsplan auch von einer halben Stelle für einen hauptamtlichen Gerätewart die Rede sei. Auch diese Position dürfe nicht vergessen werden.

Mindestens drei Feuerwehrhäuser in Diemelstadt müssen saniert oder erneuert werden. Dies ist das Feuerwehrhaus in Wrexen.

Bürgermeister Elmar Schröder räumte ein, dass der Magistrat diese Personalkosten gerne vermeiden würde. Man wolle zunächst versuchen, „mit Bordmitteln“ des Bauhofs zurechtzukommen. (Elmar Schulten)

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