Ruhm als „Robin Hood der Egge“

Film über Wilddieb Hermann Klostermann kommt ins Kino

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Hauptdarsteller des Spielfilmes: Michael Vockel-Böhner als Schuhmacher Lohoff und Julian Jakobsmeyer als Wildschütz Hermann Klostermann.

Diemelstadt/Marsberg. Im 19. Jahrhundert war er in der gesamten Region berühmt, einfache Leute nannten ihn den „Robin Hood der Egge“: Peter Schanz hat Hermann Klostermanns Leben verfilmt. Im April kommt „Jäger und Gejagter – Der Wilddieb Hermann Klostermann“ ins Kino.

Die preußische Obrigkeit verfolgte ihn mit Militär als „Staatsfeind“: Hermann Klostermann war ein Wilddieb, er ging trotz Verbots und mehrerer Verhaftungen im Eggegebirge und im Grenzgebiet zwischen Sauerland und Nordwaldeck auf die Jagd.

Peter Schanz von der Produktionsfirma Blautann-Film in Bad Lippspringe hat dessen Leben verfilmt, im April kommt der Streifen mit dem Titel „Jäger und Gejagter – Der Wilddieb Hermann Klostermann“ in heimische Kinos.

Dabei setzt er vor allem auf das Können von Laienschauspielern aus der Region. „Wir haben uns in unserem Umfeld umgeschaut, da wir die Personen gut kennen und genau wissen, wer für welche Rolle geeignet ist“, sagt Anke Schanz. „Uns ist es wichtig, dass die Gesichter zur Figur in der Geschichte passen.“

So spielt der Briloner Michael Vockel-Böhner Klostermanns ständigen Begleiter, den Schuhmacher Lohoff aus Oesdorf bei Marsberg. Er und seine Kollegen agieren als stumme Darsteller, während Peter Schanz die Geschichte erzählt. Zwischen den Filmszenen liefern die Heimatforscher Peter Bürger, Hans-Dieter Hibbeln oder Hermann Böhne von der Bruchmühle bei Neudorf einige geschichtliche Fakten.

PeterSchanz

Kaum ein anderer war so präzise im Schießen wie der Wildschütz Klostermann, und kaum ein anderer wurde im Volk so verehrt. Viele Menschen waren arm und hungrig, durften aber nicht jagen – er nahm sich einfach, was er brauchte. So wurde er ihr Held. „Er war bereits zu Lebzeit eine Legende, und auch heute interessieren sich die Menschen für seine Geschichte“, sagt Peter Schanz.

Von 1872 bis 1953 erschienen mehrere Heimatromane über ihn, 1911 führten Niedermarsberger Heimatfreunde erstmals ein Theaterstück auf, die Hesperinghäuser brachten den Wilderer 2007 auf die Bühne. Die Lichtenauer laden alle zwei Jahre zum Wildschütz-Klostermann-Markt ein. Nur: Was ist wahr und und wo beginnt die Dichtung? Das fanden Peter Bürger und Hans-Dieter Hibbeln für den Geschichtsverein „Marsberger Geschichten“ heraus, ihr 2014 erschienenes Buch diente auch als Grundlage für den Film.

Schüsse fallen in der Dokumentation oft. Denn Klostermann soll nicht nur auf Tiere, sondern unter anderem auch auf Oberförster von Wrede geschossen haben. „Die Szene ist schon sehr prekär“, sagt Schanz. „Während früher Alkohol als Betäubungsmittel eingesetzt wurde, zeigen wir, wie sich der Arzt zunächst selbst einen Schluck gönnt.“

Neben dem Detmolder Freilichtmuseum dienten auch Hardehausen, der Orper Grund, die Bruchmühle, Alt-Rhoden oder die Kapelle in Böddeken bei Büren als Drehorte. In Böddeken ließ er Laiendarsteller originalgetreu als preußisches Bataillon ausstaffieren und aufmarschieren. „Man sah vor lauter Schießerei nur noch Nebel“, sagt Schanz. Mehr als 40 Schauspieler waren im Einsatz.

Ein Held und Staatsfeind

„Der Film zeigt den Wildschütz ungeschönt sowohl als Kriminellen, der auf seine Verfolger schoss, als auch als charmanten Helden, den die Frauen liebten und die Bauern vor der Obrigkeit verleugneten“, sagt Schanz. „Für Preußen mutierte er nach und nach zum Staatsfeind Nummer Eins.“

Der Film kommt im April in die Kinos. Auf der Internetseite der Produktionsfirma Blautann-Film ist bereits der Trailer anzuschauen. 

Von Ramona Richter

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