Erinnerungen an eine bescheidene, aber glückliche Kindheit im Waldecker Land

Mamapuppe jedes Jahr neu

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Inge Heinemann mit ihrer Lieblingspuppe aus frühesten Kindertagen.

Diemelstadt-Dehausen. Weihnachten beschert stets besondere Momente. Und so manches Geschenk, manche Begebenheit zum schönsten Fest des Jahres bleibt ein Leben lang in Erinnerung. In unserer Adventsserie erzählt Inge Heinemann aus Dehausen die Geschichte von einem Geschenk, das sie seit Kindertagen begleitet:

Wenn ich in der Vorweihnachtszeit durch die Geschäfte gehe und sehe die Unmengen an Spielzeug für Kinder. Dann muss ich an meine bescheidene Kindheit denken. 1943 bin ich geboren da gab es nichts und auch in den nächsten Jahren war Spielzeug Mangelware. Mein Vater war Schreiner und so bekam ich einen Puppenwagen aus Holz und eine Puppenstube mit Möbeln aus Holz. Dann bekam ich zu Weihnachten eine Puppe, eine sogenannte „Mamapuppe“.

 Wenn ich sie vor und zurück bewegte sagte sie Mama. Das Gesicht war aus Porzellan ,schöne große Augen und lange Wimpern, nur die Haare waren etwas dürftig. Ich war ganz stolz. Nach Weihnachten nahm meine Mutter die Puppe und legte sie in den Schrank mit den Worten „damit nichts dran kommt! Im nächsten Jahr zu Weihnachten war sie wieder da und immer mit einem neuen Kleid was meine Mutter liebevoll genäht hatte.

Meine Großmutter erzählte mir woher die Puppe kam. Immer noch im Schrank In den Zeit nach dem Krieg kamen viele Menschen aus den Städten „die sogenannten Hamsterer“ sie versuchten alles was sie nicht brauchten gegen etwas essbares zu tauschen. Eine Frau kam mit der Puppe zu uns sie bekam dafür Kartoffeln, ein Glas eingekochte Wurst und ein Stück Speck. Später habe ich mich oft gefragt welcher Erwachsene oder welche Kind hat diese Puppe schweren Herzens für etwas zu essen hergegeben? Heute nicht mehr vorstellbar.

Die Puppe habe ich immer noch, im Schrank „damit nichts dran kommt“ wenn ich sie betrachte erinnert sie mich an einfache, bescheidene, aber glückliche Kindertage.

Hintergrund

Für die Adventsserie „Mein schönstes Geschenk“ sucht die WLZ-Redaktion Leser, denen Weihnachtspräsente besonders im Gedächtnis geblieben sind oder noch nach Jahrzehnten einen Ehrenplatz behalten haben. Vielleicht auch, weil die Geschichte dazu so lustig oder so einzigartig war. Das kann ein Holzspielzeug aus Kriegszeiten sein, die Modelleisenbahn, die erste Puppe, ein besonderes Familienstück oder ein scheinbar ganz banales Präsent, das aber mit einer unvergesslichen Situation verbunden ist.

 Schreiben Sie an die WLZ-Redaktion unter dem Stichwort „Adventsserie“, per Brief, Fax oder E-Mail. Oder rufen Sie uns an, welche Geschichte Sie zu berichten haben. Postanschrift: Waldeckische Landeszeitung, Lokalredaktion, Lengefelder Straße 6, 34497 Korbach; Fax: 05631/560-159; Tel.: 05631/560-150; E-Mail: lokalredaktion@wlz-online.de.

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