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Ein Garten voller Kunstwerke für die Öffentlichkeit

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Von: Julia Janzen

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Eine Frau und ein Mann unter einem Sternenzelt im Garten
Barbara und Rudolf Beisinghoff unter dem Sternenzelt, das die Künstlerin mit Schlossbergschülern gestaltet hat. © Julia Janzen

Die Kunst ist es, die seit Jahrzehnten das Leben von Barbara und Rudolf Beisinghoff prägt. Im Haus des Paars in Rhoden hat die Künstlerin mehrere Räume, in denen sie arbeitet – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Kunstinteressierte sind dennoch willkommen, denn hinter dem Haus gibt es Kunst für alle: In dem riesigen Garten haben Beisinghoffs einen Kunstpfad erschaffen, der jederzeit zugänglich ist.

Diemelstadt-Rhoden - Rund 5000 Quadratmeter misst der gesamte Garten. Der Kunstpfad, der einmal mitten hindurch führt, wird beständig erweitert. Einige Arbeiten stammen von Barbara Beisinghoff, andere stammen von Studenten und viele haben Künstlerinnen aus aller Welt beigesteuert. Jahrelang lud Barbara Beisinghoff andere Künstlerinnen zu sich ein, aus England, den USA, Indien und Australien kamen die Frauen. Sie lebten und arbeiteten eine Zeit lang in Rhoden und bevor sie gingen, hinterließen sie Kunst für den Garten, die nun jeder bewundern kann.

Der Mittelpunkt des Gartens ist das Sternenzelt: Barbara Beisinghoff hat zusammen mit Schülern der Schlossbergschule einen Sommer an dem Himmel aus Messing gearbeitet, der sich über eine kleine Sitzgruppe spannt. Zu sehen sind darauf zahlreiche Sternbilder, verbunden mit einer Geschichte aus der griechischen Mythologie. Ein ganz ähnliches Projekt – in den Ausmaßen jedoch deutlich größer – hat die Künstlerin für ein Projekt am Berg Lushan in China umgesetzt.

Eine Frau steht an einer großen Druckerwalze, im Hintergrund großformatige Kunst
Das Herz der Werkstatt: Barbara Beisinghoff an der Druckerwalze in der Werkstatt. © Julia Janzen

Hölzerne Bänke, Sandsteinstelen und großformatige Figuren, ein großes Sitzmöbel und im Boden eingelassene Platten ziehen sich durch das Gelände des historischen Küchengartens in Rhoden, zuletzt hinzu kam eine große steinerne Schale, die die Stadt Diemelstadt dem Ehepaar überlassen hat. Die sei allerdings noch nicht komplett integriert, sagt Barbara Beisinghoff. Daran arbeitet das Paar noch.

Und der Kunstpfad wird sich auch weiterhin füllen, jedes Jahr kommen neue Werke hinzu. Mit viel Herzblut arbeiten Beisinghoffs, aber auch viele engagierte Helfer an dem besonderen Garten-Kunstprojekt.

Schild an einem Eingang zu einem Kunstgarten
Zwei Eingänge zum Kunstpfad gibt es. An Schildern dort wird das Projekt beschrieben. © Julia Janzen

Begrenzt wird der riesige Garten auf einer Seite durch eine historische Mauer: Diese stamme noch aus dem Jahr 1650, erzählt die Künstlerin. Georg Friedrich von Waldeck hat zu dieser Zeit den Lustgarten anlegen lassen. Der sogenannte untere herrschaftliche Garten bildete das Gegenstück zum Garten am Schloss Rhoden, das Georg Friedrich ebenfalls bauen ließ, und das sich über den Ort erhebt. Noch heute ist die dreistufige Terrassen-artige Struktur des Gartens zu erkennen, der später auch als Küchengarten für das Fürstenhaus genutzt wurde.

Doch nicht nur der damalige Fürst nutzte die Flächen als Garten. 1904 pachtete Johannes Görg vom Fürsten die Flächen, es entstand ein Gartenbaubetrieb, der Jahrzehnte fortbestand und noch heute vielen bekannt ist. Seit den 1980er-Jahren steht das Areal unter Denkmalschutz.

Das Haus, in dem Barbara und Rudolf Beisinghoff leben, wurde 1910 gebaut. Rudolf Beisinghoff wuchs darin auf, besuchte in Rhoden die Grundschule, wurde im Ort auch konfirmiert – und lebte dann Jahrzehnte lang auswärts. Allein rund 40 Jahre lebten er und seine Frau im Rhein-Main-Gebiet, bevor sie vor gut elf Jahren nach Rhoden zogen. Das Haus stand damals leer. „Ich kann überall arbeiten, wo ich eine Werkstatt habe“, sagt die bildende Künstlerin.

Hinter der Figur von Karin Bohrmann-Roth fällt der Blick auf die Lustgartenmauer von 1650.
Hinter der Figur von Karin Bohrmann-Roth fällt der Blick auf die Lustgartenmauer von 1650. © Julia Janzen

Im Erdgeschoss des Hauses erstreckt sich ihre Werkstatt über mehrere Zimmer. Das Herz bildet eine große Druckerwalze, die allein fast einen Raum einnimmt. Doch Barbara Beisinghoff ist vielseitig, neben Drucken entstehen unter anderem auch Radierungen, Installationen und zuletzt auch immer häufiger aufwendig gestaltete Künstlerbücher.

Im Keller des Hauses hat sie ein neues Projekt gerade begonnen: Wieder zusammen mit Kindern aus Rhoden wird sie ein Kupferrelief anfertigen, das an einem Teil der alten Roder Stadtmauer angebracht werden soll (siehe weiterer Artikel). Bis Ende Mai soll alles fertig sein, die ersten Kinder haben schon mitgewirkt.

Wer mehr über die bildende Künstlerin erfahren möchte: Auf ihrer neu gestalteten Internetseite gibt es viele weitere Infos. Der historische Küchengarten ist eingebunden in die Gartenroute Eder-Lahn-Diemel.

Kinder können sich an Stadtmauer verewigen

Auch aktuell arbeitet die Künstlerin wieder mit Kindern zusammen: Diese können sich bei einem besonderen Projekt in der Rhoder Stadtmauer verewigen. Barbara Beisinghoff ruft alle Rhoder Mädchen und Jungs ab der ersten Klasse auf zum Mitmachen.

Im Keller der Künstlerin, Warburger Weg 20, liegen Kupferplatten bereit, in deren Decklack die Kinder ritzen können. Ob Zeichnungen von Kindern beim Sport, beim Musizieren oder mit Tieren, ist den jungen Künstlern selbst überlassen. „Zeichnet das, was euch wichtig ist“, sagt Barbara Beisinghoff. Sie wird die Zeichnungen später zum Relief ätzen, die Kinder selbst arbeiten mit Radiernadeln, die Beisinghoff zur Verfügung stellt. Das Relief wird dann an der Stadtmauer mitten im Ort zu sehen sein. Insgesamt können sich etwa 50 Kinder verewigen.

Weil nicht mehr als sechs Kinder gleichzeitig in dem Keller arbeiten können, bittet Barbara Beisinghoff um Absprache eines Termins per Mail an die Adresse barbara@beisinghoff.de. jj

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