Diemelstädter Windmüller klagen über fallende Stromvergütung

Landschaftsprägend: Starkstrommasten und Windkraftanlagen im Raum Twistetal-Mengeringhausen. Foto: Armin Haß

Diemelstadt-Neudorf. Der Wind bläst Investoren und Betreibern von Windkraftanlagen ins Gesicht. Die Vergütungen sinken seit Beginn er Auschreibung der Stromlieferungen wie der Vorsitzende des Bundesverbands Windenergie Nordhessen, Ralf Hecker, berichtet.

 Sein Stellvertreter Friedrich-Wilhelm Brühne aus Neudorf hatte erst vor kurzem gegenüber der WLZ den Preis von derzeit 4,2 Cent pro Kiowattstunde als Vergütung als zu niedrig kritisiert. Dieser Betrag ist das Ergebnis der inzwischen vorgeschriebenen Ausschreibungen anstelle der festen Vergütungen.

Wie lässt sich noch Strom produzieren?

Dafür kann niemand Strom liefern, sagt Brühne. Bisher konnten die Windmüller mit etwa acht Cent kalkulieren. Die Folge: Die Anzahl der geplanten Windkraftanlagen in Deutschland nimmt laut Hecker ab.

Er gibt zu bedenken, dass 300 000 Arbeitsplätze auf die Nutzung erneuerbarer Energien bauen. Knapp 17 Prozent des erzeugten Stromes in Deutschland stammt aus Windmühlen

Wer profitiert von Ausschreibungen?

Bei den Ausschreibungen sollen nach dem Gesetz Bürgerwindanlagen bevorzugt werden. In diesem Jahr haben bei den ersten beiden Ausschreibungen zu 95 Prozent Bürgerwindanlagen den Zuschlag bekommen.

Doch 70 Prozent der Vergütungen gehen an eine Projektgesellschaft, kritisiert der Vorsitzende des Windenergie-Verbandes mit 600 Mitgliedern in Nordhessen. 

Strohmänner als Betreiber

Das sei rechtlich in Ordnung, weil die formalen Voraussetzungen für die Zulassung zur Ausschreibung durch den geforderten regionalen Bezug bestehen.

Das sind nach seinen Beobachtungen ortsansässige "Strohmänner", von denen die Projektgesellschaft nach zwei Jahren Karenzzeit die Windkraftanlagen abkauft. So haben die großen Unternehmen letztlich den Vorteil. Für die beiden nächsten Ausschreibungen wird das Reglement verschärft.

Wie wird Ausgleich erreicht?

Bisher mussten Bürgerwindkraftwerke noch nicht genehmigt sein, galt für den Bau eine Frist von 54 Monaten. Für die kommenden Bieterrunden werden bereits die Genehmigungsbescheide nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz von den Bürgerwindanlagen gefordert.

Für alle Anderen gilt bereits, dass sie eine Genehmigung vorweisen müssen und die Anlage innerhalb von 30 Monaten gebaut wird.

So könnte es wirtschaftlicher werden

Die Bieter spekulierten auf fallende Preise für Windmühlen, so Verbandsvorsitzender Hecker. Effiziente Technik werde dazu beitragen, dass die Windmühlen mehr Strom innerhalb eines Jahres lieferten und die Netze besser ausgelastet würden.

Durch den Strom-Mix aus verschiedenen erneuerbaren Energien könnten aus Flauten resultierende niedrigere Stromeinspeisungen ausgeglichen werden.

Wann sinken die Strompreise?

Die Kosten des Stromes könnten durch einen dezentralen Ausbau des Netzes zur Versorgung mit Ökostrom gesenkt werden

Viele Faktoren fließen in den Strompreis ein, wie der Vorsitzende des Windenergie-Verbands Nordhessen, Ralf Hecker (Freienhagen) berichtet.

Warum werden Anlagen abgeschaltet?

 So müssen die Kosten für eine Abregelung der im Küstenbereich auf vollen Touren laufenden Windmühlen eingepreist und die Aufwendungen für einen Ausbau des Stromnetzes in die Ausschreibungsverfahren einfließen.  Diese Belastungen entfielen bei dem Ausbau einer dezentraler Versorgung.

 Und wie wirkt sich das Ganze auf die Stromkunden aus, die mit rund 29 Cent pro Kilowattstunde hohe Umlagen für die Einspeisung des Alternativ-Stroms zahlen müssen? 

Wofür brauchen wir so viel Strom?

Hecker schätzt, dass diese Umlage vielleicht noch steigen werde, dann aber bei steigenden Börsenpreisen absinke. Den Preis legen aber die Energieversorgungsunternehmen fest. 

Wir brauchen mehr Öko-Strom, auch für die E-Mobilität, sagt Hecker. Neben der bereits beschlossenen Abschaltung er Atomkraftwerke sollte zum Schutz des Klimas die Kohleverstromung reduziert werden. 

Was kommt noch?

Derzeit liefern in Waldeck-Frankenberg 100 Windkraftanlagen Strom. Für gut 50 weitere im Plan befindliche Windmühlen läuft noch das Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Wie es weiter geht, das hängt auch vom Ergebnis der Klagen der Städte Korbach und Diemelstadt sowie der Gemeinden Diemelsee und Willingen gegen die Windvorranggebiete im nordhessischen Raumordnungsplan zusammen. 

Wie kommt es zu den Klagen?

Ralf Hecker, Bundesverband Windenergie, stellt dazu fest: Das Verfahren war transparent. Auch die klagenden Kommunen waren in der Planungsversammlung vertreten, die die Vorranggebiete beschlossen hat.

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